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Kultur

"Die deutschen Fußballer sind Helden im Iran"

Seit Februar 2005 trainierte der ehemalige Bundesliga-Trainer Bernd Krauss die iranische Mannschaft Pegah Gilan. Jetzt kehrt er nach Deutschland zurück. Im DW-WORLD-Interview zieht er Bilanz über seine Zeit im Iran.

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Bernd Krauss: Vom Iran zurück nach Deutschland


DW-WORLD: Herr Krauss, wo stecken Sie gerade?

Ich befinde mich in Rascht, einer Stadt etwa 320 Kilometer nördlich von Teheran am Kaspischen Meer. Das ist eine sehr schöne Region - alles grün - hier gibt es sehr viel Tee- und Reisanbau. Das ist hier so der Stand der Dinge.

Sie kommen gerade vom Fußballtraining?

Ja, ich habe gerade das Training beendet, sitze im Clubhaus und trinke mein Glas Tee.

Wie lange sind Sie denn jetzt schon im Iran?

Ich bin seit Mitte Februar hier. Ich habe eine Mannschaft übernommen, die leider nicht mehr zu retten war. Ich sollte jetzt den Neuaufbau dieser Mannschaft und des Vereins betreiben, aber ich habe mich entschlossen, wieder nach Hause zu gehen.

Können Sie die Mannschaft Pegah Gilan etwas näher beschreiben?

Es ist eine Mannschaft, die in der ersten Liga spielt und auch unter meiner Regie sehr gut gespielt hat, nur haben wir leider keinen Stürmer gehabt. Der beste Torschütze hat, glaube ich, zwei Tore geschossen - das sagt eigentlich alles. Wir waren in vielen Spielen die überlegene Mannschaft, haben aber leider keine Tore machen können.

Das bedeutet, Sie sind jetzt definitiv abgestiegen?

Ja, ja.

Welche Bilanz ziehen Sie persönlich bezüglich Ihrer Zeit im Iran?

Wenn man in so ein Land kommt, weiß man überhaupt nicht, was einen erwartet. Ich war aber sehr positiv überrascht von diesem Land und seinen Bewohnern. Sie sind zu mir sehr offen und sehr gastfreundlich gewesen. Ich habe tolle Leute kennen gelernt und neue Freunde gefunden. Das Land ist eben auch sehr schön, und unterm Strich war es eine schöne Erfahrung. Das ist ein ganz anderes Leben hier als in Deutschland. Zum Beispiel, wenn man auf einen Basar geht, wo über Obst, Gemüse und Gewürze, über einfach alles gefeilscht wird.

Gibt es etwas, was Sie besonders schätzen gelernt haben?

Besonders die offene und gastfreundliche Art und Weise der Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Dann sicherlich auch, dass man sich mittlerweile fußballerisch sehr an Deutschland orientiert, immer die Bundesliga beobachtet und einfach schaut, was der deutsche Fußball macht. Das fand ich positiv, für mich aber andererseits auch sehr lehrreich. Ich habe hier auch ein sehr sicheres Leben geführt. Man muss keine Angst haben. Auch als meine Frau zu Besuch war, ist sie alleine durch die Straßen gegangen. Keiner tut einem hier was. Das Thema Kriminalität in dem Sinne kenne ich hier nicht. Auf der anderen Seite lebe ich hier alleine und permanent im Hotel, und das ist ja nun auf Dauer auch kein Leben.

Haben Sie denn auch die Sprache gelernt, oder wie haben Sie sich im Iran verständigt?

Ich hatte einen Dolmetscher. Das ist ein Iraner, der seit über 20 Jahren in Hamburg lebt und der immer an meiner Seite war. Über ihn konnte ich mit den Leuten kommunizieren. Das ist aber natürlich auch immer was anderes, da ich die Leute nicht direkt ansprechen konnte.

Am Freitag finden im Iran Wahlen statt. Was haben Sie davon mitbekommen?

Ich habe nicht sehr viel mitbekommen, nur das, was hier in meinem Umfeld stattfindet. In dieser Stadt hier finden natürlich auch Wahlveranstaltungen statt. Und wenn ich mit den Menschen spreche, ist eigentlich Rafsandschani der große Favorit. Viele hoffen, dass er wieder an die Macht kommt. Man erhofft sich, dass sich die Lebensumstände ein bisschen verändern werden, wobei das nicht gravierend sein wird.

Inwiefern?

Weil nach wie vor der Einfluss der Mullahs zu stark ist. Allerdings sehe ich hier nachmittags im Cafe meines Hotels viele junge Menschen, auch viele junge Frauen, die mittlerweile auch bunte Kopftücher tragen, und insofern ist der Eindruck, den viele in Deutschland von diesem Land haben, sicherlich nicht ganz richtig. Dass alles nur schwarz ist und die Menschen vermummt rumlaufen, stimmt einfach nicht. Doch das ist der Eindruck, der bei uns vorherrscht.

Lesen Sie im zweiten Teil, was die Iraner vom deutschen Fußball halten und warum Bernd Krauss wieder zurück nach Deutschland will.

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