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Digitales Leben

Die Bobs-Nominierungen 2014 stehen fest

Zensur, Snowden und Ukraine - das sind die großen Themen bei den diesjährigen Bobs-Awards. Die internationalen Jurymitglieder haben ihre Favoriten gewählt, jetzt sind die User dran.

Die internationale Blogosphäre hat auch in diesem Jahr jede Menge neues Futter bekommen: Immer wieder behindern Zensurattacken Blogger und Journalisten weltweit. Die NSA-Affäre hat viele kreative Programmierer auf den Plan gerufen, die neue Verschlüsselungstechniken und sichere Kommunikationsnetze entwickelt haben. Die Proteste in der Türkei vom vergangenen Sommer sind noch sehr präsent, und Top Thema ist in diesem Frühjahr die Ukraine-Krise. In Afrika und Asien stehen technische Innovationen im Vordergrund, die den Menschen dort den Zugang zu Informationen erleichtern.

Charakteristisch für die Bobs-Awards ist, dass viele der Blogs, Webseiten und Kampagnen von Menschen geschaffen werden, die in ihren Heimatländern mit Repressalien, Verfolgung und Gefängnis bedroht werden. Das Internet ist für sie der letzte Freiraum - egal, ob es Frauenrechtlerinnen in arabischen Ländern sind oder Regimekritiker in China. Viele arbeiten stets daran, Zensur und Netzsperren durch Tricks zu umgehen. Ihre Regierungen sind ihnen dabei auf den Fersen. Oft ist es ein sehr knappes Katz- und Mausspiel.

Kubanische Bloggerin Yoani Sanchez während einer Pressekonferenz in Brasilien (Foto: REUTERS/Paulo Whitaker)

Bloggerin Yoani Sánchez ist 2013 um die Welt gereist, nachdem sie die Ausreisegenehmigung bekam

In der nun zehnjährigen Geschichte der Bobs ist es mehrmals passiert, dass nominierte Blogs plötzlich verschwunden sind. Und nicht nur das, auch frühere Preisträger sind verhaftet worden. Die Kubanerin Yoani Sánchez wurde verschleppt, geschlagen und bedroht, weil sie

in ihrem Blog "Generación Y"

kritisch über den Alltag in Kuba berichtet, bei dem das Castro-Regime nicht gerade gut wegkommt. Sie hat 2008 den Bobs-Award gewonnen - erst im vergangenen Jahr konnte sie die Trophäe entgegennehmen. Vorher war ihr die Ausreise verweigert worden.

Die Vorschläge

Mehr als 3000 Vorschläge haben die User eingereicht, unter denen die 15-köpfige internationale Jury nun ihre Favoriten bestimmt hat. Jetzt sind die User am Zug: Es gibt insgesamt 20 Kategorien, davon sind 14 sprachgebunden. Die "Bobs-Sprachen" reichen von Indonesisch über Persisch bis Ukrainisch. Die restlichen sechs Hauptkategorien sind sprachübergreifend. Hier geht es tatsächlich um das beste Blog, um die tollste soziale Kampagne, um die einfallsreichste Innovation.

So zählt zu den Nominierten etwa die brasilianische Kampagne

"Um lar para Snowden"

: Eine Petition, in der dazu aufgerufen wird, dem NSA-Whistleblower Edward Snowden in Brasilien Asyl zu geben. Mehr als eine Million Menschen haben diese Petition bereits unterzeichnet.

"Lantern"

ist ein Tool zur Umgehung von Zensur. Diesem Netzwerk kann man nur beitreten, wenn man eingeladen wird. Jeder Rechner mit freiem Zugang kann als Server fungieren und so freien Zugang zu zensierten oder blockierten Seiten oder Sozialen Netzwerken möglich machen.

Die

Facebookseite "EuroMaydan"

ist eine wichtige Informationsquelle rund um die Geschehnisse in der Ukraine. Sie hat in kurzer Zeit fast 300.000 Likes bekommen.

Auf

"Emmabuntus"

bietet eine französische Community Softwarelösungen für gebrauchte PCs an. Ausgemusterte Geräte werden wieder fit gemacht und kommen Menschen in armen Ländern zugute.

Screenshot der Internetseite thug-notes.com (Copyright: thug-notes.com)

Gangsta-Rapper Thug Notes erklärt Weltliteratur im Ghetto-Slang

Unter den Nominierten sind auch sehr witzige Webseiten. So rezensiert auf

"Thug-notes"

ein Hip Hopper in kurzen Videoclips Weltliteratur und bringt die literarischen Texte auf diese Weise auch einem Publikum jenseits der Hochkultur nahe.

Alle nominierten Blogs und Kampagnen werden auf der Seite

thebobs.com

genau beschrieben. Ab dem 2. April können die User darüber abstimmen, wer in welcher Kategorie mit dem Publikumspreis ausgezeichnet werden soll.

Die Jury

Die Jury vergibt - zusätzlich zu den Usern - sechs Extra-Preise in den Hauptkategorien. Im Mai werden sich die Juroren in Berlin treffen und im Rahmen der Bloggerkonferenz

republica

die Gewinner bekannt geben. Alle Juroren kennen sich in der Blogosphäre bestens aus, sind oft selbst Aktivisten, Wissenschaftler, Journalisten - und sie betreiben Blogs.

Die russische Bloggerin Alena Popova ist zum zweiten Mal Mitglied der internationalen Bobs-Jury. In diesem Jahr liegt der Fokus der Weltöffentlichkeit auf den Geschehnissen in der Ukraine und in Russland. Deswegen sind gesellschaftlich relevante Netzinitiativen für Popova besonders wichtig.

The Bobs-Jurymitglied Alena Popova aus Russland (Foto: DW)

Alena Popova ist die russische Stimme in der Bobs-Jury 2014

2012 hat sie eine Stiftung gegründet, die solche Projekte nach vorne bringen soll. "Der Online-Aktivismus hat gezeigt, dass die russische Gesellschaft reif für Veränderungen ist. Wir helfen uns gegenseitig und können gemeinsam etwas bewirken. Dieses Vertrauen konnte sogar die Staatspropaganda nicht erschüttern. Seit der Duma-Wahl im Dezember 2011 haben Online-Projekte Reales bewirkt."

Aus Kamerun ist zum ersten Mal der Blogger Florian Ngimbis dabei - er hat 2012 bei den Bobs-Awards den Publikumspreis für sein Blog "Kamer Kongossa" gewonnen. Das Blog ist das beliebteste im frankophonen Afrika und erzählt Geschichten nicht nur aus dem Alltag in seiner Heimat Kamerun, sondern auch über brisante politische Themen.

Auch Juroren können Probleme bekommen

In der Jury sind neben interessanten neuen Mitgliedern ein paar alte Hasen, die durch ihre Arbeit bei den Bobs schon seit vielen Jahren dafür sorgen, dass Blogger aus Ländern mit restriktiven Regimes eine Stimme bekommen. Darunter Arash Abadpour, der unter dem Pseudonym Kamangir (Bogenschütze) von Kanada aus über die iranische Blogosphäre schreibt. Shahidul Alam aus Bangladesch ist ein preisgekrönter Fotograf und international bekannter Aktivist, der in seiner Heimat das Bangladesh Human Rights Network aufgebaut hat. Seit vergangenem Jahr ist der chinesische Universitätsprofessor Hu Yong mit dabei. Allerdings kann er an der Jurysitzung in Berlin nicht teilnehmen: Die chinesischen Behörden haben ihm "empfohlen", nicht auszureisen.

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