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Frankfurter Buchmesse eröffnet

5. Oktober 2010

Sie ist die größte Buchmesse der Welt, und in diesem Jahr heißt das Gastland Argentinien. Neue multimediale Erzählformen werden präsentiert, es regnet Preise, und natürlich gibt es viel neue Literatur zu entdecken.

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Christina Fernandez de Kirchner eröffnet durch das Aufziehen einer Schleife symbolisch den Pavillon des Buchmessen-Gastlandes Argentinien. Neben ihr der deutsche Außenminister Westerwelle, Buchmessendirektor Boos, die argentinische Botschafterin Faillace und der Ministerpräsident von Hessen, Bouffier. (Foto: dpa)
Auch Außenminister Guido Westerwelle war zur Eröffnung in FrankfurtBild: picture alliance/dpa

Etwa 1000 Bücher versammelt allein die Ausstellung 'Books on Argentina': Übersetzungen aus der Literatur des südamerikanischen Landes, Titel zur Politik und Geschichte sowie Reiseführer. Eine komplexe Außenansicht des diesjährigen Gastlandes der Frankfurter Buchmesse ist das, und in gewisser Weise doch nur ein Appetithäppchen. Denn der Ehrengast selbst präsentiert sich in den nächsten Tagen mit rund 300 Veranstaltungen zu Kultur und Literatur, er bringt das Frankfurter Publikum mit zahlreichen seiner Autoren und Autorinnen zusammen, und selbstverständlich ist auch die Präsidentin des Landes zur Eröffnung der weltgrößten Buchmesse am Dienstag (05.10.2010) an den Main gekommen.

Ehrengast Argentinien

Cristina Kirchner (Foto: dpa)
Cristina Kirchner wirbt für die Literatur aus ihrem LandBild: picture alliance/dpa

Argentinien schminke sich nicht und werde es auch nicht tun, sagte Cristina Fernández de Kirchner. Ihr Land habe eine 200-jährige Geschichte, und die sei auch ausgedrückt worden. Während der Militärdiktatur, zwischen 1976 und 1983, während des dunkelsten Kapitels der argentinischen Geschichte also, hätten Argentiniens Autoren das oft mit Exil oder ihrem Leben bezahlt. "Wie alle Gesellschaften in risikoreichen Zeiten haben wir zwar auch Schriftsteller gehabt, für die wir uns schämen, aber wir haben viel mehr, auf die wir stolz sein können." Stellvertretend für sie alle ehrte Kirchner während der Eröffnungsfeier der Buchmesse Elsa Westerland, die Witwe eines verschwundenen Autors, die während der Militärdiktatur auch ihre vier Töchter verloren hat.

Argentiniens große alte Autoren werden während dieser Buchmesse ebenso präsentiert wie all die jungen Stimmen des Landes, die die aktuelle Literaturszene prägen und sich oft die Aufarbeitung der Geschichte zum Ziel gesetzt haben. Das Interesse deutschsprachiger Verlage an dieser dynamischen Literatur ist laut Gottfried Honnefelder, dem Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, außerordentlich groß. Im Vorfeld der Buchmesse seien rund 220 Titel aus Argentinien übersetzt worden, mehr als 100 davon aus dem Bereich der Belletristik.

Positive Statistiken

Mann vor Bücherregal (Foto: DW)
Das Interesse am Buch wächst immer noch weiterBild: DW

7533 Aussteller aus insgesamt 111 Ländern weist die aktuelle Statistik dieser Buchmesse aus, das ist – wieder einmal – ein leichter Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Und Positives kann auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels berichten: Der Umsatz der Buchbranche sei in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 0,8 Prozent gestiegen. Im Jahre 2009, so Honnefelder, habe sich der Umsatz insgesamt auf rund 9,7 Milliarden Euro belaufen. Rund drei Viertel davon entfielen auf populäre Titel aus den Bereichen Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, Reisen, Ratgeber und Sachbuch. Verkauft wurden diese Bücher üblicherweise in gedruckter Form und nur in den seltensten Fällen als sogenanntes E-Book. Tatsächlich haben die Verlage mit elektronischen Büchern nämlich nur 1,8 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet.

Digitale Innovationen

e-book (Foto: dpa)
Noch fristet das e-book ein Mauerblümchen-DaseinBild: picture-alliance/ dpa

Die Wachstumschancen der Branche aber liegen, da ist sich Messedirektor Jürgen Boos sicher, bei digitalen Produkten. Die aktuelle Buchmesse bietet deshalb verschiedene Plattformen für den Austausch. Hersteller von elektronischen Lesegeräten und mobilem Internet, Softwareanbieter, Internetportale, Bildungsverlage und weitere Dienstleister erhalten Raum für Präsentationen, und im Rahmen von Konferenzen sollen Buch- und Kreativbranchen vernetzt werden. Außerdem möchte ein Handelsplatz für crossmediale Rechte Vertreter der Branchen Print, Film, Musik, Spiele, Telekommunikation und Internet zusammenbringen. Die neue Technik, sagt Jürgen Boos, ermögliche nicht nur mehr Menschen den Zugang zu Literatur. Sie erlaube auch, dass Geschichten zum Beispiel in Teams geschrieben würden.

Lebendige Buchwelt

Die Buchwelt lebt also - in verschiedenen Formen - und erfreut sich dabei offenkundig bester Gesundheit. Bis zum Sonntag kann sich das interessierte Publikum in den Frankfurter Messehallen davon überzeugen und an den Ständen der zahllosen Verlage auf Entdeckungstour gehen. Dabei werden dann auch traditionelle Leser auf ihre Kosten kommen. Autoren wie Wladimir Kaminer, Martin Mosebach, Cornelia Funke, Bret Easton Ellis oder Frank Schätzing haben ihren Besuch angekündigt; Günter Grass spricht über sein neues Buch "Grimms Wörter" und US-Star-Autor Jonathan Franzen ist Gast von gleich mehreren Veranstaltungen. Und wer Glück hat, entdeckt im Trubel der Hallen vielleicht auch die Träger der begehrtesten Preise dieser Buchmesse: Melinda Nadj Abonji, die bereits am Montag für ihren Roman "Tauben fliegen auf" (Jung und Jung Verlag) mit dem Deutschen Buchpreis 2010 ausgezeichnet wurde, und den israelischen Schriftsteller David Grossman, der am 10. Oktober in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wird.

Autorin: Silke Bartlick
Redaktion: Sabine Faber