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Somalia

Die dringende Suche nach Hilfe für Somalia

Die Lage in Somalia ist dramatisch: Millionen Menschen droht der Hungertod, Terror und Gewalt sind allgegenwärtig. Auf einer Konferenz in London versuchen internationale Vertreter, Hilfen für das Land zu organisieren.

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Zwischen Leben und Tod

Regierungsvertreter aus der ganzen Welt beraten in London über die Zukunft Somalias. Das Land am Horn von Afrika gilt als eines der gefährlichsten und zugleich ärmsten Staaten der Welt. Für Deutschland nimmt Bundesaußenminister Sigmar Gabriel teil. Dieser hatte bei einem Besuch in Somalia vor kurzem eine Verdopplung deutscher Hilfen von 70 auf 140 Millionen Euro angekündigt. In London wolle der Minister für eine Aufstockung der Unterstützung für das ostafrikanische Land werben, teilte sein Sprecher mit.

Nicht endender Terror

Als größte Herausforderung nach mehr als 25 Jahren Bürgerkrieg gelten der Wiederaufbau der Infrastruktur und die Sicherheit in Somalia. Die islamistische Terrorgruppe Al-Shabaab verübt trotz der Präsenz einer afrikanischen Friedenstruppe (AMISOM) mit 22.000 Soldaten immer wieder Anschläge auf Zivilisten und Ziele der Regierung. Weite Teile des Landes sind nicht unter Regierungskontrolle. Bei der Konferenz soll deshalb auch diskutiert werden, wie Somalias Armee und Polizei verstärkt werden können. Auch für den Einsatz der AMISOM-Truppe werden Gelder benötigt. Die EU, der bisher wichtigste Geber, hat angekündigt, ihre Zahlungen deutlich zu kürzen.

Hungerkatastrophe bedroht Millionen Menschen

Die Lage in Somalia wird durch eine drohende Hungerkatastrophe verschärft. Wegen der anhaltenden Gewalt und mehrerer Dürren sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) mehr als sechs Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Drei Millionen sind demnach vom Hungertod bedroht. Die internationale Organisation warnt daher vor einer Situation wie vor sechs Jahren: 2011 kamen mehr als 260.000 Menschen bei einer Hungersnot ums Leben.

Außenminister Gabriel besucht Somalia (picture-alliance/dpa/M. Gambarini)

Bewohner eines Flüchtlingslagers im somalischen Baidoa

Der humanitäre Koordinator der UN für Somalia, Peter de Clercq, sagte beim Auftakt der Konferenz, dass rund 1,4 Milliarden Euro benötigt würden, um den Opfern der Hungerkrise zu helfen. Nur knapp ein Drittel des Geldes gelte aber bisher als gesichert, so de Clercq.

Seit Anfang des Jahres wurden in Somalia laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF außerdem mehr als 36.000 Fälle von extremem Durchfall oder Cholera registriert. Auch die Maserninfektionen bei Kindern nähmen kontinuierlich zu. Angesichts der Hungersnot befürchtet UNICEF, dass im Laufe des Jahres 275.000 Kinder an akuter Mangelernährung leiden werden.

Helfer: Nicht warten, bis es zu spät ist

Hilfsorganisationen weltweit machten zuletzt immer wieder auf die dramatische Lage und die nicht ausreichende Unterstützung am Horn von Afrika aufmerksam. Nach Einschätzung von Experten haben auch die europäischen Gebernationen Afrika zu stark vernachlässigt. "Der Blick war zu stark darauf gerichtet, Flüchtlinge davon abzuhalten, nach Europa zu kommen", sagte der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Kessler, dem Evangelischen Pressedienst. Die Warnungen der Hilfsorganisationen seien zwei Jahre lang überhört worden - ähnlich wie 2001. Auch damals hätten Hilfsorganisationen frühzeitig gewarnt, passiert sei aber lange nichts: "Erst als schreckliche Bilder von Verhungernden gezeigt wurden, floss die Hilfe", so Kessler.

rk/sti (dpa, kna, epd)

 

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