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Europa

Die Brücke nach Süden

Auf der anderen Seite lockt der Süden, der Traum von Sonne und unbeschwertem Leben: Die Europabrücke ist das wichtigste Teilstück der Brennerautobahn - und sie war lange ein Symbol für das zusammenwachsende Europa.

Karte von Österreich mit der Europabrücke (Grafik: DW)

Eine kühne Konstruktion überspannt südlich von Innsbruck das Wipptal. Es ist eine Balkenbrücke, die auf Stahlbetonpfeilern ruht - der höchste von ihnen ist über 180 Meter hoch. "Wegen der Größe und wegen der Wichtigkeit des Verkehrsweges hat man ihr damals den Namen Europabrücke gegeben", sagt Martin Kirchmair, technischer Leiter der Betreibergesellschaft "Asfinag Tirol".

Eine Brücke mit Legenden

Die Europabrücke im Nebel als schwarz-weißes Foto (Foto: picture-alliance/dpa)

Die Europabrücke kurz nach ihrer Eröffnung im Jahr 1963 (Archivbild: 1964)

Und genau diese Höhe sei 1960 das große Problem gewesen, ergänzt Kirchmair. Die Fundamente für die riesigen Brückenpfeiler mussten tief in den Fels gesprengt werden. Eine technische Meisterleistung, ausgeführt in nur vier Jahren Bauzeit. 22 Arbeiter sind beim Bau ums Leben gekommen. Die Legende sagt, einige von ihnen hätten während der Betonierungsarbeiten ihre letzte Ruhe in den Pfeilern gefunden. Eine Legende, die man bei der Betreibergesellschaft der Autobahn weder bestätigen noch dementieren möchte.

Als die Brücke 1963 eingeweiht wurde, war sie eine Sensation: Über 40 Jahre lang war sie die höchste Brücke Europas. Heute ist sie immerhin noch die höchste Balkenbrücke. Und eine der schönsten: Millionen sonnenhungriger Touristen haben sie überquert und auf ihrer Reise gen Süden angehalten, um sie zu bewundern.

Doppelte Kontrollen

Die Europabrücke im Winter

Sie ist nicht nur Verkehrsweg, sondern auch Touristenattraktion: die Europabrücke

Unfälle gebe es auf der Brücke zwar immer mal wieder, aber noch nie sei ein Fahrzeug hinunter gestürzt, sagt Bauingenieur Peter Augschöll. Regelmäßig inspiziert er die Europabrücke - kein Job für Menschen mit Höhenangst. Zwar gebe es auch ein automatisches Überwachungssystem, das den Ingenieuren ständig alle wichtigen Daten übermittelt, die Ingenieure kontrollierten zusätzlich alle Oberflächen "sozusagen handnah".

Denn niemand weiß genau, wie lange so eine Brücke hält. Die Erweiterung auf sechs Spuren hat die Europabrücke klaglos verkraftet und auch dem Streusalz bietet sie bisher tapfer Paroli. "Wir leben etwas davon, dass die Berechnungsmethoden zur damaligen Zeit nicht so exakt waren wie die heutigen es sind", verrät Martin Kirchmair. "Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre war Computertechnologie noch nicht üblich, so dass der Brücke einige Reserven mitgegeben wurden."

Für ein lebenswertes Wipptal unter der Brücke

Im Winter macht vor allem der Schnee der Europabrücke zu schaffen. Ein Dutzend Räumfahrzeuge verteilt tonnenweise Salz auf der Autobahn: pro Jahr über 6000 Tonnen. Denn der Verkehr muss laufen: Die Brennerautobahn ist einer der wichtigsten Strecken im Europa des freien Warenverkehrs. Über 40 Prozent des gesamten Transitverkehrs über die Alpen geht über diese Autobahn.

Blick von oben auf die befahrene Europabrücke (Foto: picture-alliance/dpa)

Wer in den Süden Europas will, fährt oft über die Europabrücke

2008 war ein Rekordjahr: Über fünftausend LKW pro Tag haben die Brücke überquert, fast zwei Millionen im Jahr. Dazu kamen knapp zehn Millionen Autos. Für die Asfinag ein Riesengeschäft, denn wer die Brücke nutzen will, muss eine Mautgebühr zahlen. Für die Bewohner des Wipptals aber eine enorme Belastung. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wipptal" kämpft darum für eine neue Verkehrspolitik in Europa. "Es ist schon wegen des CO2-Ausstoßes notwendig", sagt Evelyn Schlögl. "Wenn die EU dieses Problem in den Griff kriegen will, dann müssen sie beim Verkehr ansetzen und das wissen sie auch." Die kämpferische Vorsitzende der Bürgerinitiative macht sich aber wenig Illusionen: "Es geht sehr, sehr träge voran", weiß sie.

Zumindest im vergangenen Jahr aber hat die Initiative unerwartete Hilfe bekommen: 2009 rollten rund 300.000 LKW weniger über die Brennerstrecke als im Jahr zuvor. Der Grund: die Wirtschaftskrise.

Autor: Veit-Ulrich Braun
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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