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Nahost

Die Bomben-Welle rollt weiter

Die US-Armee hat die Bombenangriffe auf den Irak am Samstagmorgen fortgesetzt. Über Bagdad erleuchteten Feuerbälle den Himmel. Ziel der Attacken ist es, das Land in Angst und Schrecken zu versetzen.

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Aufgabe im Angesicht der Übermacht

Donald H. Rumsfeld Pressekonferenz - Operation Iraqi Freedom

Donald Rumsfeld

"Der Luftkrieg hat begonnen", verkündete US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Foto) am Freitagabend in Washington. Gleich zu Beginn wurden nach Angaben des US-Militärs mindestens 320 Raketen auf Bagdad und Umgebung abgefeuert. Bis Samstagabend wollen die US-Streitkräfte insgesamt mehr als 1500 Bomben und Raketen innerhalb von 24 Stunden auf den Irak abgefeuert haben. Dies solle Saddam Hussein im eigenen Land "blind, taub und stumm" machen, so Rumsfeld.

Luftkrieg gegen Bagdad Regierungsgebäude brennt

Ein Regierungsgebäude in Bagdad brennt

In der irakischen Hauptstadt ging der wichtigste Palast von Saddam Hussein in Flammen auf. Dutzende Explosionen erschütterten nach Angaben eines AFP-Korrespondenten die irakische Hauptstadt. Der katarische Fernsehsender El Dschasira zeigte Feuerbälle von Explosionen, die den Himmel über Bagdad erleuchteten. Dichte Rauchsäulen standen über dem Palast der Republik am Ufer des Tigris. Die meisten Gebäude im Umfeld des Komplexes brannten ebenfalls.

"Wir kämpfen überall"

Vom Flugzeugträger "USS Kitty Hawk" waren zuvor Kampfjets mit 225-, 450- und 900-Kilogramm-

Irakischer Gefangener

Irakischer Soldat wird gefangen genommen

Bomben aufgestiegen, um das Heer in Südirak zu unterstützen. Kapitän Patrick Driscoll, Kommandeur der Luftstreitkräfte auf der "USS Kitty Hawk", sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, die Kampfjets sollten britische und amerikanische Truppen nördlich und südlich von Basra sowie auf der Halbinsel El Fau unterstützen. Zudem seien sie zum 5. Korps der US-Armee in der Region As Subajr unterwegs. "Wir kämpfen überall in Irak an diesem Abend", sagte Driscoll.

Ein Ende der Attacken war am Samstagmorgen nicht absehbar. US-Generalstabschef Richard Myers kündigte an, bis zum Samstagaben (MEZ) würden noch mehrere hundert militärische Ziele angegriffen.

Truppen vor Basra

Die alliierten Truppen rückten schnell auf Basra vor und befänden sich nun am Rande der strategisch wichtigen Stadt, sagte der britische Generalstabschef Michael Boyce in London. Die zweitgrößte irakische Stadt im Süden des Landes wird von Elitesoldaten der Republikanischen Garde verteidigt.

Nach US-Angaben ergab sich die gesamte 51. irakische Division mit ihrem Kommandeur an der Spitze den alliierten Militärs. Die 8000 Mann hätten am frühen Samstag (Ortszeit) die Waffen gestreckt, als die Invasionstruppen auf Basra vorrückten, berichteten übereinstimmend TV-Sender unter Berufung auf Regierungsbeamte. Die Division habe vor dem Krieg über rund 200 Panzer verfügt. Sie ist eine reguläre Einheit. Sie war das Ziel intensiver US-Aufrufe mit Flugblättern und Rundfunkaufrufen gewesen, den Kampf aufzugeben.

Luftwaffenhelfer auf der USS Kitty Hawk bestücken F/A 18 Hornet Kampfjets mit JDAM Bomben

Ein Hornet-Kampfjet wird mit Bomben beladen

Laut Boyce brachten die US-geführten Streitkräfte auch die südirakische Hafenstadt Umm Kasr und die Halbinsel El Fau vollständig unter ihre Kontrolle. Den Angaben zufolge könnten die Soldaten in drei bis vier Tagen Bagdad erreichen. Der irakische Verteidigungsminister Sultan Haschem Achmed kündigte jedoch Widerstand an.

Boyce korrigierte Angaben des britischen Verteidigungsministers Geoff Hoon, wonach die irakischen Streitkräfte 30 Ölquellen in Brand gesteckt hätten. Insgesamt stünden nur sieben Ölquellen in Flammen. Nach Darstellung eines Korrespondenten von El Dschasira sind auch diese Angaben falsch. In Brand gesetzt worden sei vielmehr ein mit Öl gefüllter Verteidigungsgraben, sagte er. An diesen Widersprüchen lässt sich erkennen, dass alle Informationen aus der Kriegsregion mit großer Vorsicht zu behandeln sind.

Alarm in Mosul und Kirkuk

Auch in den nordirakischen Städten Mosul und Kirkuk herrschte Alarm. AFP-Korrespondenten berichteten von Luftabwehrfeuer. Der Fernsehsender El Dschasira meldete ebenfalls Bombenangriffe auf Mosul.

Freitagnachmittag hatten tausende US-Soldaten der 101. Luftlandedivision ihren Stützpunkt im Norden Kuwaits verlassen und die irakische Grenze angesteuert. Zehntausende reguläre US-Bodentruppen sowie US- und britische Marineinfanteristen waren schon in der Nacht zuvor von Kuwait aus über die irakische Grenze marschiert, unterstützt von Artillerie, Kampfhubschraubern und Kriegsflugzeugen.

Türken greifen Irak an

Der türkische Außenminister Abdullah Gül kündigte in der Nacht zum Samstag in Ankara an, türkische Truppen würden in den Nord-Irak vorrücken. Sie sollen ein Eindringen von Flüchtlingen über die irakisch-türkische Grenze verhindern. Einen Zeitpunkt nannte er nicht. Zuvor hatte die Türkei den USA für den Krieg gegen den Irak Überflugrechte eingeräumt.

Gül sagte, die türkische Einheiten würden auch in das Kurdengebiet im Norden Iraks einrücken, um "terroristischen Aktivitäten" vorzubeugen. Er fügte hinzu, die Türkei habe keine territorialen Interessen in Irak. Ein US-Regierungssprecher erklärte, die USA hätten dem Einrücken türkischer Truppen in den Irak nicht zugestimmt, es werde noch darüber beraten.

Die Bundesregierung wird nun unter Umständen die deutsche Beteiligung an den AWACS-Aufklärungsflügen über der Türkei prüfen. Ein ungenanntes Mitglied des Sicherheitskabinetts sagte der "Leipziger Volkszeitung" (Samstagsausgabe) mit Blick auf die deutschen AWACS-Besatzungen, mit einem Einmarsch entfalle "die Grundlage unserer Beistandsleistung im NATO-Bündnis für die Türkei". (mas)

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