Die deutsche Eishockey-Sensation | Sport | DW | 21.02.2018
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Olympia

Die deutsche Eishockey-Sensation

Ein Erfolg wie aus dem Nichts: Deutschlands Eishockey-Team steht erstmals bei Olympischen Winterspielen in einem Halbfinale. Nach dem 4:3 gegen Weltmeister Schweden kämpft das DEB-Team ab Freitag um die Medaillen.

Olympische Winterspiele 2018 in Südkorea Eishockey Deutschland - Schweden (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Geschafft: Deutschlands Eishockey-Nationalteam freut sich über den Halbfinaleinzug

Das Wort "historisch" wird in diesen Tagen mal wieder überstrapaziert. Die Olympischen Spiele von Pyeongchang laufen und produzieren täglich Ausnahmeleistungen, Überraschungen und herausragende Geschichten. Wirklich historisch, also reif für die Sportgeschichtsbücher, sind freilich nicht alle davon. Diese hier hätte das Zeug dazu, dabei wurde noch gar kein Edelmetall vergeben.

Deutschland steht beim olympischen Eishockey-Turnier im Halbfinale. Das klingt unspektakulär, ist aber mehr als bemerkenswert. Denn zum ersten Mal seit 42 Jahren kämpft eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei Olympischen Spielen um Edelmetall. 1976 war es, als die BRD-Auswahl in Innsbruck sensationell Bronze gewann - damals wurden die Medaillen noch in einer Finalrunde vergeben und nicht im K.O.-System. Seitdem gab es nichts Zählbares mehr. Was im Viertelfinale von Pyeogchang geschah, war aber auch aus einem anderen Grund eine faustdicke Überraschung.

"Dieser Weg ist noch nicht zu Ende"

Denn das Team von Bundestrainer Marco Sturm setzte sich nach einer herausragenden Leistung gegen Weltmeister Schweden durch. 4:3 (2:0, 0:0, 1:3, 1:0) stand es nach Verlängerung, weil der Nürnberger Patrick Reimer nach 90 Sekunden in der Overtime in die Maschen des schwedischen Tors traf. Während sein Team bereits feierte, wurde der Treffer noch einmal per Videobeweis geprüft und schließlich gegeben. Der Rest war Jubel in schwarz-rot-gold auf und neben dem Eis.

"Wir haben sehr lange Zeit über die Möglichkeit gesprochen, was wir hier erreichen können. Wir sind überglücklich, dass wir im Halbfinale sind. Dieser Weg ist noch nicht zu Ende", versprach Siegtorschütze Patrick Reimer nach dem Spiel. Für ihn ist die Konstanz des Teams der Schlüssel zum Sieg. "Die Mannschaft ist seit langer Zeit zusammen. Wir hatten auf dem Weg hierhin schon Schwierigkeiten zu überwinden, so auch bei der Olympia-Quali. Wie dort haben wir auch hier wieder um jeden Zentimeter auf dem Eis gekämpft."

"Die Kanadier haben eine Top-Truppe, die sich gut vorbereitet hat"

In der Tat hat diese Mannschaft eine Entwicklung hinter sich. Lange Zeit hechelte man den großen Eishockey-Nationen mit großem Abstand hinterher. Bei den Weltmeisterschaften zwischen 2012 und 2015 gab es Plätze zwischen 9 und 14 - und entsprechende Kritik aus dem Inland. 2017 bei der Heim-WM zeigte Deutschland aber bereits eine Tendenz nach oben: Unter dem Bundestrainer Marco Sturm spielte sich die Mannschaft mit guten Leistungen ins Viertelfinale. Dort scheiterte Deutschland mit 1:2 nur knapp am späteren Vize-Weltmeister Kanada.

Pyeongchang 2018 Olympische Winterspiele - Eishockey Schweden vs Deutschland (picture alliance/dpa/M. Kappeler)

Der Rückhalt: Deutschlands Keeper Danny aus den Birken hatte gegen Schweden viel Arbeit

Genau gegen diesen Gegner kommt es im Halbfinale des olympischen Turniers nun zur Revanche: Rekord-Olympiasieger Kanada lädt am Freitag zum heißen Tanz auf kühlen Eis. "Es ist unglaublich. Wir haben davon geträumt. Kompliment an meine Mannschaft, die fightet und die sich an den Plan hält", schwärmte Bundestrainer Sturm nach dem Triumph gegen Schweden und warf den Blick bereits voraus: "Die Kanadier haben eine Top-Truppe, die sich gut vorbereitet hat." Marco Sturm hat selbst mehr als 1000 Spiele in der nordamerikanischen NHL bestritten, einige davon auch in Kanada für die Vancouver Canucks.

Im Spiel gegen Schweden ging Deutschland mit einem schnellen Start in Führung: Der Kölner Christian Ehrhoff (14.) und der Berliner Marcel Noebels (15.) brachten Deutschland in Führung, ehe Anton Lander (47.) verkürzte. Der Münchner Dominik Kahun (49.) schien mit seinem 3:1 bereits eine Vorentscheidung erwirkt zu haben, doch Patrik Hersley (50.) und Mikael Wikstrand (52.) trafen für den zweimaligen Olympiasieger Schweden, der sich damit im Kwandong Hockey Centre in die Verlängerung rettete. In der Overtime machte dann Reimer alles klar. Sturm setzte damit seine Erfolgsserie fort: Seit seinem Amtsantritt als Bundestrainer 2015 hat die DEB-Auswahl zweimal das Viertelfinale bei Weltmeisterschaften erreicht - und kann jetzt deutsche Eishockey-Geschichte schreiben.

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