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Kultur

Die drei Karrieren des Armin Mueller-Stahl

In Hollywood drehte Armin Mueller-Stahl mit international bekannten Regisseuren, in Low-Budget-Filmen mit unabhängigen Filmemachern. In Locarno wurde der Schauspieler für sein Lebenswerk geehrt.

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Armin Mueller-Stahl über seine Rolle als "Patriarch"

Die Rolle des Geschichtenerzählers liegt ihm. Sichtlich gut gelaunt und entspannt plaudert Armin Mueller-Stahl beim Filmfestival in Locarno über alte Zeiten: von seinen Anfängen in der DDR, von seiner Filmarbeit in West-Deutschland und von Hollywood. Viele Türen haben sich dort erst Ende der 80er Jahre für ihn geöffnet - da war er schon 50 Jahre alt.

Heute lebt der Schauspieler die meiste Zeit des Jahres bei Los Angeles im ehemaligen deutschen Emigrantenviertel Pacific Palisades, wo sich Ende der 30er Jahre Thomas Mann, Bert Brecht, Lion Feuchtwanger und andere Exil-Künstler aus Europa niedergelassen hatten. Sein Haus im norddeutschen Schleswig-Holstein hat er behalten. Der Blick auf die Ostsee bedeutet dem 1930 in Tilsit geborenen Ostpreußen ein Stück Heimat. In seinem Atelier widmet sich der Künstler Mueller-Stahl inzwischen seinen eigentlichen Leidenschaften: der Malerei und der Musik. Filmangebote lehnt er höflich ab, erzählt er: "Ich will doch nicht dauernd alte Männer spielen."

DDR-Laufbahn zwischen den Welten

Der Weg zum international bekannten Hollywoodschauspieler war lang und steinig für Armin Mueller-Stahl, der eigentlich Konzert-Geiger und Dirigent werden wollte. Die Ausbildung an der Schauspielschule in Berlin musste er abbrechen – wegen "mangelnder Begabung", wie ihm attestiert wurde. Aber er war hartnäckig. Seine erste Filmrolle bekam er 1956 als jugendlicher Liebhaber in Gustav von Wangenheims "Heimliche Ehen".

Filmszene aus Nackt unter Wölfen mit Armin Müller Stahl (links im Bild)

Armin Mueller-Stahl (links) in dem Film "Nackt unter Wölfen", Regie: Frank Beyer (1963)

In der DDR stieg der ambitionierte Schauspieler in kurzer Zeit zum meistbeschäftigten und bestbezahlten Schauspieler auf. Er spielte sehr viel Theater, drehte aber auch Filme fürs Kino und das DDR-Fernsehen. Als Aushängeschild für die Kulturpolitik des Arbeiter- und Bauernstaates wurde er Anfang der 70er Jahre in der TV-Serie "Das unsichtbare Visier" als "sozialistischer Anti-James-Bond" aufgebaut. "Einen Starrummel wie im Westen gab es damals nicht", sagt er. "Aber es gab Zeiten, in denen ich Waschkörbe voller Autogrammwünsche bekam."

Grenzüberschreitender Erfolg im Westen

Auch in Westdeutschland wurde Armin Mueller-Stahl durch Filme wie "Nackt unter Wölfen" (1963) und "Jakob, der Lügner" (1974) berühmt, die sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzten – aufklärerische Rollen, die dem engagierten Schauspieler Zeit seines Lebens immer wichtig waren.

1976 gehörte Mueller-Stahl zu den prominenten Kulturschaffenden der DDR, die die Resolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterschrieben. Ein klares Signal an die Parteiführung der SED: Von da an bekam er keine Rollenangebote mehr. Diese schwere Zeit hat er später in seinem ersten Roman "Verordneter Sonntag" (1981) verarbeitet. 1980 übersiedelte er mit seiner Frau und seinem Sohn endgültig in den Westen.

Barbara Sukowa und Armin Müller-Stahl 1981 in dem Film Lola

Der Schauspieler mit Filmpartnerin Barabara Sukowa 1981 in dem Kinofilm "Lola" von Rainer Werner Fassbinder

Der Regisseur Rainer Werner Fassbinder hatte Mueller-Stahl längst als Charakterkopf in den DDR-Filmen entdeckt und gab ihm 1981 die Hauptrolle in dem Kinofilm "Lola" - der Beginn seiner zweiten Karriere im Westen. Danach drehte ermit bekannten Regisseuren wie Andrzej Wajda, Bernhard Wicki, Axel Corti und Agnieszka Holland.

Hollywood: die dritte Karriere

Keine zehn Jahre später zog es Armin Mueller-Stahl in die USA. Sein Eintritt in die Neue Welt der amerikanischen Filmstudios war glanzvoll: Regisseur Costa-Gavras besetzte ihn für seinen Kinofilm "Music Box", mit Jessica Lange in der weiblichen Hauptrolle. Eine große Herausforderung, da der deutsche Charakterdarsteller die englische Sprache noch nicht wirklich beherrschte.

In "Avalon" (1990), seinem zweiten amerikanischen Film, spielte er die Hauptrolle des jüdischen Familienoberhauptes. Die Arbeit mit US-Regisseur Barry Levinson katapultierte den deutschen Schauspieler auf Anhieb in die Liga der internationalen Charakterschauspieler. Trotz aller kommerziellen Erfolge behielt sich Armin Mueller-Stahl immer vor, auch mit unabhängigen Regisseuren und europäischen Filmemachern zusammenzuarbeiten. Seine rührend-tragische Rolle des New Yorker Taxifahrers Helmut Grokenberger in Jim Jarmuschs "Night on Earth" (1991) ist längst zum Kult avanciert.

Wichtig war ihm immer seine Glaubwürdigkeit und seine innere Balance. Nach seinen vielen Rollen als Bösewicht, Mafiaboss oder eiskalter Verbrecher wechselte er auch immer wieder ins komödiantische Fach: Er spielte gern den Clown oder verträumte Figuren, wie den Baron "Utz" in dem gleichnamigen Film, der sich hingebungsvoll dem Sammeln wohlbeleibter Opernsängerinnen und filigraner Porzellanfiguren aus Meißen widmet. Der Kinofilm, für den er 1992 den Silbernen Bären auf der Berlinale bekam, wurde jetzt in Locarno nochmal gezeigt.

Malen als späte Berufung

Filmfestival Locarno DW-Interview mit dem Schauspieler Armin Mueller-Stahl

Armin Mueller-Stahl beim diesjährigen Filmfestival in Locarno

Selbst Regie geführt hat Armin Mueller-Stahl nur einmal: in dem Kinofilm "Gespräch mit dem Biest", für den er auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm. Er spielt darin den gealterten Doppelgänger Adolf Hitlers, der von amerikanischen Historikern auf seine Echtheit geprüft wird – eine mutige Gratwanderung zwischen Klamotte, Satire und Kammerspiel.

Großen Erfolg als Schauspieler hatte Armin Mueller-Stahl 2001 auch in der Rolle des Thomas Mann in dem Fernseh-Dreiteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman", der in viele Sprachen übersetzt und zum Exportschlager wurde. Mueller-Stahl erhielt dafür den Grimme-Preis. Inzwischen ist ihm die Musik und vor allem die Malerei wichtiger als die Schauspielerei. Für die Ewigkeit blieben, sagt er mit einem Augenzwinkern in Locarno, sowieso nur seine Gemälde und Zeichnungen, nicht seine Filme.

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