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Wirtschaft

Die chinesische Blase könnte bald platzen

Seit Anfang 2006 kennen die Börsen in China nur eine Richtung: nach oben. Doch die Aktien sind nach Meinung von Experten stark überbewertet. Manche sagen einen Crash für die Zeit nach den Olympischen Spielen voraus.

Börse in Schanghai, Quelle: AP

Bange Blicke sind eher selten an der Börse in Schanghai - wie lange bleibt das noch so?

PetroChina gehört zu den zehn größten Unternehmen, Quelle: AP

PetroChina gehört jetzt zu den zehn größten Unternehmen

Der Ruhm an der Börse ist vergänglich. Daher halten wir diesen Moment fest: Durch den anhaltenden Börsenboom hat China es zum ersten Mal geschafft, unter den Top Ten der nach Marktwert größten Unternehmen mit den USA gleich zu ziehen. Die aufsteigende Großmacht und die größte Volkswirtschaft nehmen jeweils vier Plätze ein. Zuletzt zog der chinesische Energiekonzern PetroChina an General Electric vorbei und landete auf Platz zwei, hinter Exxon Mobil.

Nur eine Richtung

Blickt man in die einzelnen Branchen, wird die Dominanz der chinesischen Unternehmen noch offensichtlicher. In vier wichtigen Sektoren - Banken, Versicherungen, Telekommunikation und Fluglinien - führt, gemessen an der Marktkapitalisierung, jeweils mit Abstand ein chinesisches Unternehmen. Die Industrial and Commercial Bank of China war vor fünf Jahren fast bankrott, ging 2006 an die Börse und lässt heute nach Marktkapitalisierung den Zweit- und Drittplatzierten Citigroup und HSBC weit hinter sich.

Seit Anfang 2006 kennt die Börse in China nur eine Richtung: nach oben. Um satte 400 Prozent hat sie seitdem zugelegt. Das liegt an einer von der Regierung eingeführten Börsenreform und der allgemeinen positiven Einschätzung der chinesischen Wirtschaft, die zuletzt jährlich zweistellig gewachsen ist.

Kaum Anlagemöglichkeiten

Die Industrial and Commercial Bank of China in Peking, Quelle: AP

Die Industrial and Commercial Bank of China in Peking

Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen Grund für die heiß gelaufene Börse, glaubt Rainer Schäfer, Emerging-Market-Experte von der Dresdner Bank. "Die Devisenkapitalverkehrskontrollen, die nach wie vor in China existieren, machen es den einzelnen Anlegern unmöglich, ihr Geld ins Ausland zu bringen", erklärt er. Der chinesische Sparer, der auch im internationalen Vergleich aus den verschiedensten Gründen extrem viel spart, habe kaum Anlagenalternativen. "Der einzelne Anleger kann das Geld entweder zu einer Bank bringen und dafür eine Verzinsung erhalten, die bestenfalls knapp über der Inflationsrate liegt - oder er geht in den Aktienmarkt."

Was den Kleinanlegern verwehrt wird, wird bei den Unternehmen gefördert: Sie dürfen und sollten nach dem Willen der Regierung ins Ausland gehen, um sich global aufzustellen. Die hohen Notierungen der chinesischen Titel bieten dazu Möglichkeiten. Der Branchenprimus China Mobil beispielsweise hat mit über 250 Milliarden Euro einen mehr als viermal so hohen Kapitalmarktwert wie die Deutsche Telekom. Dass China Mobil die Deutsche Telekom schlucken könnte, ist laut Rainer Schäfer von der Dresdner Bank zumindest eine theoretische Möglichkeit. "Der Börsenwert ist so hoch, dass die Firmen natürlich auch ins Ausland gehen und dort investieren können." In China gebe es zwar genügend Investitionsmöglichkeiten, die lohnender seien, als Firmen in Industriestaaten zu übernehmen. "Aber generell beflügelt der hohe Börsenwert natürlich Firmen, verstärkt Kapital ins Ausland zu schaffen und im Ausland Unternehmen zu übernehmen."

Völlig überbewertet

Beobachter warnen, dass der Party bald ein Kater folgen könnte, Quelle: AP

Beobachter warnen, dass der Party bald ein Kater folgen könnte

Wie hoch die chinesischen Unternehmen tatsächlich bewertet sind, lässt sich ablesen an dem Kurs-Gewinn-Verhältnis. Je höher dies ist, desto höher sind die jeweiligen Titel bewertet. Der aussagekräftige CSI 300 Index, der die 300 größten an der chinesischen Börse gelisteten Firmen umfasst, weist ein KGV von 55 auf. Zum Vergleich: Das KGV des DAX liegt bei 13. Die Aktien des CSI 300 sind also durchschnittlich fast viermal höher bewertet als die DAX-Unternehmen. "In Relation der realen Wirtschaftsentwicklung, auch zu den Gewinnen der Firmen, ist der chinesische Aktienmarkt nach allen Maßstäben total überbewertet", sagt Rainer Schäfer von der Dresdner Bank. "Man kann zwar eine gewisse Höherbewertung rechtfertigen durch die günstigen Perspektiven der chinesischen Firmen, aber generell ist das nicht haltbar."

Darin sind sich alle Experten einig. Aber an der Frage, wann es zu Marktkorrekturen kommt, scheiden sich die Geister. Die meisten sagen einen Crash erst nach den Olympischen Spielen im nächsten August voraus. Aber die launische Börse hat den Analysten schon oft Streiche gespielt.

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