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Sport

Die Deutschen vor Wien

Jetzt geht es bei der Europameisterschaft für Deutschland und Österreich um alles: Nur einer der beiden kann weiter kommen.

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Deutsche in Wien

Österreich braucht am Montagabend (16.6.2008) einen Sieg, um das Viertelfinale durch den zweiten Platz in der Gruppe B zu erreichen, Deutschland reicht ein Unentschieden: Teammanager Oliver Bierhoff erwartet einen hoch motivierten EM-Mitgastgeber Österreich: "Es ist das Spiel des Jahrhunderts für die Österreicher". Für die favorisierte deutsche Mannschaft werde die Partie um den Einzug ins Viertelfinale gegen Portugal kein Selbstläufer, warnte Bierhoff: "Es wird hart."

Mythos Deutschland - Österreich

Es geht in Wien um das Erreichen des Viertelfinals, aber eigentlich um noch mehr. Es ist ein Prestigeduell vor einem euphorisierten österreichischen Heimpublikum, das so sehr darauf hofft, den großen Bruder Deutschland wieder zu demütigen wie anno 78, beim legendären Spiel bei der Weltmeisterschaft in Argentinien, als Österreich den amtierenden Weltmeister Deutschland mit 3:2 nach Hause schickte. Das Spiel ist auf beiden Seiten der Grenze ein Mythos.

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Löw sieht sich in nationaler Pflicht

Natürlich ist Deutschland klarer Favorit: Hier WM-Dritter, dort Weltranglisten-92, Mitfavorit gegen den selbst im eigenen Land belächelte Gastgeber. Das letzte Spiel im Frühjahr gewannen die Deutschen an gleicher Stelle mit 3:0, die letzte Niederlage liegt 22 Jahren zurück. Trotzdem: "In einem Spiel ist alles möglich", wie Ivica Vastic, Schütze des bisher einzigen österreichischen Tores, sagte.

Die Meinung in "Fußballersprache"

Die Deutschen hingegen sind angeknackst nach der unerwarteten Niederlage gegen Kroatien. Intern wurde Klartext geredet. Auf Initiative von Bundestrainer Jogi Löw hatten sich die Akteure am Tag nach dem 1:2 gegen Kroatien ohne die Trainer getroffen und in "Fußballersprache" die Meinung gegeigt, wie Mannschaftskapitän Michael Ballack berichtete. Ein Krisengespräch sei es nicht gewesen, aber ein sehr offenes. "Wenn man verliert, wird die Sprache rauer", betonte Ballack.

Bis auf den an der Schulter verletzten Abwehrspieler Marcel Jansen haben alle 22 weiteren Akteure am Abschlusstraining der Deutschen teilgenommen. Bundestrainer Löw kann personell fast aus den Vollen schöpfen. Ballack hat eine hochmotivierte und selbstbewusste Elf angekündigt. "Jeder einzelne brennt", sagte er auf der DFB-Pressekonferenz in Tenero. "Nicht die Aufstellung ist entscheidend, sondern die Einstellung", meint Assistenztrainer Hans-Dieter Flick.

Kein Plan B

Den dritten Vorrunden-K.o. bei einer Europameisterschaft in Serie kann und will sich vor den 90 wichtigsten Minuten in der Amtszeit von Löw niemand im DFB-Lager ausmalen. Ein mögliches Ausscheiden sei überhaupt kein Thema, versicherte Flick: "Einen Plan B gibt es bei uns definitiv nicht."

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Nochmal Grund zu Jubel? Ivica Vastic

Löw erklärte den Einzug ins Viertelfinale gegen Portugal zu einer nationalen Verpflichtung. "Uns muss allen bewusst sein, dass in Deutschland 30 Millionen Fans zuschauen und auf uns hoffen. Darum stehen wir in der Pflicht", sagte er.

Steinmeiers Expertise

Zu dieser Pflichtveranstaltung werden in Wien mehr als 200.000 Fans erwartet - darunter etwa 40.000 Deutsche. Auch das halbe Bundeskabinett wird dabei sein: Kanzlerin Angela Merkel, Innenminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsminister Franz Josef Jung, Bauminister Wolfgang Tiefensee, Umweltminister Sigmar Gabriel und Finanzminister Peer Steinbrück. Außenminister Frank-Walter Steinmeier wollte das EU-Krisentreffen in Luxemburg nach dem Nein der Iren zum EU-Reformvertrag am Montagabend gemeinsam mit seiner österreichischen Kollegin Ursula Plassnik verlassen, um zum Spiel nach Wien zu fliegen. Steinmeier hofft auf das Gesetz der Serie: Bei der EM habe er von den Deutschen bislang "ein gutes erstes Spiel gesehen, ein zweites Spiel, das nicht ganz so überzeugend war, nach dem Gesetz der Serie wäre jetzt wieder ein gutes Spiel dran", sagte Steinmeier in Luxemburg.

Auch Österreich wird im Stadion mit seinen ranghöchsten Repräsentanten vertreten sein, darunter Kanzler Alfred Gusenbauer, Präsident Heinz Fischer und Innenminister Günther Platter. Merkel und Gusenbauer sollten vor dem Spiel zudem zu einem kurzen Treffen im Bundeskanzleramt in Wien zusammenkommen.

Gerade vor dieser großen Bühne hat Bierhoff das Spiel zur Kopfsache erklärt: "Wenn wir hundert Prozent abrufen und hundertprozentig umsetzen, was die Trainer von den Spielern fordern, kann es nur einen Sieger geben - Deutschland!"

Cordoba-Gottesdienst

Auf göttlichen Beistand scheinen die Östereicher sich jedenfalls nicht verlassen zu wollen: Lediglich 20 Besucher kamen am Sonntag zu einem meditativen Cordoba-Gottesdienst anlässlich des bevorstehenden EM-Spiels Österreich gegen Deutschland, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet. Pfarrer Geist, der einen Österreich-Schal trug, machte dabei darauf aufmerksam, dass Gott für jene Partei ergreife, die chancenlos sind. (sams)

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