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Politik

Die DR Kongo wählt

Zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren hat die DR Kongo am Sonntag (30.7.) in freien Wahlen über den künftigen Präsidenten und ein neues Parlament abgestimmt. Die Wahlen verliefen überwiegend ruhig.

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Keine leichte Wahl im Kongo

Viele Kongolesen bezeichneten den Urnengang als Schicksalswahl für ihr kriegszerstörtes Land. Um die Präsidentschaft bewarben sich neben Amtsinhaber Joseph Kabila, der seit dem Ende des Bürgerkriegs 2003 einer Übergangsregierung vorsteht, 32 weitere Kandidaten. Neben dem Favoriten Kabila wurden auch dem einstigen Rebellenführer und jetzigen Vizepräsidenten Jean-Pierre Bemba gute Chancen eingeräumt, sich für eine Stichwahl im Herbst zu qualifizieren. Zu den Bewerbern zählten weiter der frühere Rebellenführer Azarias Ruberwa sowie der Geschäftsmann Pierre Pay-Pay, der bereits unter Diktator Mobutu Sese Seko Minister war.

Internationale Hilfe

Kongo Wahlen Wahlkabine

Lange Wahllisten im Kongo

Die 50.000 Wahllokale schlossen um 17.00 Uhr. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl soll in drei Wochen bekannt sein; die Resultate der Parlamentswahl werden in den kommenden Wochen nach und nach in den Wahlkreisen veröffentlicht. Die Wahlen fanden unter der Aufsicht von 47.000 einheimischen und 1500 internationalen Beobachtern statt. Außerdem wurden für die politischen Parteien und unabhängigen Kandidaten 193.000 Zeugen in den Wahlbüros abgestellt. Für die Europäische Union waren 250 Wahlbeobachter im Einsatz, viele von ihnen sind Abgeordnete des Europaparlaments. 80.000 kongolesische Sicherheitskräfte, mehr als 17.000 UN-Soldaten sowie eine 2000 Mann starke EUFOR-Truppe mit fast 800 Deutschen sollten die Wahlen schützen.

Für die 280 Bundeswehrsoldaten, die in der Hauptstadt Kinshasa stationiert sind, verlief der Tag überraschend ruhig. "Sie spielen Fußball oder machen Putz- und Flickstunden", sagte der EUFOR-Sprecher Peter Fuss. In den vergangenen Wochen waren sie häufig von der Bevölkerung beschimpft worden, weil sich das Gerücht verbreitet hatte, die Europäer hätten Truppen geschickt, um Präsident Joseph Kabila zu unterstützen.

Symbole auf Wahlzetteln

"Wir wollen Frieden und Stabilität im Land sichern", erklärte Kabila bei seiner Stimmabgabe in Kinshasa. Für die 500 Sitze im Parlament kandidierten mehr als 9.000 Bewerber. Als Wahlberechtigte waren fast 26 Millionen der rund 60 Millionen Kongolesen registriert. Angesichts der hohen Analphabetenrate waren auf den Stimmzetteln neben den Namen auch die Bilder der Kandidaten und die Symbole der Parteien abgedruckt. Trotz eines von blutigen Unruhen überschatteten Wahlkampfs knüpft der Kongo, der über Jahrzehnte hinweg unter Ausbeutung, Diktatur und Bürgerkriegen leiden musste, große Hoffnungen auf einen Neubeginn an die Abstimmung. "Heute haben wir die Chance, neu anzufangen und einen Schlussstrich unter all den Krieg zu ziehen", erklärte ein Wähler in Bunia im Osten des Landes, wo es ungeachtet des offiziellen Friedens immer wieder zu Kämpfen kommt und marodierende Milizen Angst und Schrecken verbreiten.

"Komitte der Weisen" soll vermitteln

Ein international besetztes "Komitee der Weisen" soll dem Kongo nun beim friedlichen Übergang zur Demokratie zur Seite stehen. Wie die Vereinten Nationen am Wochenende in New York mitteilten, wird der frühere mosambikanische Präsident Joaquim Chissano dem Beratergremium vorstehen. Es soll bei Konflikten vermitteln und dazu beitragen, dass unter den führenden Politikern des Kongo eine Atmosphäre des Vertrauens entsteht. Weitere Mitglieder sind der frühere Präsident von Benin, Nicephore Soglo, der frühere Ministerpräsident des Senegal, Mame Boye, und der frühere Leiter der Wahlkommission von Tansania, Justice Lewis Makame. Unterstützt wird das Gremium von der UNO und der Afrikanischen Union.


Nach Raubwirtschaft der belgischen Kolonialmacht und später Mobutus sowie zwei blutigen Bürgerkriegen ist das an Bodenschätzen reiche Land im Herzen von Afrika eines der ärmsten der Welt. Ein Großteil der Menschen hat nicht genug zu essen, auf 10.000 Kongolesen kommt nicht einmal ein Arzt. Noch immer sterben nach Schätzungen von Hilfsorganisationen täglich mehr als 1200 Menschen an den Folgen der Konflikte, vor allem an Unterernährung und vermeidbaren Krankheiten. (chr)

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  • Datum 30.07.2006
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