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Europa

Die "Dreckigen Mädchen von Lesbos"

Zuhauf finden sich am Strand von Lesbos weggeworfene Kleidungsstücke. Viel zu schade für den Müll, fand eine Australierin - und gründete einen Verein, der Flüchtlingen ebenso nützt wie der Umwelt.

Hosen, Jacken, Socken: Bei der Hermes-Wäscherei in Anaxos auf der Insel Lesbos kommen viele Kleidungsstücke zusammen. Die meisten sind durchnässt und unansehnlich: Flüchtlinge trugen sie am Leib, bis sie von Helfern mit neuer, trockener Kleidung versorgt wurden.

In der Wäscherei werden die Sachen nun für den nächsten Gebrauch vorbereitet. Freiwillige aus insgesamt elf Ländern sortieren, reinigen und trocknen die Fundstücke, damit sie bald wieder in gutem Zustand an neu ankommende Flüchtlinge ausgegeben werden können. Würde man die Kleidung nicht wiederverwenden, wären die Lagerbestände schnell erschöpft.

Organisiert wird die Wäscherei von der Hilfsorganisation "Dirty Girls of Lesbos". Gegründet wurde sie im Oktober letzten Jahres von Alison Terry-Evans, einer Australierin mit ausgeprägtem Unternehmergeist.

Alison Terry-Evans, Gründerin der Dreckigen Mädchen, März 2016 (Foto: Gemima Harvey)

Mutter der "Dreckigen Mädchen": Alison Terry-Evans

Buchstäblich mit dem letzten Hemd

Viele Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten, die im vergangenen Jahr über das Meer nach Europa kamen, landeten auf Lesbos. Die meisten sind mit nur wenigen Habseligkeiten geflohen. Ein Teil davon wurde ihnen während der Überfahrt weggenommen und ins Meer geworfen. Denn die Schleuser wollten auf den überfüllten Schlauchbooten Platz schaffen, um noch mehr Passagiere aufnehmen zu können. Einmal in Lesbos angekommen, freuen sich die Flüchtlinge über jedes wärmende Kleidungsstück.

Alison Terry-Evans betont im Gespräch mit der DW: "Wir verbinden Achtung vor der Natur und den Menschen, indem wir den Neuankömmlingen geeignete Kleidung zur Verfügung stellen. Es geht um Respekt vor den Menschen, die mit ihren letzten Habseligkeiten über das Meer kommen. Und wir wollen dazu beitragen, eine ökologische Katastrophe auf der Insel zu verhindern. "

Über 50 Tonnen Kleidung und Decken hat die Wäscherei in den vergangenen Monaten gereinigt. Ohne die Arbeit der "Dreckigen Mädchen" würden die meist qualitativ guten, aber verdreckten Fundstücke auf den Deponien der Insel zwischen Schwimmwesten und Bootsüberresten verrotten.

Schuhe lagern am Strand von Lesbos auf einem Holzgestell, März 2016 (Foto: Gemima Harvey)

Schuhe warten auf ihre Träger

Müllsäcke voller Kleidung

Dieses Engagement hat auch Anna Moreton und Louise Edwards beeindruckt. Die beiden Freundinnen aus England sind als freiwillige Helfer nach Lesbos gekommen. In dem Fischerdorf Skala Sikaminias haben die beiden zahllose Schuhe gereinigt. Jetzt trocknen diese auf Holzpaletten in der Sonne, direkt am Meeresufer.

Anna Moreton hat zunächst für die Organisation "Better Days For Moria" gearbeitet. An die Menschen in dem Flüchtlingslager Moria hat sie auch Kleidung aus der Wäscherei verteilt. "Ich habe mich entschlossen hier zu helfen, weil ich das Prinzip der Wiederverwertung grundsätzlich gut finde und dazu beitragen möchte, Abfall zu vermeiden."

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, März 2016 (Foto: Gemima Harvey)

Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos

Zwischen Trauer und Freude

Auch Lyn Kirby hat vier Wochen lang freiwillig Kleidung gesammelt und verteilt. "Während eines Abends konnten wir bis zu zwanzig riesige Müllsäcke mit schmutziger Kleidung an die Wäscherei schicken. Die 'Dirty Girls' waschen sie dann - und verhindern auf diese Weise, dass sich hier riesige Abfallberge auftürmen."

Terry-Evans hat in den vergangenen sieben Jahren viel Zeit auf Lesbos verbracht und die Flüchtlingskrise hautnah miterlebt. "So oft haben wir um Menschen getrauert, die im Mittelmeer ertrunken sind. Aber dann gibt es auch all die wunderbaren Menschen, die es bis hierher schaffen und die so dankbar für die kleinen Dinge sind, die wir ihnen bieten können."

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