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Wirtschaft

Die digitale Industrie boomt in Europa

Kontrolle, Kinderpornografie, Kostenfallen: Diese Probleme beherrschen momentan die Debatte um die Zukunft des Internets. Dabei zeigt ein Bericht der EU auch eine andere Seite des World Wide Web.

Ein Schüler im Computerraum seiner Schule (Foto: dpa)

Junge Internetbegeisterte werden bald zu Konsumenten, die Markttrends bestimmen

Mehr Arbeitsplätze und einen Schub für die Wirtschaft: Das kann die "digitale Wirtschaft" in Zukunft bringen, sagt die Europäische Kommission. Sie sieht bedeutendes wirtschaftliches Potenzial in modernen Informations- und Kommunikationstechnologien. In einer Studie untersuchte die Kommission unter anderem die Nutzung von Breitbandinternet und Mobilfunktechnologien. Das Resultat ist erst einmal nichts Neues: EU-Bürger haben Zugriff auf eine Fülle von modernen Informationstechnologien und wenden diese auch an. Über die Hälfte der EU-Bürger nutzt regelmäßig das Internet, gerade die junge Bevölkerung der Unter-24-Jährigen surft überdurchschnittlich oft im Netz, und immer mehr Menschen gestalten das Web aktiv mit.

Zwei Studenten sitzen auf dem Boden eines Flurs in der Hochschule der Künste in Berlin und arbeiten mit einem Laptop (Foto: DW)

Studenten gehören zu den eifrigsten Internetnutzern

Aber die Auswertung der Statistik geht einen Schritt weiter: Die junge Generation der so genannten "Digital Natives", also der Menschen, die mit der Internetnutzung von klein auf vertraut sind, kann laut der Kommission zukünftig einen großen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten.

Enormes Jobpotenzial

"Wir sollten die Chance einer neuen Generation junger Europäer ergreifen, die schon bald auf den europäischen Märkten das Sagen haben wird", sagte Viviane Reding, die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien. Denn all diejenigen jungen Menschen, die heute selbstverständlich mit dem Internet umgehen, seien schon bald ernstzunehmende Konsumenten, die viel Geld für Breitbandinternetanschlüsse, Mobilfunkverträge oder andere Informationstechnologien ausgeben könnten.

Schon ab 2009 erwartet die EU wieder einen starken Anstieg bei solchen Ausgaben. Damit könne die europäische Wirtschaft erheblich beflügelt werden. In dem Bericht geht die EU davon aus, dass bis 2015 durch mehr Wettbewerb im Bereich von Breitbandinternet 580 Milliarden Euro erwirtschaftet werden und 700.000 Arbeitsplätze entstehen könnten.

Problem Onlinepiraterie

Ein als Pirat verkleideter Mann vor einem Computer und CDs (Foto: dpa)

Internetpiraterie: Neue rechtliche Ansätze wichtig

Die große Internetaffinität der Jugendlichen - fast zwei Drittel der 16- bis 24-Jährigen nutzen das Internet täglich - hat aber auch Schattenseiten. Denn im World Wide Web möchten die jungen EU-Bürger ungern zur Kasse gebeten werden. Über ein Drittel würde unter keinen Umständen für audiovisuelle Inhalte bezahlen, ergab die Studie. Dies erklärt die Schwierigkeit bei der Bekämpfung von illegalen Musik- und Filmangeboten im Internet. Fallbeispiel aus Frankreich: Dort wurden im Mai 2008 mehr Filme im Internet getauscht als Kinotickets verkauft. Und in Deutschland geht der Großteil des Datenverkehrs im Internet auf so genannte Peer-to-Peer-Netzwerke zurück, mit denen unter anderem auch Dateien ausgetauscht werden können.

Viviane Reding sieht die Notwendigkeit zur Bestrafung, wenn Urheberrechte verletzt werden. Doch sie sagt auch: "Der Anstieg der Internetpiraterie ist ein Misstrauensvotum für bestehende Geschäftsmodelle und rechtliche Lösungen." Daher sei ein einfacher rechtlicher Rahmen erforderlich, der den Zugriff auf digitale Inhalte erleichtere, ohne den Urhebern zu schaden. Der Blickwinkel eines 16-jährigen Internetnutzers werde bei dieser Debatte selten berücksichtigt, dabei seien gerade junge Menschen wichtig bei der Schaffung eines "digitalen Europas". Auch hier zeigt sich: Die EU hofft auf die junge Generation in Europa - nicht nur, um die Wirtschaft anzukurbeln, sondern auch, um Innovationen in der Kommunikationsbranche voranzubringen.

Europa: Ein vernetzter Kontinent

Zwei Hände, drei Handys (Foto: PHOTOPQR)

Mehr Handyverträge als Einwohner in der EU

Dass die EU schon heute als Vorreiter bei den Informationstechnologien gelten kann, zeigt vor allem die Mobilfunknutzung: Die EU erreicht eine Abdeckung von fast 120 Prozent - das bedeutet, dass es mehr Handyverträge als EU-Bürger gibt. Auch die DSL-Abdeckung ist groß: 93 Prozent aller Europäer haben Zugriff auf Breitbandinternet. Bis nächstes Jahr möchte die Kommission eine hundertprozentige Abdeckung erreichen - so war es in dem Plan "i2010" vorgesehen, der vor vier Jahren verabschiedet wurde und nächstes Jahr ausläuft. Er soll Informations- und Kommunikationstechnologien fördern und dadurch die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes unterstützen. Bis Oktober läuft eine öffentliche Konsultation, bei der jeder Bürger der EU Vorschläge für die Fortführung der "i2010"-Strategie einbringen kann.

Autor: Julian Jaursch

Redaktion: Rolf Wenkel

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