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Kultur

"Die einzige Langnase"

Richard Sattler, Geschäftsführer der Kölner Firma IBG, gehört zu den Pionieren unter den mittelständischen deutschen Unternehmen in China. Über seine Erfahrungen hat Thomas Bärthlein mit ihm gesprochen.

Herr Sattler, Sie haben mit Ihrer Firma IBG 1996 relativ früh für einen mittelständischen Betrieb angefangen, in China zu produzieren. Wie waren die Anfänge?

Ich selber bin schon seit 20 Jahren China-Reisender, seit 1983 – und kenne von daher schon viele Jahre die Entwicklung dort. Der Beginn war ein Besuch einer Messe in Nanjing 1994, als ich über einen Zeitraum von einem Tag im Prinzip die einzige "Langnase" war. Dabei fand ich aber schon relativ viele Anbieter vor mit dem Produkt, mit dem wir Weltmarktführer sind. Und das war der Auslöser, 1994 bereits mit der Planung der IBG-Aktivitäten in China zu beginnen.

Welche Produkte sind das?

Damals, in der Phase, in der ich damals in China unterwegs war, waren das Produkte der Schweißtechnik. Das ist auch bis heute unser absoluter Schwerpunkt in der VR China, wobei wir unsere Produktpalette auch durch weitere Gesellschaften, die wir in China gegründet haben, und durch Joint Ventures verbreitert haben.

Wie hat sich China seitdem verändert?

Nun, die ersten Freihandelszonen der Achtzigerjahre haben die Voraussetzungen geschaffen, die dann über viele Jahre zu einem dynamischen Wachstum geführt haben. Und damit letztlich auch die Infrastrukturen sich haben entwickeln lassen, die wir heute haben, und die in vielen Bereichen europäischen Standards gleichzustellen sind. Insbesondere wenn man an den Transrapid denkt, geht es ja dahin, dass modernste Technologien bei uns in Deutschland nicht etabliert werden können, aber China uns zeigt, wie das geht.

Heißt das, dass die Anforderungen an Ihre Produkte in China auch über die Jahre gewachsen sind?

Sattler: Nein. Als wir damals in den Markt eingetreten sind, haben wir Produkte hergestellt, die sich hinsichtlich der damaligen Fertigungs-Technologie und des Know-hows doch deutlich durch einen internationalen Standard von der Qualität der im Lande hergestellten Ware positiv abgehoben haben. Das ist auch heute noch der Fall, wobei natürlich die lokale Industrie, insbesondere die privaten Unternehmen, Anschluss an den internationalen Qualitätsstandard gefunden hat, so dass die Vergleichbarkeit eher gegeben ist als noch vor sieben, acht Jahren.

Wie hat sich denn Ihr Unternehmen unter diesen verschärften Wettbewerbsbedingungen entwickelt?

Wir sind mit der Entwicklung unserer gesamten Aktivitäten in der chinesischen Region außerordentlich zufrieden. Es ist nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten, die wir mit unserem ersten Projekt "auf der grünen Wiese" in Südchina hatten, eine Erfolgsstory geworden mit zweistelligen Marktanteilen und Wachstumsraten zwischen 15 und 30 % pro Jahr. Wir haben bis heute fünf weitere Produktionsstätten und Joint Ventures in der Sparte Schweißtechnik gegründet, sowie zwei Handelsgesellschaften, so dass wir heute in der VR China mit über 700 Mitarbeitern tätig sind.

Sehen Sie bei diesen hohen Steigerungsraten denn noch weiteres Wachstums-Potenzial im chinesichen Markt für Ihr Unternehmen?

Im lokalen Markt der VR China sehen wir noch erhebliches Potential. Aber aufgrund der internationalen Vertriebsnetze unserer IBG-Gruppe sehen wir noch ein um ein Vielfaches höheres Potenzial für die Gesellschaften durch weiteren Ausbau der Export-Aktivitäten.

Das heißt, China ist auch im internationalen Vergleich ein wichtiger Standort für Sie? Schließlich sind Sie weltweit tätig...

China ist für uns wichtig im internationalen Produktionsverbund. Natürlich hat jede Fabrik aufgrund der logistischen Voraussetzungen eine gewisse Region zugeordnet bekommen. Für China sehen wir neben der Belieferung der lokalen Märkte auch den pazifischen Raum vor.

Was beeindruckt Sie in China am meisten?

Mit welcher Konsequenz die Wirtschafts-Strukturen sich ändern und Freiräume geschaffen werden für ausländische Investoren. Die Bürokratie hat sich deutlich reduziert, Kompetenzen wurden von der Zentralregierung verlagert bis auf die lokale Ebene. In Verbindung mit der Infrastruktur sind das Voraussetzungen für ein langfristiges Wachstum mit relativ geringen Risiken.

  • Datum 27.08.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/40zq
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