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Fußball

Die Bundesadler spenden Kraft – besonders in Krisenzeiten

Je schlechter es den Deutschen geht, desto mehr fiebern sie mit ihrer Nationalmannschaft mit. Das Nationalgut Fußball dient dann als willkommene Ablenkung, als Flucht aus der tristen Wirklichkeit.

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Vertreiben vielen Deutschen Kummer und Sorgen: Die deutschen Nationalspieler

Ferry Porsche und Vater Ferdinand Porsche

Lieblingskind I: Das Auto. Hier ein Porsche im Jahre 1950

Der Deutschen liebstes Kind sind eigentlich Zwillinge: Autos und Fußball. Mercedes, BMW, VW, Porsche und auch Opel sind der Stolz der Nation. Wir waren immer die Export-Weltmeister. Weltmeister, sogar dreifacher, ist auch Lieblingskind Nummer zwei: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Sepp Herberger und Fritz Walter – Uwe Seeler, Helmut Schön und Franz Beckenbauer – Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus, sie alle sind Helden.

Parallelwelt Nationalelf

Zuletzt zitterten die Deutschen wieder ganz besonders mit ihren Elite-Kickern, denn die Wirtschaft, die Autobranche, steckt in der Krise, tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. "Die einen legen ihr Augenmerk in einer solchen Situation auf Fußball, andere verstecken sich in einer virtuellen Welt. Gerade in Zeiten, in denen das reale Leben schwierig wird, ist es natürlich schön, wenn man in eine andere Welt eintauchen kann", erklärt Denise Waldenmayer, Sportpsychologin der Technischen Universität München.

Deutschland Börse 20 Jahre DAX

Völlig uninteressant: Der DAX

Der DAX sinkt in den Keller, Banken gehen Pleite, Opel rast auf den Abgrund zu. Alles nicht so schlimm! Wer kennt schon den DAX? Hoffentlich vertragen sich Bundestrainer Löw und Capitano Ballack wieder – das ist es doch, was wirklich für unser Seelenheil zählt. "Man muss sich schon ein bisschen in der Wirtschaft auskennen, um zu wissen, was der DAX überhaupt ist und was es bedeutet, wenn er fünf Punkte verliert. So eine Berichterstattung über Löw und Ballack ist natürlich viel bildlicher dargestellt. Man sieht zwei Streithähne. Das ist viel näher an den Menschen dran, als so ein abstraktes Vorgehen an der Börse", sagt Waldenmayer.

Außerdem gehen Löw und Ballack uns schließlich alle etwas an. Jeder siebte deutsche Arbeitsplatz hängt von der Autoindustrie ab. Das ist nichts gegen die Anzahl der Herzen, die an der Nationalelf hängen.

Du bist Deutschland!

Opel geht vielleicht Pleite, nicht Deutschland. Ganz Deutschland hat aber gegen England gespielt. "Wir" haben gespielt. "Wir" haben verloren. Die Fußball-Nationalmannschaft ist Deutschland. Schon vergessen? Du bist Deutschland! Schweini, Poldi und Co. Das ist unser Fleisch und Blut.

Die deutsche Nationalmannschaft

Lieblingskind II: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft

"Wenn man auf die Nationalmannschaft stolz sein kann, dann kann man auch auf sich ein bisschen stolz sein, weil man ja Teil dieser Gruppe ist. Dass ist ein Mechanismus, der sozialpsychologisch erklärt, warum man sich besser fühlt, wenn die Nationalmannschaft, mit der man sich identifiziert, gut gespielt hat und warum man sich schlecht fühlt, wenn sie schlecht gespielt hat", erklärt Professor Michael Krüger, Sporthistoriker der Uni Münster.

Genaugenommen haben wir unserer Nationalmannschaft sogar unseren Staat zu verdanken, sagen zumindest einige Wissenschaftler. Erst mit dem WM-Sensationssieg 1954, dem Wunder von Bern, kam so etwas wie Stolz, Mut und Kraft nach der großen Schuld des Zweiten Weltkrieges zurück. Erst mit diesem Triumph wurde Deutschland wirklich gegründet. Sporthistoriker Krüger: "Mit diesem WM-Sieg ist wirklich ein neues Nationalbewusstsein entstanden und das gebrochene Verhältnis zur Nation ist wieder einigermaßen zusammengewachsen".

Richtig zusammengewachsen ist Deutschland, also Ost und West, im Fußballsommer-Märchen 2006. Die ganze Nation feierte sich selbst, magisch angezogen von der Nationalmannschaft und der Hoffnung: Wir können es schaffen! Wir werden Weltmeister. Der Traum platzte. Die, die den Adler tragen, bleiben dennoch Deutschlands liebstes Kind, gemeinsam mit den Autos natürlich.

Audio und Video zum Thema