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Politik

Die einzige Plattform für die Schwachen

Vielfach totgesagt, aber dennoch lebendig: die Vereinten Nationen. Die Weltorganisation feiert ihren 58. Geburtstag. Heinrich Bergstresser kommentiert.

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Der 24.10.1945 gilt als der Gründungstag der Vereinten Nationen (UN). Damals trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft. 51 Staaten - unter ihnen der Irak – hatten sie wenige Monate zuvor auf der Gründungskonferenz in San Francisco einstimmig beschlossen.

In der Regel sind die Lebenszyklen von Regierungen, Organisationen und Bündnissen kurz und überschaubar. Für die UN trifft diese Regel bislang nicht zu, trotz gegenteiliger Behauptungen - besonders in den letzten Monaten. Es sieht ganz und gar nicht danach aus, dass diese Regel weder auf kürzere noch auf längere Sicht greift, auch wenn das Weiße Haus in Washington und das Pentagon die Weltorganisation politisch bereits mehrfach zu Grabe getragen haben.

Überlebt trotz Versagen

Allen Unkenrufen zum Trotz: Die UNO lebt - mit allen Schwächen und allen Stärken. Sie ist die einzige Organisation, die die weltumspannende rechtliche Legitimität besitzt, die Gefährdung des Weltfriedens festzustellen. Sie hat schwere Krisen erlebt, hat den Korea-Krieg 1953 und den Golfkrieg 1991 gemeistert, in der menschheitsgefährdenden Kuba-Krise erfolgreich vermittelt und den Entkolonisierungsprozess forciert, hat im Kongo und in Ruanda versagt, stand vor und während des Irak-Krieges 2003 als handlungsunfähige und zum Tode verurteilte Organisation da und hat dennoch überlebt.

Denn die Organisation der UN ist und bleibt gewissermaßen ein Kind der USA, ist seit der Stunde Null - der Übernahme der Weltmachtposition Nummer Eins - von den USA abhängig, was Vorteile wie auch Nachteile mit sich bringt. Aber die Väter der UN - allen voran US-Präsident Franklin Roosevelt - wussten, dass es zur Sicherung des Weltfriedens, der Verteidigung der Freiheit, Unabhängigkeit und Menschenrechte mehr bedurfte als die alleinige Führungsmacht USA. Und der Emanzipationsgedanke ist im Begriff "Vereinte Nationen" bereits angelegt, was also zwangsläufig zu Meinungsverschiedenheiten und politischen Kontroversen führen muss. Diese sollten aber nach den Regeln der Vereinten Nationen gelöst werden, was nicht immer gelungen ist.

Der Irak-Krieg hat Narben geschlagen

Die Zerreißprobe vom Frühjahr 2003 hinterlässt tiefe Narben in der UNO. Aber diese Narben beweisen allen - auch den USA - dass Legitimität in der internationalen Staatengemeinschaft nicht beliebig definierbar ist und eine "Neue Weltordnung" mit Sicherheit anders aussieht, als es sich die amtierende US-Regierung vorstellt. Diese Lektion im Fall Irak ist für die USA besonders schmerzhaft, finanziell wie personell. Denn fast täglich verlieren US-Soldaten ihr Leben für eine Sache, die sich politisch in der Sackgasse befindet, militärisch nicht mehr beherrschbar und finanziell ein Desaster ist. Daran ändert auch die Irak-Geber-Konferenz in Madrid nichts.

Die Vereinten Nationen sind aus der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges heraus entstanden, und ihre Strukturen haben sich nur unwesentlich verändert. Doch trotz dieser Mängel sind sie die einzige Plattform, auf der auch die Schwächeren ihre Stimme erheben können. Die Starken müssen erkennen, dass nur ein gemeinsamer Wille die wirklichen Bedrohungen der Freiheit, Unabhängigkeit und des Friedens erfolgreich bekämpfen kann.

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