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Kultur

Die Diva und die Prinzessin

Seit dem Ende der Apartheid beschäftigt sich Südafrika zunehmend selbstbewusster mit der eigenen, schwarzen Kultur. Das jüngste Produkt dieses Prozesses wird am Kap stolz als erste Oper Afrikas gefeiert.

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Bei der ersten Zulu-Oper wird nicht nur getrommelt

Verdi, Puccini, Mozart – diese Namen stehen stellvertretend für große Opern-Geschichte. Eine vor allem europäische Geschichte, die an barocke Bühnenbilder, prachtvolle Kostüme und weiß gepuderte Perücken denken lässt. Von afrikanischen Opern hört man dagegen eher selten. Bis jetzt zumindest. Doch die Zulu-Oper "Prinzessen Magogo", die zurzeit im südafrikanischen Pretoria zu sehen ist, erhält großen Beifall – nicht nur von Afrikanern.

Das Singspiel wird gar als erste Oper Afrikas gefeiert, was vielleicht etwas übertrieben ist. Denn die Verbindung von Theater mit Gesang und Musik habe in Afrika durchaus Tradition, sagte Eckhard Breitinger vom Institut für Afrikastudien der Universität Bayreuth im Gespräch mit DW-WORLD. "Es gibt hier einfach nicht diese strikte Trennung von Tanz, Theater und Oper, wie in Europa", erklärt der Afrika-Experte.

Einzigartige Kultur der Zulus

Zumindest ist "Prinzessin Magogo" die erste Oper, die bisher in der Sprache der Zulu geschrieben wurde – jenes selbstbewussten Volkes, das in Südafrika gesellschaftlich und historisch stets eine Sonderrolle gespielt hat. Die Zulus, die 1879 einen historischen Sieg über die britische Kolonialarmee errungen haben, sind stolz auf ihre einzigartige Kultur – vor allem auf die Musik mit ihren komplizierten Melodien und Harmonien und die rhythmischen Tänze.

Die Zulu-Oper von Südafrikas Star-Komponist Mzilikazi Khumalo verbindet europäische mit afrikanischen Musiktraditionen. Trommmelwirbel und wilde Tanzeinlagen stehen gleichberechtigt neben langen Streicher- und Bläsereinsätzen.

Die Oper erzählt den Lebensweg der charismatischen und einflussreichen Zulu-Prinzessin Magogo, die 1984 gestorben ist. Sie war die Tochter des Zulu-Königs Dinuzulu und die Mutter von Mangosuthu Buthelezi, dem Chef der in Südafrika mitregierenden Inkatha-Friedenspartei. Wegen ihrer Verdienste als Komponistin, Sängerin und musikalischer Geschichtsschreiberin stand sie beim Volk in hohem Ansehen. "Keine andere afrikanische Frau ist als Musikerin so berühmt geworden", sagt der Komponist Khumalo über die Prinzessin.

Schmerz, Demütigung, Stolz

Die erste Szene der Oper zeigt Magogo auf dem Totenbett. Von hier aus erinnert und durchlebt sie die wichtigsten Stationen ihres Lebens, das eng mit dem Schicksal ihres Volkes verknüpft war. Die Geschichte streift den blutigen Kampf der Zulus gegen die britischen Eroberer. In der Rolle der Magogo singt und spielt Südafrikas Opern-Diva Sibongile Khumalo, die nach erfolgreichen Ausflügen in den Jazz nun ihre musikalischen Wurzeln als Mezzo-Sopran neu entdeckt. "In diesem Stück geht es nicht nur um den Schmerz und die Demütigungen, die unser Volk ertragen musste, sondern auch um unseren Stolz", sagt die Opern-Diva Khumalo.

Das Stück, das zunächst in der Zulu-Hochburg Durban uraufgeführt wurde, soll nun auch in anderen Städten sein Publikum finden. Nicht-Afrikaner müssen übrigens nicht fürchten, dass mangelnde Zulu-Kenntnisse den Spaß an der Oper nehmen: Über dem Bühnenbild sorgt ein elektronisches Spruchband für die Übersetzung der Texte.


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