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Aktuell Deutschland

Die Deutschen sind unzufrieden mit ihren Jobs

Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland brauchen einen Nebenerwerb, um über die Runden zu kommen. Doch auch jene, die in einem Job genug verdienen, sind damit unglücklich. Eine Konferenz berät die Schlussfolgerungen.

Viele Arbeitnehmer sind mit der eigenen Arbeitssituation unzufrieden. Das geht aus einer vom Bundesarbeitsministerium geförderten Studie hervor. Nur für knapp ein Fünftel der Befragten entspricht die eigene Arbeitssituation demnach in etwa dem persönlichen Idealbild von Arbeit. Dagegen sehen 45 Prozent der Befragten die eigene Arbeitssituation weit davon entfernt. Allerdings hoffen viele auf eine Verbesserung: Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) erwartet, dass die eigene Arbeitssituation 2030 eher nah an ihrem Idealbild liegen wird. Aber nur jeder Vierte glaubt, dass dies auch für die Arbeitswelt in Deutschland insgesamt gelten wird.

Die Studie wurde auf einer Konferenz unter dem Motto "Arbeit 4.0" zur Zukunft der Arbeit vorgestellt. Dort erklärte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), Arbeitnehmer sollten künftig weitaus flexibler als bisher arbeiten können. "Ich nenne es Wahlarbeitszeit", sagte Nahles. "Die Technik bietet inzwischen immer mehr Möglichkeiten, zeitlich und räumlich flexibel zu arbeiten." Viele würden gerne häufiger im Homeoffice tätig sein. Die Koalition wolle den gesetzlichen Teilzeit-Anspruch um ein Recht auf Rückkehr in die frühere Arbeitszeit ergänzen. Nahles sprach sich zudem mittelfristig für ein Recht auf Weiterbildung aus.

Kein Gefühl sozialer Sicherheit

In den Augen der für die Studie Befragten hat sich seit den 1990er Jahren die reale Arbeitswelt immer weiter vom Ideal des Wünschenswerten entfernt. Dass Vollarbeitsplätze den Lebensstandard sichern, war in den 1970er und 1980er Jahren nach Ansicht fast aller Studienteilnehmer (97,9 Prozent) der Fall, mit Blick auf heute glaubten dies dagegen nur 58,2 Prozent. Damals sei das Lebensgefühl von sozialer Sicherheit geprägt gewesen; dass dies heute noch so ist, glauben ganze 24,1 Prozent.

Real geändert hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem die Bedeutung von Zweitjobs. Innerhalb von neun Jahren (2006 bis 2015) stieg die Zahl derer, die im Nebenjob einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, um 52 Prozent von 1,63 auf 2,48 Millionen, wie die "Thüringer Allgemeine" unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag schrieb. Die Gesamtzahl der Minijobs ist zwar nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes im vergangenen Jahr gesunken, die Zahl der Minijobber im Nebenerwerb bis Juni 2015 aber weiter gestiegen.

Besonders groß war demnach der Zuwachs an nebenberuflichen Minijobs in Ostdeutschland. Im Juni 2015 hatten in den ostdeutschen Bundesländern mit 227.000 Frauen und Männern 64 Prozent mehr Arbeitnehmer einen angemeldeten Nebenjob als 2006. Aber auch in Westdeutschland spielt der Nebenerwerb eine größere Rolle (Juni 2015: 2,25 Millionen Minijobs; Juni 2006: 1,49 Millionen - das ist eine Steigerung 51 Prozent).

Mehr als sieben Millionen Minijobber

Insgesamt lag die Zahl der haupt- und nebenberuflichen Minijobber im vergangenen Sommer bundesweit bei 7,38 Millionen, rund 12 Prozent mehr als 2006. Wie aus der Auswertung der Arbeitsmarktstatistik durch die Bundesregierung weiter hervorgeht, sind mit bundesweit 4,5 Millionen beinahe zwei Drittel der Betroffenen Frauen.

"Das Jobwunder ist eine Nullnummer und Minijobs sind eine Falle für Frauen", sagte die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Jutta Krellmann, der "Thüringer Allgemeinen". Zudem zeige der deutliche Anstieg der Minijobs im Nebenerwerb, dass viele Menschen in Deutschland von ihren Löhnen nicht leben könnten.

stu/rb (dpa, epd)

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