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Politik

Die Braut mit den kalten Füßen

Es war einmal eine gut aussehende junge Frau aus Amerika, die hatte ihren Prinzen gefunden und wollte, wie es im Lande der anständigen Menschen Sitte ist, heiraten. Aber dann bekam sie kalte Füße und verschwand …

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Jetzt ist die Braut eine Angeklagte, die anständigen Herren und Damen Geschworenen fanden, dass die junge Frau sich ziemlich unanständig verhalten hat. Die junge Frau heißt Jennifer Wilbanks, kommt aus Georgia und sieht ein bisschen so aus, was die Amerikaner einen Georgia Peach nennen, ganz hübsch, Südstaatenmäßig fraulich, so eine Art Rüsschen-Schönheit mit großen erschrockenen Rehaugen und langen dunklen Haaren.

Im April, einen Tag vor der geplanten Hochzeit, sagte die 32-Jährige ihrem Zukünftigen, dass sie noch mal kurz Joggen gehen wolle. Und dann verschwand sie, spurlos. Als sie auch wenige Stunden vor der Hochzeit nicht wieder auftauchte, rief der Bräutigam die Polizei an. 600 geladene Gäste warteten vergebens. Es hätte eine Riesen-Hochzeit werden sollen - mit 28 Brautjungfern gestandenen Alters und beiderlei Geschlechts. Die Hochzeitsgesellschaft war entsetzt, der Bräutigam am Boden zerstört, die Polizei alarmiert. Man startete eine groß angelegte Suche, dutzende Polizisten machten sich an die Arbeit, häuften Überstunden an und verschlangen größere Mengen Donuts, das süße Gebäck, dass zur Standard-Nervennahrung gestresster US-Polizisten gehört.

Nervöse Brautzuckungen

Nach drei Tagen dann meldete sich die verschwundene Braut aus New Mexico und erzählte eine entsetzliche Geschichte: Zwei Männer hatten sie entführt und sexuell belästigt, sie sei gerade noch mit dem Leben davon gekommen. Bräutigam, Hochzeitsgesellschaft und Polizei waren erleichtert. Nur ein erfahrener FBI-Agent wurde misstrauisch. Irgendwie passte die Geschichte der Frau nicht zusammen. Die gestand dann auch nach kurzem Verhör: Sie hatte einfach die Nerven verloren, es seien noch so viele Dinge für die Hochzeit zu erledigen gewesen, da habe sie einfach die Flucht im Greyhound-Bus vorgezogen.

Um den Seelenzustand der jungen Frau auch nur annähernd zu verstehen, müssen wir uns kurz in die amerikanische Hochzeits-Psyche versenken. Die Hochzeit ist das Groß-Ereignis im Leben einer Amerikanerin. Unabhängig davon, dass die durchschnittliche US-Bürgerin im Leben mindestens zwei bis drei Mal heiratet - entweder schafft sie ihre Männer ganz legal durch Ehe-Quengelei unter die Erde oder findet einen besseren -, wird jede Hochzeit so gefeiert, als könnte es die letzte sein. Und das kostet Geld, das zumindest bei der ersten Ehe der Vater der Braut zahlen muss. 30.000 Dollar gelten da schon als Gelegenheits-Schnäppchen.

Erwartungsdruck und Happy End

Amerikas Hochzeitsindustrie macht jährlich Milliarden Dollar Umsätze. Frauen im heiratsfähigen Alter abonnieren mindestens eines der dutzenden Hochzeits-Magazine, um sich perfekt auf die Gelegenheit vorzubereiten, meistens schon lange bevor ein passender Kandidat gefunden wurde. Man sieht, das ganze kann schon ziemlich stressig werden. Unsere junge Heldin brach angesichts des Erwartungsdrucks zusammen. Da kann man verstehend lächeln und vergessen. Aber nicht, wenn man Polizei-Chef ist. Der will nämlich die Kosten für die Suche wieder reinbringen. 43.000 Dollar sollen das sein, da müssen die gestressten Polizisten unter Einsatz ihres Lebens ziemlich viele Donuts gegessen haben.

Eine Jury gab der Polizei jetzt recht, das Verfahren gegen die verbrecherische Braut darf eröffnet werden. Der Frau droht bis zu einem Jahr Gefängnis, man versucht, sich außergerichtlich zu einigen. Unsere Geschichte hat ein Happy End: Der Bräutigam hat der nervösen Braut vergeben, die Hochzeit soll nachgeholt werden. Aber vielleicht sollte sich der Mann noch einmal auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen, bei der Braut sollte Mann sich das wirklich zwei Mal überlegen.