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Sport

"Die Chinesen sind liebenswürdige Gastgeber"

Die Vergabe der Olympischen Spiele an China war richtig, sagt Innenminister Wolfgang Schäuble nach seiner Rückkehr aus Peking. Olympia habe Menschen über alle politischen Grenzen hinweg im sportlichen Wettstreit vereint.

Wolfgang Schäuble (Quelle: dpa)

"Die Begeisterung war wirklich großartig", sagt Wolfgang Schäuble

DW-WORLD.DE: Herr Schäuble, wie haben Sie die Olympischen Spiele in Peking erlebt?

Wolfgang Schäuble: Als sportbegeisterter Mensch ist man von Olympischen Spielen immer begeistert. Es waren ja auch tolle Wettkampfstätten, es war eine tolle Organisation, es war eine wirklich freundliche Atmosphäre. Die Chinesen sind ungeheuer aufmerksame, liebenswürdige Gastgeber. Und es waren vielfältig sportliche Wettkämpfe auf einem zum Teil so unglaublich hohen Niveau, dass man schon wieder sorgenvolle Fragen anknüpfen kann. Aber als Sportfan ist man begeistert. Man leidet, wenn die eigenen Athleten verlieren - ich denke noch an das Halbfinale der Hockey-Frauen gegen China. Und man freut sich, wenn sie erfolgreich sind, etwa bei den Kanuten oder bei Lena Schöneborn im Modernen Fünfkampf.

Halten Sie auch im Nachhinein die Vergabe der Spiele an China für richtig?

Zunächst einmal muss jeder, der die Olympischen Spiele an Peking vergeben hat, wissen, was er tut. Die Olympische Bewegung ist weltumspannend, es sollen Menschen unterschiedlicher politischer Vorstellungen teilnehmen. Das war ja schon im alten Griechenland so, dass die Olympische Bewegung nicht Kriege aus der Welt geschafft hat. Aber wenigstens während der Spiele musste Frieden herrschen. Die moderne Olympische Bewegung soll unbeschadet aller politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, religiösen und sonstigen Differenzen die Jugend der Welt im sportlichen Wettstreit vereinen. Aber man kann nicht erwarten, dass dann die politischen Verhältnisse auf der Welt so sind, wie wir sie für richtig halten. Wobei man auch wissen muss, dass andere Menschen nicht verpflichtet sind, alles für ideal zu halten, nur weil es in Deutschland so ist. Die Erwartung, dass die Olympischen Spiele in China eine rechtsstaatliche Demokratie nach europäischen Maßstäben mit sich brächten, war von vornherein unsinnig.

Viele sagen, die Spiele seien fassadenhaft, keimfrei, seelenlos gewesen. Hatten Sie auch den Eindruck? Nein, überhaupt nicht. Das können nur Leute schreiben, die nicht dort gewesen sind. Die Begeisterung war wirklich großartig. Ich habe erlebt, wie im Tischtennis in der Runde der letzten 32 ein Nigerianer spielte. Die ganze Halle stand in diesem Spiel hinter ihm. Wie mir die Experten sagten, war es das erste Mal, dass ein Tischtennisspieler aus Afrika in der Weltspitze spielte. Er hat im siebten Satz trotzdem verloren, aber es war einfach toll. Wer da von Seelenlosigkeit redet, der ist bei anderen Olympischen Spielen gewesen als ich.

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