1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Die einzige afghanische Sportlerin bei Olympia

Tahmina Kohistani ist eine der ersten Olympiateilnehmerinnen für Afghanistan. Trotz schlechter Vorbedingungen und Ablehnung in ihrer Heimat gilt für sie bei den Olympischen Spielen die Devise: Dabei sein ist alles.

Tahmina Kohistani läuft ei den Olympischen Spielen für ihr Land. (Photo by Stu Forster/Getty Images)

Tahmina Kohistani läuft ei den Olympischen Spielen für ihr Land

Im Stadion gibt Tahmina Kohistani ein ungewöhnliches Bild ab. Anders als andere Läuferinnen trägt die 22-Jährige kein bauchfreies Sport-Bustier und kurze Hosen. Im Gegenteil. Vollkommen bedeckt, mit einem Kopftuch und langärmligem Sweater stellt sie sich bei Wettbewerben neben den anderen Sportlerinnen auf. Ihre Chancen im 100-Meter-Lauf stehen jedoch bei weitem nicht so gut wie die ihrer Kolleginnen. Dennoch ist Tahmina überaus zufrieden: "Für mich ist es viel wichtiger, dass ich an den olympischen Spielen teilnehme - für mich, für mein Volk und meine Heimat. Das ist für mich schon eine Goldmedaille wert", sagt sie.

Gesellschaftliche Ächtung

Tahmina ist die einzige Frau, die ihre Heimat dieses Jahr bei den Olympischen Spielen in London vertreten darf. Seit fast acht Jahren trainiert sie als Läuferin. Für die Sommerspiele hat sie vor sechs Monaten begonnen, im Kabuler Ghazi-Stadion zu trainieren. Kein leichtes Unterfangen - die technischen Möglichkeiten in Afghanistan sind eingeschränkt.

Die schlechte Sicherheitslage und gesellschaftliche Restriktionen machten es fast unmöglich, als Sportlerin zu trainieren, so Tahmina: "Wenn ich morgens zum Training ins Stadion fahre, müssen mich drei weitere Autos zum Schutz begleiten. Viele Menschen haben mich beleidigt wegen des Wegs, den ich eingeschlagen habe", sagt sie etwas trotzig. Tahminas Trainer Karim ist der Meinung, dass sie das sportliche Talent habe. "Wenn sie nur bessere Trainingsbedingungen hätte, könnte sie auch Gold gewinnen."

Afghanische Delegation bei den Olympischen Spielen in London (Foto: NOC Afghanistan)

Tahmina Kohistani (l.) ist die einzige Olympiateilnehmerin für Afghanistan

Rückendeckung aus der Familie

Aber Tahmina gibt nicht ihren Mitmenschen in Afghanistan die Schuld an den Problemen. Das Land sei gerade erst im Wiederaufbau. Es brauche viel Zeit, um sich wieder an moderne Verhältnisse zu gewöhnen. Ihre Familie sei zum Glück ganz anders, so Tahmina. "Mein Vater hat mir ständig gesagt, dass meine Entscheidung richtig war", sagt sie. "Ich soll den Menschen beweisen, dass ich nichts Falsches mache." Tahminas Vater ermutigte sie, ein Vorbild für andere Frauen in Afghanistan zu sein, erzählt sie stolz. "Er sagte, alle Frauen sollen sagen, ich möchte so sein wie Tahmina."

Sport für eine bessere Zukunft

Menschen mit zwei bunten Luftballontrauben (Foto: Afghan Eyes)

Tahmina will nach den Olympischen Spielen eine Sportakademie für Frauen gründen

Zur Zeit studiert Tahmina an der Universität Kabul Sport auf Lehramt. Sie schreibt gerne Gedichte, erzählt sie schüchtern. Aber die meisten davon zerreiße sie wieder, weil sie sie für unbedeutend halte. Ihre Gedichte handeln von Ungerechtigkeit und anderen gesellschaftlichen Themen. Sie wirbt für mehr Akzeptanz und Toleranz. "Früher war es mein größter Wunsch, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Ich habe acht Jahre dafür gearbeitet. Nun möchte ich, dass unser Land den Frauensport akzeptiert und unterstützt."

Wenn sie nach den Olympischen Spielen zurück nach Kabul geht, möchte Tahmina eine Sportakademie für Frauen gründen, nicht nur um sportliche Wettkämpfe zu gewinnen, sondern auch, um etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu tun. Aber erst einmal möchte Tahmina in London sportlichen Erfolg haben. Ihre Erfahrungen sollen viele weitere afghanische Mädchen motivieren, den Sport für sich zu entdecken. Das, sagt sie, sei die wertvollste Olympia-Medaille für sie und das Land.