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Asien

Die Dorfvorsteherin von Masar-i-Scharif

Zarifa Qazizadah ist die einzige Dorfvorsteherin in ganz Afghanistan. Sie engagiert sich für die Angelegenheiten des ganzen Dorfes und für Frauenrechte. Den Respekt der Männer hat sie sich inzwischen erkämpft.

Auf ihrem Motorrad fährt Zarifa Qazizadah von Tür zu Tür und kümmert sich um die Anliegen der Bewohner ihres Dorfes, das nahe der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif liegt. Etwa tausend Familien stehen unter der Obhut der einzigen weiblichen Dorfvorsteherin in Afghanistan. Für die Bewohner ist es immer noch ein seltener Anblick, dass eine Frau Motorrad fährt. Dabei hat sich die Mehrheit des Dorfes für sie als Anführerin entschieden. Aus gutem Grund, meint Zarifa: "Die Menschen haben gesehen, dass ich ihnen Zugang zu Elektrizität ermöglicht und den Bau einer Moschee vorangetrieben habe. Ich stand ihnen zur Seite, obwohl ich noch keine offizielle Position inne hatte. Das haben sie honoriert."

Zarifa Qazizadah mit Frauen in einem Raum. (Foto: DW)

Treffen mit Frauen stehen oft auf ihrem Terminkalender

Seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 arbeitet Zarifa für ein besseres Leben der Dorfbewohner. Das ist keine einfache Aufgabe, denn vielen Männern passt es nicht, dass eine Frau an der Spitze des Dorfs steht. Manche wollten sie sogar umbringen, erzählt Zafira. Doch sie wusste immer, sich zu verteidigen - und das zuweilen mit robusten Mitteln: "Als ich mit meiner Arbeit angefangen habe, lachten mich einige Männer aus. Die habe ich dann zurechtgewiesen und mit Körpereinsatz zur Ruhe gebracht." Jetzt gebe es niemanden mehr, der ihre Autorität in Frage stellt, betont sie zufrieden.

Seite an Seite mit den Männern

Zarifa hat viel für die Rechte der Frauen getan. Zum Beispiel dürfen in ihrem Dorf Frauen und Männer gemeinsam in der Moschee beten – eine Ausnahme in Afghanistan, wo Frauen nur selten die Gebetsstätten betreten. "Vorher mussten wir uns beim Beten immer abwechseln", erinnert sich Zarifa. "Die Frauen durften erst beten, wenn die Männer fertig waren. Heute ziehen wir einfach eine Gardine zu und beten dann gleichzeitig mit den Männern in der Moschee."

Der 55 jährigen Dorfvorsteherin ist Gleichberechtigung wichtig: "Frauen sollen Seite an Seite mit den Männern zusammenleben", sagt sie. Dazu sei wichtig, dass Frauen die Möglichkeit haben, ihr Leben eigenständig gestalten und sich weiterzubilden. Bildung bedeute ihr viel, weil sie in ihrem Leben darunter gelitten habe, dass sie selbst die Schule nur bis zur fünften Klasse besuchen konnte. Doch mit 12 Jahren wurde sie verheiratet und durfte von da an nicht mehr zur Schule gehen.

Zarifa mit ihrer Großfamilie in Afghanistan. Sie ist 15-fache Mutter und seit ihrem 12. Lebensjahr verheiratet. (Foto:DW)

Zarifa Qazizadah mit ihrer Großfamilie (Foto: DW)

Heute ist Zarifa Mutter von 15 Kindern. Es sei ihr nicht möglich gewesen, sich gleichzeitig um die Kindererziehung, die Hausarbeit und eine Ausbildung zu kümmern, sagt Zarifa. Wenn sie später geheiratet hätte, dann hätte sie studiert und wäre Richterin geworden. Nun hilft sie anderen Frauen, ihren Traum zu verwirklichen. Es gibt viele, die die Arbeit Zarifas und ihren entschlossenen Einsatz schätzen. 18 Auszeichnungen hat sie bereits von der Regierung erhalten. Inzwischen ist sie auch die Vorsitzende eines lokalen Frauenrates, der 78 Dörfer repräsentiert. Sie plant nun, als Abgeordnete für das Parlament Afghanistans zu kandidieren.

Autorin: Waslat Hasrat-Nazimi/ Farkhunda Rajabi
Redaktion: Hao Gui/Ana Lehmann