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Wirtschaft

Die deutsche Autoindustrie zwischen Hoffen und Bangen

Auf der Detroit Motorshow sind die Aussteller gespalten: In Schwellenländern brummt die Nachfrage, auf der anderen Seite verhageln Klimawandel, explodierende Spritpreise und die US-Kreditkrise den Käufern die Laune.

Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Motor Show in Detroit, Quelle: AP

Optimistisch trotz Absatzschwäche: Daimler-Chef Dieter Zetsche

Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie bei der North American International Auto Show (NAIAS), Quelle: dpa

Wissmann: 'Billigautos aus Deutschland sind nicht möglich'

Irgendwie war es symptomatisch: Ein kleines indisches Auto hat den großen Spielern der Branche die Show gestohlen. Vorgestellt wurde es nicht in Detroit, sondern in Neu Delhi. Der schlicht ausgestatte Viersitzer namens "Tata Nano" soll nur 1700 Euro kosten. Und auch wenn der Winzling auf der Messe in Detroit nicht zu sehen ist, so ist er doch Gesprächsthema unter den etablierten Herstellern: "Ein 2500-Dollar-Auto können wir in Deutschland nicht bauen, wenn wir vernünftige Löhne zahlen sollen und die Standortkosten in Deutschland berücksichtigen", sagt Matthias Wissmann, der Chef des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie.

Dennoch werden deutsche und andere europäische Hersteller nicht umhin kommen, auch ins Billigsegment einzusteigen. Denn der Angriff des Tata-Konzerns aus Indien kommt für Volkswagen und Co. zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Die Absatzzahlen auf dem heimischen Markt sind im vergangenen Jahr eingebrochen. Eine höhere Mehrwertsteuer, teures Benzin und die Klimadebatte haben die Kauflaune heftig gebremst und Besserung ist nicht in Sicht.

Siegeszug der Billigautos?

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hofft daher auf ein Wachstum in anderen Regionen: "Unsere Märkte sind gesättigt. Das Wachstum findet in Indien, in China und in Osteuropa statt. Und bis zum Jahr 2020 rechnen wir mit rund 15 Millionen neuen Käufer auf diesen Märkten. In diesen Ländern wird das Billigauto sehr bedeutsam." Er rechnet mit einem potenziellen Marktanteil von bis zu 30 Prozent.


Der X6 von BMW auf der Detroit Motor Show, Foto: AP

BMW will mit seinem neuen X6 Schlagzeilen machen

Mit den Modellen, die dieser Tage in Detroit Schlagzeilen machen, werden sich die neuen Märkte voraussichtlich nicht erobern lassen – etwa der X6 von BMW oder der neue kompakte Geländewagen von Mercedes. Dennoch hält beispielsweise Volkswagen an seinen Absatzplänen fest und tüftelt an einem billigen Kleinwagen. Der Konzern hatte erst kürzlich verkündet, seinen Absatz bis zum Jahr 2018 zu verdoppeln. "Das geht aber nur auf den neuen Absatzmärkten", gibt Dudenhöfer zu bedenken, "Und wenn man dort nicht mit attraktiven Angeboten im preisgünstigen Segment unter 8000 Dollar vertreten ist, wird man diese Wachstumsziele nicht erreichen. Das kann im Automobil-Weltmarkt dramatische Folgen haben", so seine Prognose.

Droht die Rezession?

Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Smart auf der Motor Show in Detroit, Quelle: AP

Klaut den Großen die Show: der Smart


Vorerst kämpfen die etablierten deutschen Hersteller aber noch mit anderen Problemen – zum Beispiel auf ihrem wichtigsten Markt in den USA: Zwar haben Konzerne wie Daimler und BMW gute Zahlen für das vergangene Jahr gemeldet, doch insgesamt ist die Lage eher düster: "Wir sind natürlich alle darauf vorbereitet, dass die Konjunktur hier holpriger wird. Das Wort Rezession ist mehr oder weniger oft gefallen", erklärt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dennoch ist er optimistisch, auch 2008 ein neues Rekord-Absatzjahr erzielen zu können: "Wir haben neue Fahrzeuge, wir haben die beste Marke und sind sehr zuversichtlich, weiter gute Verkaufszahlen für 2008 erzielen zu können.“

Die größten Hoffnungen ruhen dabei auf einem kleinen Auto: Gerade haben die Schwaben den Verkauf des Smart in den USA gestartet. Schon seit Wochen rollen erste Testexemplare durch amerikanische Großstädte – offenbar mit Erfolg: 30.000 Bestellungen sind bereits eingegangen.

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