1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Die Demokraten müssen Hillary Clinton folgen

Hillary Clinton hat ihre Anhänger aufgerufen, Obama zu unterstützen. Für die Demokratische Partei ist es ist höchste Zeit, sich gemeinsam auf den Gegner John McCain zu konzentrieren, meint Christina Bergmann.

default

Christina Bergmann, Quelle: dw

Christina Bergmann, DW-Korrespondentin in den USA

Was für eine Frau. Am Dienstagabend (27.08.2008) in Denver hat Hillary Clinton gezeigt, was in ihr steckt: Eine überzeugte, leidenschaftliche Kämpferin für die Sache, die ohne Frage selbst eine erstklassige Präsidentschaftskandidatin abgegeben hätte. Es hat sehr lange gedauert, bis sie diese Rede halten konnte, bis sie die Rollenverteilung anerkannt hat, die die Demokraten in den Vorwahlen knapp, aber eindeutig festgelegt haben: Obama ist der Kandidat und sie muss alles dafür tun, damit er gewählt wird.

Bitterkeit und Wut

Aber vielleicht war es die richtige Strategie, die Wunden, die im langen und bitteren Vorwahlkampf der Demokraten geschlagen wurden, zumindest erst ein bisschen heilen zu lassen. Im Juni, als klar wurde, dass Barack Obama sie an Stimmen überholt hatte, konnte Hillary Clinton ihre Enttäuschung nur schwer verbergen und ihre Fans zeigten offen ihre Bitterkeit und Wut. Ein Umschwenken der Sympathien auf den Kandidaten Obama schien unmöglich. Hier in Denver macht es den Eindruck, als seien es die Clinton-Unterstützer leid, immer in die Verliererecke gestellt und gescholten zu werden. Sie dürsteten geradezu nach den erlösenden Worten ihrer Heldin. Jetzt dürfen sie sich ganz offiziell für Barack Obama begeistern.

Das soll nicht heißen, dass dieser nun zwangsläufig der nächste Präsident der USA wird. Da ist zunächst einmal Bill Clinton vor. Der ehemalige Präsident hat Obama bisher noch nicht unterstützt. Im Gegenteil, er hat dessen Kompetenz immer wieder in Frage gestellt. Auch Bill Clinton wird noch auf dem Parteitag reden. Und auch bei ihm werden die Delegierten genau hinhören. Sollte der ehemalige Präsident dabei tatsächlich in der Unterstützung für Obama hinter seine Frau zurückfallen, würde er ihr einen schlechten Dienst erweisen. Er würde ihre Rede Lügen strafen. Außerdem würde er nicht nur Obama sondern auch seiner Partei großen Schaden zufügen.

Dürftige Umfragewerte

Die Partei aber kann für die Präsidentschaftswahlen im November jede Unterstützung gebrauchen. Denn die Umfragewerte Obamas sind derzeit alles andere als berauschend. Deswegen ist noch nichts verloren, aber es ist höchste Zeit, mit dem innerparteilichen Streit aufzuhören und sich gemeinsam auf den Gegner zu konzentrieren.

Barack Obama kann froh sein, wenn er dabei Hillary Clinton an seiner Seite hat. Vermutlich hat er dies erkannt. Obama hat seiner einstigen Rivalin jede nur mögliche Brücke gebaut, damit Hillary Clinton ihre eigene Enttäuschung überwinden kann. In ihrer Rede am Dienstag in Denver hat sie ihm dafür ganz nebenbei gezeigt, wo seine Defizite liegen: Schlagworte mit Inhalten zu versehen und sich diesen Inhalten bedingungslos und vor allem leidenschaftlich zu verschreiben. Nur so kann der 47-jährige Senator aus Illinois die Amerikaner von seinen Qualitäten überzeugen und ihre Stimmen gewinnen. Die nächste Gelegenheit dazu hat Obama, wenn er die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei annimmt. Dann muss er seine Rede an der Hillary Clintons messen lassen.

Die Redaktion empfiehlt