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Politik

Die CBS-Falle

Der angesehene Fernsehsender CBS hat nach wochenlangem Zögern zugeben müssen, dass Dokumente, die Präsident Bushs militärisches Drückerbergertum belegen sollten, gefälscht waren. Peinlich, peinlich.

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Daniel Scheschkewitz

Medienfachleute sprechen von einem ethischen Desaster für den US-Journalismus. Das Weiße Haus spricht von einer Schmierenkampagne gegen Präsident Bush. Tatsache ist, dass der angesehene CBS-Journalist Dan Rather, der schon Saddam Hussein interviewte, als er noch Präsident im Irak war, in dieser Woche so etwas wie den "journalistischen Supergau" eingestehen musste: Der Sender hatte am 8. September in seinem Programm "60 Minutes" einen Bericht über angebliche Lücken im Militärdienst Präsident Bushs bei der US- Nationalgarde gebracht, in dem schriftliche Aussagen von George W. Bushs früherem Vorgesetzten bei der Garde eine Rolle spielten. Darin bestätigte Oberstleutnant Jerry Killian, dass Bush zu einem vorgeschriebenen medizinischen Test seinerzeit nicht erschienen sei und dass man ihn, Killian, unter Druck gesetzt habe, Bushs Wehrdienstzeit zu glätten.

Die Dokumente, von denen sich schon bald heraustellen sollte, dass sie gefälscht waren, befanden sich im Besitz von Bill Burkett, einem ehemaligen Nationalagardisten und notorischen Wichtigtuer aus Texas. Burkett hat die Bush belastenden Dokumente dann einer Produzentin bei CBS angeboten. Diese gehörte zu der Sorte von Journalisten, die man in Deutschland gerne als "Überzeugungstäter" bezeichnet: Als Liberale und Bushgegnerin hatte sie sich bei der Aufdeckung des Gefängnisskandals in Abu Grahib bereits einige Meriten erworben und so kam das Angebot von Burkett gerade recht.

Hoher Preis für Falschinformationen

Doch Burkett forderte seinen Preis: Er wollte mit dem Wahlkampfteam von John Kerry in Verbindung gebracht werden. Ein gefährlicher, aber aus Sicht der Produzentin doch erschwinglicher Preis, schließlich winkte ihr eine "Story", die dem Präsidentschaftswahlkampf die entscheidende Wende hätte geben können. Es kam zum gewünschten Kontakt zwischen Kerry-Beratern und Burkett, nur die erhoffte Skandalgeschichte erwies sich als Rohkrepierer. Peinlich für CBS und schlecht für die Produzentin, denn die wurde vom Sender prompt gefeuert. Nun ist nicht nur CBS mit dem Makel der journalistischen Unseriösität behaftet, auch das Kerryteam muss sich den Vorwurf gefallen lassen, schmutzige Wäsche zu waschen. Davon gibt es in diesem US-Wahlkmapf allerdings reichlich.

Schmutzige Wäsche von allen Seiten

Erst musste sich John Kerry von einer Gruppe von Vietnamveretanen der Lüge über seine angeblichen Heldentaten im Krieg bezichtigen lassen, nun dreht ihm Bush selbst die Worte im Munde um. Hatte Kerry Anfang der Woche davon geredet, dass man im Irak doch "bloß eine Diktatur gegen das Chaos eingetauscht habe", so machte Bush daraus, dass Kerry die Dikatur im Irak zurückhaben wolle. Tiefer kann man wohl nicht unter die Gürtellinie schlagen. Aber wer weiß - der Wahlkampf dauert noch sechs Wochen.

  • Datum 23.09.2004
  • Autorin/Autor Daniel Scheschkewitz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5bxh
  • Datum 23.09.2004
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