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Top-Thema – Podcast

Die DDR und der Alkohol

Ob im Büro, am Nationalfeiertag oder im Urlaub: Alkohol war die Volksdroge Nummer eins der DDR. 381 Mark gab jeder Bürger pro Jahr für Alkohol aus – ein europäischer Spitzenwert.

Nach Forschungen von Thomas Kochan, Autor der Studie "Blauer Würger – So trank die DDR" war Alkoholkonsum zu den verschiedensten Anlässen in der DDR Normalität. Selbst Partei-Genossen, die eigentlich ein gutes Beispiel für die Bürger sein sollten, griffen laut Kochan zur Flasche. Beim sozialistischen Jugendverband "Freie Deutsche Jugend (FDJ)" wurde sogar ein Bierlied gesungen: "Komm, Genosse, setz dich her und trink das Bier, das lockert manche Zunge. Gespräch beim Bier ist produktiv und stärkt so manches Kollektiv."

Bestechungsversuche mit alkoholischen Getränken waren in der DDR völlig normal, betont Thomas Kochan. Er spricht von einem weit verbreiteten, naiven Umgang mit Alkohol. Ein Magdeburger Arzt rechnete aus, dass es zwischen den Orten Plauen und Rostock eine Million Alkoholkranke geben musste – im europäischen Vergleich ein Spitzenwert.

Während in der DDR Gebrauchsgegenstände wie Ketchup oder Taschentücher jahrelang nicht angeboten werden konnten, war Alkohol fast immer und überall erhältlich. Besonders beliebt war der vierzigprozentige Kristallwodka, im Volksmund wegen seines blauen Etiketts "Blauer Würger" genannt. Die Preise für Schnaps lagen zwischen 15 Mark und bis zu 80 Mark für einen Cognac – bei einem durchschnittlichen Einkommen von 500 Mark war das sehr viel Geld.

Trotzdem war Alkohol sehr beliebt: 23 Flaschen Schnaps und 146 Liter Bier trank der durchschnittliche DDR-Bürger laut Statistik im Jahr – doppelt so viel wie ein damaliger Einwohner der Bundesrepublik. Die DDR war mit diesem Verbrauch Alkohol-Weltmeister. In der öffentlichen Diskussion wurde aber nicht über Alkohol gesprochen. Autor Thomas Kochan erklärt: "Die Alkoholkranken waren der DDR-Führung höchst peinlich." Mit den Montagsdemonstrationen und dem Fall der Berliner Mauer im Herbst 1989 sank der Alkoholverbrauch der DDR dann innerhalb weniger Wochen auf historische Tiefstwerte.


Glossar

Volksdroge, die – die Droge, die in einem Land am häufigsten konsumiert wird (z.B. Alkohol oder Tabak)

DDR, die – Abkürzung für: Deutsche Demokratische Republik (1949-1990)

Spitzenwert, der – der höchste Wert einer → Statistik

Genosse/in, der/die – ein Mitglied der SED, der Regierungs-Partei der DDR

zur Flasche greifen – umgangssprachlich für: Alkohol trinken

etwas lockert die Zunge – gemeint ist: Alkohol bringt Menschen zum Reden

produktiv – viele Ergebnisse hervorbringend

Kollektiv, das – die Gemeinschaft

Bestechung, die – jemandem Geschenke machen, um einen Vorteil zu bekommen (z.B. auf einem Amt oder beim Sport)

naive Umgang, der – hier: der falsche Umgang mit etwas

vierzigprozentig – hier: mit 40 % Alkohol

im Volksmund – so, wie etwas von vielen Menschen eines Volkes genannt wird

etwas liegt zwischen … und … – hier: etwas hat einen Wert zwischen … und …

Cognac, der – ein Schnaps

Einkommen, das – das Geld, das jemand durch Arbeit verdient

Statistik, die – eine Liste von Zahlen, die zeigt, wie häufig bestimmte Dinge vorkommen

höchst – sehr

etwas/jemand ist jemandem peinlich – jemand schämt sich für etwas/jemanden

Tiefstwert, der – der tiefste Wert einer → Statistik


Fragen zum Text

1. In der DDR war es laut Thomas Kochan normal, …

a) weniger Geld für Bier auszugeben.

b) andere mit Alkohol zu bestechen.

c) Trinklieder zu singen.

2. Im Gegensatz zu Gebrauchsgegenständen war Alkohol …

a) sehr teuer.

b) eher selten.

c) immer erhältlich.

3. Nach den Demonstrationen im Herbst 1989 wurde in der DDR …

a) kein Schnaps mehr verkauft.

b) noch mehr Alkohol getrunken.

c) viel weniger Alkohol getrunken.

4. Alkohol war in der DDR leichter zu bekommen als Ketchup." Welcher Präsens-Satz ist richtig?

a) Alkohol ist in der DDR leichter zu bekommen gewesen als Ketchup.

b) Leichter als Ketchup wird Alkohol in der DDR bekommen.

c) Alkohol ist in der DDR leichter zu bekommen als Ketchup.

5. In welchem Satz werden "wird getrunken" und "wird gesprochen" richtig verwendet?

a) In der DDR wird viel Alkohol getrunken, aber niemand wird darüber gesprochen.

b) In der DDR wird viel Alkohol getrunken, es wird aber nicht darüber gesprochen.

c) In der DDR wird man viel Alkohol trinken, aber es wird nicht darüber gesprochen.

Arbeitsauftrag

Recherchieren Sie im Internet. Finden Sie Redewendungen oder Synonyme für die Ausdrücke "betrunken sein" und "Alkohol trinken". Ein paar Beispiele: Einen über den Durst trinken, einen im Tee haben, einen hinter die Binde kippen … . Stellen Sie Ihre Ergebnisse im Kurs vor.

Autor: Christoph Richter/Lukas Völkel

Redaktion: Raphaela Häuser

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