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Welt

Die deutsche Revolution 1848/49

Die in der Frankfurter Paulskirche tagende Nationalversammlung scheiterte bei ihrem Versuch einen deutschen Nationalstaat im Herzen Europas zu etablieren.

Deutsche Nationalversammlung in der Paulskirche (Farbdruck nach Aquarell/Albert Dierkes)

Deutsche Nationalversammlung in der Paulskirche

Heinrich von Gagern

Heinrich von Gagern

Am 18. Mai 1848 trat die deutsche Nationalversammlung zum ersten Mal zusammen. Die Delegierten sollten eine Verfassung erarbeiten und Wahlen vorbereiten. Sie bestimmten Heinrich von Gagern (1799 – 1880) zum Präsidenten der Versammlung. Zum Reichsverweser wurde Erzherzog Johann von Österreich (1782 – 1859) bestellt.

Erzherzog Johann von Österreich

Erzherzog Johann von Österreich

Er hatte bis zu den freien Wahlen die Zentralgewalt im Deutschen Bund inne. Seine Berufung war die erste einer Reihe von Fehlentscheidungen: Für die Radikalen in der Nationalversammlung war er der Vertreter der alten Systems, das es zu überwinden galt. Eine Zusammenarbeit mit ihm schien jenen Kräften kaum vorstellbar.

Dänischer König Frederick VII.

Dänischer König Frederick VII.

Das nächste Problem kam im Sommer 1848 nach dem Waffenstillstand von Malmö, der eine Krise in Schleswig-Holstein beendete. Dort war die Revolution gegen den dänischen Landesherrn, König Frederick VII. (1808 – 1863), trotz preußischer Intervention niedergeschlagen worden. Die Nationalversammlung musste erkennen, dass sie – ohne eigenes Heer - die Interessen ihrer Mitglieder nicht schützen konnte.

Staatliche Einheit

Der deutsche Politiker Robert Blum

Der deutsche Politiker Robert Blum

Die Delegierten merkten zudem schnell, dass es nicht nur an einer eigenen Armee mangelte, sondern an allen anderen Zutaten, die zu einer Staatsgründung notwendig sind: Hauptstadt, nationale Institutionen, gemeinsame Gesetze oder eine gemeinsame Vorstellung, wer dem zu gründenden deutschen Reich angehören sollte. Die meisten Abgeordneten waren Akademiker mit der Neigung zu ausufernden Diskussionen. So verstrich wertvolle Zeit etwa mit Debatten über die Bürgerrechte oder die Meinungs- und Pressefreiheit, während zur gleichen Zeit die Gegner der Revolution ihre Kräfte mobilisieren konnten. Selbst als bei einem blutig niedergeschlagenen Aufstand in Österreich der Delegierte der deutschen Nationalversammlung Robert Blum (1807 – 1848) hingerichtet wurde, diskutierten die Abgeordneten in Frankfurt weiter. Bis Ende Dezember 1848 debattierten sie über den Katalog der Grund- und Menschenrechte und verkannten dabei die tatsächlichen Machtverhältnisse.

Großdeutsch oder kleindeutsch?

Kernpunkt der Debatten aber war die Frage, welche Staaten zum deutschen Reich gehören sollten. Für die einen sollten es die Mitglieder des Deutschen Bundes, Preußen und Österreich sein – dies war die "großdeutsche" Lösung. Für die anderen blieb Österreich außen vor – dies nannte man die "kleindeutsche" Lösung. Beide Vorschläge waren faktisch nicht durchsetzbar.

Fanz Joseph I. , Kaiser von Oesterreich (1848-1916) und Koenig von Ungarn/Philatelie

Fanz Joseph I. , Kaiser von Oesterreich (1848-1916) und Koenig von Ungarn/Philatelie

Die Befürworter der "großdeutschen" Lösung träumten von einem Deutschland unter der habsburgischen Krone, sie schwärmten vom alten Kaiserreich des Mittelalters und ummantelten ihre Vorstellungen mit ein wenig liberalem Zeitgeist. Eigentlich aber wollten sie das 1806 durch die napoleonische Macht- und Hegemonialpolitik untergegangene "Heilige Römische Reich deutscher Nation" wieder beleben und übersahen dabei die vielen Millionen Nichtdeutschen, die dann auch im Deutschen Reich hätten leben müssen. Da dieser Plan unweigerlich die Spaltung Österreichs zur Folge gehabt hätte, überraschte das vehemente Nein des österreichischen Kaisers Franz Josephs I. (1830 – 1916) nicht.

Aber auch die "kleindeutsche" Lösung, die den Deutschen Bund und Preußen ohne Österreich umfasste, lehnte der österreichische Kaiser ab, da er dann seinen Einfluss auf Deutschland verloren hätte. Diese Lösung verfehlte zudem den Anspruch "alle Menschen deutscher Zunge" im neuen Reich zu vereinen. So standen sich Monate lang die beiden Seiten unversöhnlich gegenüber, zumal sie auch in einer anderen Frage zerstritten waren: Soll das neue Reich eine Republik oder eine konstitutionelle Monarchie werden?

Der Preußenkönig lehnt ab

König Friedrich Wilhelm IV.

König Friedrich Wilhelm IV.

Am 27. März 1849 wurde abgestimmt: eine knappe Mehrheit votierte für eine konstitutionelle Monarchie mit dem preußischen König als deutschem Kaiser an der Spitze. Umgehend wurde eine Delegation nach Berlin geschickt, um Friedrich Wilhelm IV. (1795 – 1861) die Krone anzutragen. Dieser aber lehnte schroff ab. Für ihn war es eher ein "eisernes Hundehalsband", das ihm die Nationalversammlung anlegen wollte. Weil er sich nicht von der "Kanaille" krönen lassen wolle, vergab er die letzte Chance der Deutschen sich in einer vom Volk getragenen Bewegung zu einem Nationalstaat zusammen zu schließen.

Als die letzten Truppen in Rastatt wenig später kapitulierten, war die deutsche Revolution zusammen gebrochen. Die Abgeordneten waren an der fehlenden Machtbasis ebenso gescheitert, wie an der von ihnen nicht gelösten Frage der Staatsgrenzen. Ein Ausschluss Preußens und Österreichs hätte den faden Beigeschmack gehabt, einen deutschen Rumpfstaat etabliert zu haben, der – wie der Deutsche Bund - allein nicht überlebensfähig und vom guten Willen der beiden übrigen "Deutschländer" abhängig gewesen wäre. Die Einbeziehung Preußens und Österreichs hätte zwangsweise die Aufspaltung der beiden Staaten nach sich gezogen, weil große nicht deutsche Bevölkerungsgruppen in beiden Staaten lebten.

Spiegelsaal im Schloss Versailles

Spiegelsaal im Schloss Versailles

So blieb es vorerst beim Status Quo in der Mitte Europas. Aber die Ereignisse der deutschen Revolution machten deutlich, dass die Gefahr einer Destabilisierung größer geworden war. Rund 22 Jahre später wurde dann doch ein deutsches Reich gegründet, allerdings ohne die Beteiligung des Volkes. Die Gründungszeremonie fand im Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles statt. Dieses Mal lehnte der preußische König Wilhelm I. (1797 – 1888) nicht ab. Einige Jahre konnte der Frieden in Europa noch bewahrt werden, dann führte aber die zunehmend aggressiver werdende Politik des neuen deutschen Kaisers Wilhelm II. (1859 – 1941) zu einer Eruption ungeahnten Ausmaßes.

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