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Kultur

"Die Dörfer gehen leer aus"

Caritas International ist eine der Hilfsorganisationen, die die Erdbebenopfer in Indonesien versorgt. DW-World sprach mit dem Leiter der Katastrophenhilfe der Caritas auf Java, Heinz Terhorst.

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Zelte dringend benötigt

DW-WORLD: Herr Terhorst, wie ist die Lage im Moment in Yogyakarta?

Heinz Terhorst: Ich bin seit Sonntag hier und hatte viel Gelegenheit auch in die entlegenen Dörfer zu fahren. Ganz besonders schwer hat es die Distrikte Bantul und Klaten, nördlich von Yogyakarta, getroffen. In Bantul liefen die ersten Hilfsmaßnahmen schon am Samstag an, die wirkliche Hilfe kam aber erst am Montag, als der Flughafen von Yogyakarta wieder geöffnet wurde und viele Flugzeuge Hilfsgüter hier herbringen konnten.


Im Distrikt Klaten haben aber mindestens 60 Gemeinden noch gar keine Hilfe bekommen haben. Das liegt daran, dass die Zufahrten über Brücken zerstört sind. Die Menschen haben jetzt Ochsen und Wasserbüffel als Gespann benutzt, um Lebensmittel dorthin zu bringen. Die Zelte sind zum Teil angekommen, werden jetzt auch verteilt, allerdings erstmal nur in der näheren Umgebung von Yogyakarta.

Ich war heute Zeuge davon, wie mehrere Hilfstransporte überfallen wurden. Die Gruppen haben die Transporte angehalten und die Hilfsgüter unter sich aufgeteilt. Die Dörfer, für die die Sachen eigentlich bestimmt waren, gehen leer aus. Das ist sehr beunruhigend. Wir lassen unsere Caritas-Lieferungen jetzt von Polizisten bewachen.

Gibt es denn inzwischen genauere Angaben über die Zahl der Opfer? Ich habe in den örtlichen Zeitungen gelesen, dass die Zahl der Todesopfer tatsächlich noch steigt. Sie liegt inzwischen bei weit über 4500. Es ist aber zu befürchten, dass es noch mehr werden. Viele Menschen sind sehr stark verletzt, oft sind es Kopf- oder innere Verletzungen durch herunterfallendes Gebälk und Steine. Es gibt hier nicht genug Fachärzte, die für solche Spezialoperationen gebraucht werden.

Viele Verletzte mussten unter freiem Himmel operiert werden - hat sich die Situation gebessert?

Das Problem ist inzwischen einigermaßen behoben. Viele Verletzte wurden in weiter weg gelegene Städte in Krankenhäuser gebracht. Aber die sind dem Ansturm nicht gewachsen. Deshalb sind auch heute noch Patienten mit leichteren Verletzungen vor den Krankenhäusern behandelt worden.

Was brauchen die Menschen am dringendsten?

Am dringendsten wird Geld gebraucht, um Nahrungsmittel und Kochgeschirr zu kaufen. Außerdem brauchen die Menschen Trinkwasser, Bekleidung, Matratzen und Zelte. Daneben muss natürlich jetzt sofort daran gedacht werden, in Zusammenarbeit mit staatlichen, kirchlichen und privaten Organisationen einen Strategieplan zu entwickeln, wie die zerstörten Häuser wieder aufgebaut werden sollen. Im Distrikt Klaten sind es allein 8000 Häuser.

Warum lehnt die indonesische Regierung den Einsatz deutscher Ortungs- und Bergungsspezialisten ab?

Es sind keine Menschen mehr unter den Trümmern verschüttet. Die Familien haben ihre Toten schon beerdigt. Bergungsarbeiten fallen hier nicht mehr an. Aufräumarbeiten erledigen die Menschen selbst - es sind ja meist Einzelhäuser in den Dörfern, die zerstört wurden. Die Schäden in der Stadt sind ja nicht so gewaltig wie auf dem Land, wo 90 Prozent der Häuser weg sind.

Besteht die Gefahr von weiteren Nachbeben?

Nachbeben hat es mehr als 600 gegeben. Die sind aber weitgehend abgeschwächt. Schlimm wäre, wenn jetzt der Vulkan ausbricht. Das würde bedeuten, dass mindestens 30.000 Familien evakuiert werden müssten.

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