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Europa

Die dänische Achillesferse

Dänemark hat eine Schwachstelle in seiner sonst vorbildlichen Energiepolitik: Der CO2-Ausstoß ist zu hoch. Die dänische Regierung hat diese Schwäche erkannt und sucht nach Lösungen.

Blick über Wasser auf ein Kraftwerk mit rauchenden Schornsteinen (Foto: DONG Energy)

Dänische Kraftwerke arbeiten energieeffizient

Vom Saulus zum Paulus hat sich der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen in punkto Klimapolitik gewandelt. Als er 2001 an die Macht kam, wollte er vom Umwelt- und Klimaschutz noch so gut wie nichts wissen. Zum Chefberater seiner Regierung berief er Björn Lomborg, Verfasser der Bücher "Apocalypse No" und "Cool it! Warum wir trotz Klimawandel einen kühlen Kopf bewahren sollten". Immer wieder betonte Fogh, er zweifle am Treibhauseffekt und seinen Folgen.

Neue Töne

Portrait des Ministerpräsidenten, im Hintergrund verschwommen eine dänische Flagge (Foto: AP)

Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen

Heute kommen andere Töne aus dem dänischen Staatsministerium. Die Vision eines "grünen Wirtschaftswachstums" zieht sich wie ein roter Faden durch alle Reden des rechtsliberalen Ministerpräsidenten: "Wir möchten eine neue grüne Volkswirtschaft. Eine Gesellschaft, in der wir völlig unabhängig sind von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl oder Gas." Man müsse in Dänemark Technologien entwickeln, von denen die ganze Welt profitieren könne - mit grüner Energie aus Wind, Biobrennstoffen, Sonne und anderen erneuerbaren Energieformen. Auch Häuser, die mehr Energie produzierten, als sie verbrauchten, Hochgeschwindigkeitszüge, ein modernes Schienennetz, Straßen, die sich der Landschaft anpassten und Elektroautos seien Teil dieses Plans.

Tatsächlich hat Dänemark in den vergangenen Jahrzehnten einiges erreicht. Das Land, das sich in den 1980er-Jahren gegen den Bau von Atomkraftwerken entschied, erhält heute knapp 30 Prozent seines Stroms von Windrädern. Knapp ein Fünftel der Gesamtenergie stammt aus erneuerbaren Quellen. In Sachen Energieeffizienz gehören die Kraftwerke des Landes zu den führenden der Welt, indem sie die Produktion von Strom und Wärme miteinander koppeln.

Kraft-Wärme-Kopplung statt Atomkraftwerke

Normalerweise gingen 50 Prozent der Energie eines Kraftwerks als Abwärme verloren, die ins Meer geleitet würde oder durch den Kühlturm in die Luft gerate, sagt Christian Ottesen von der staatlichen Energiegesellschaft "DONG". Hier heizte man aber mit dieser Energie Wasser auf und versorgte mit der Fernwärme Wohnungen und Büros. So würde eine Energieeffizienz von 93 Prozent erreicht.

Vorbildlich ist auch der Energieverbrauch der Dänen: Er war jahrelang stabil, trotz Wirtschaftswachstum und steigendem Konsum. 2008 sank der Verbrauch sogar um knapp zwei Prozent.

CO2-Reduktion noch mangelhaft

Drei LKW in unterschiedlichen Größen stehen auf einem Parkplatz (Foto: AP)

Der CO2-Ausstoß von Transportmitteln wie LKW ist in Dänemark zu hoch (Archivfoto: 2007)

Tatsächlich aber hängt das Land weit hinter der im Kyoto-Protokoll zugesagten Reduzierung seines CO2-Ausstoßes zurück. Das Ziel war, die Emissionen um 21 Prozent zu reduzieren. Bis zum Jahr werden es jedoch voraussichtlich nur vier Prozent sein zeigen jetzt veröffentlichte Zahlen des dänischen Umweltinstituts an der Universität in Aarhus.

Die Ursache sei, so Klima- und Energieministerin Connie Hedegaard, der stetig wachsende Transportsektor. Deswegen habe die Regierung jüngst einen sehr ambitionierten Aktionsplan vorgelegt, in dem mit grünen Abgaben gearbeitet würde: Elektroautos und Biokraftstoffe werden von Abgaben befreien, darüber hinaus würden zwei Drittel aller Investitionen in den öffentlichen Verkehr gesteckt. "Das ist ein wirklicher Einschnitt in die dänische Verkehrspolitik, mit dem wir den CO2-Ausstoss des Transportsektors nachhaltig reduzieren wollen", so Hedegaard.

Dänemark als Elektroauto-Versuchslabor

Erst kürzlich wurde beschlossen, Dänemark zu einem Versuchslaboratorium für Elektroautos zu machen. Befinden sich heute nur knapp 200 Exemplare dieses Fahrzeugtyps auf den Straßen des Landes, sollen es bereits in zwei Jahren 100.000 sein. 100 Millionen Euro werden der staatliche Energiekonzern "DONG" und das amerikanische Unternehmen "Better Place" in den Aufbau einer nationalen Infra- und Versorgungsstruktur für Elektroautos investieren. An Wechselstationen sollen die Batterien der Fahrzeuge dann in kürzerer Zeit getauscht werden können, als es das Auftanken eines normalen Benziners benötigt.

Ein Ladekabel führt in ein Auto (Foto: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung)

Elektroautos sollen dabei helfen, das Klima zu schützen

Per Möller, der Vorsitzende der dänischen Elektroauto-Vereinigung, freut sich über diese Entwicklung. Er ist davon überzeugt, dass Dänemark ein Vorreiterland für Elektroautos werden könne. "Wir haben sehr gute Voraussetzungen: keine extremen klimatischen Bedingungen, eine flache Landschaft." Die Dänen sollten dem Rest der Welt demonstrieren können, dass der Transport mit Elektroautos die Zukunft sei und dass sich jeder an dieser Entwicklung beteiligen könne.

Die Batterien der Elektroautos sollen vor allem nachts, wenn der Windstrom trotzdem erzeugt wird, aber nur wenig Bedarf vorhanden ist, geladen werden. Die Autobatterien wären so zugleich auch ein wichtiger Energiespeicher.

Autor: Marc-Christoph Wagner

Redaktion: Mareike Roewekamp

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