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Wirtschaft

Die Blitzjungs der Wall Street

An der New Yorker Wall Street wird hitzig über den sogenannten Hochfrequenzhandel diskutiert. Grund ist ein neues Buch des Autors Michael Lewis. Der sagt, die superschnellen Handelsplattformen zocken normale Anleger ab.

In den USA hörte sich die Finanzberichterstattung in den vergangenen Tagen ungewöhnlich emotional an. "Michael solle sich schämen“, wettert William O'Brien, der Präsident der digitalen Börse BATS Exchange in New Jersey. Gemeint ist Star-Autor Michael Lewis. "Er kann nicht einfach haltlos tausende Menschen der Finanzindustrie anschwärzen und bei den Investoren Angst verbreiten." Handelsplätze wie die BATS Exchange stehen seit der Veröffentlichung von Michael Lewis Buch "Flash Boys" in der Kritik. Beim Hochfrequenzhandel, der hier abgewickelt wird, kaufen und verkaufen Computerprogramme Wertpapiere innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Die Wellen schlagen hoch

In seinem Buch, das am 10. April auch auf Deutsch erscheint, vertritt Lewis eine starke These: Normale Investoren werden von den Hochfrequenz-Robotern abgezockt. "Nehmen wir an, ich setze als normaler Investor einen Kaufauftrag, etwa für Microsoft-Aktien", sagt Lewis. Sein Auftrag treffe anschließend im Handelszentrum der Digitalbörse BATS an New Jersey ein. Bevor die Order jedoch ausgeführt werden könne, zahle sich der Geschwindigkeitsvorsprung der Hochfrequenzhändler mit ihren Algorithmen und Glasfaserleitungen aus. "Blitzschnell kaufen sie an anderen Handelsplätzen Microsoft-Aktien und verkaufen sie mir dann zu einem höheren Preis", so Lewis.

USA Schriftsteller Michael Lewis

War früher Investmentbanker: US-Autor Michael Lewis

Der Preisunterschied mag zwar nur marginal sein, doch in der Summe gewaltig. Die Zwischenhändler greifen auf diese Weise Milliarden von Dollar ab, meint Lewis und hat damit eine schon lange schwelende Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern des Hochfrequenzhandels losgetreten. Das Prozedere klingt zweifelsfrei unfair. Aber die Befürworter des Hochfrequenzhandels argumentieren, die Technik und die Schnelligkeit sorge für mehr Angebote und mehr Nachfrage und mache die Märkte so für alle Investoren effizienter.

Das FBI ermittelt

Sowohl der New Yorker Generalstaatsanwalt sowie die Börsenaufsicht SEC wollen sich jetzt der Sache annehmen. Das FBI hat in dem Zusammenhang zugegeben, die Rechtmäßigkeit dieser Taktiken bereits seit einigen Monaten zu untersuchen. Der Börsengang eines Hochfrequenzhändlers namens Virtue wurde vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben. Und auch das US-Justizministerium hat sich Ende der vergangenen Woche eingeschaltet.

Auf dem Parkett der Wall Street wird die Konkurrenz der schnellen Systeme auch mit Skepsis betrachet, diese Panikmache gehe jedoch zu weit, meint Händler Jason Weisberg. "Die Debatte schürt die Unsicherheit der Menschen, das ist schlecht für uns." Michael Lewis wolle Bücher verkaufen, und wie mache man das am besten? "Mit starken Thesen, ob sie stimmen oder nicht", sagt Weisberg.

Zahnpasta zurück in die Tube?

Breitbandkabel bei DE-CIX in Frankfurt am Main

Schnelle Datenleitungen sind Voraussetzung für den Hochfrequenzhandel

Gewinner der Diskussion scheint die Firma IEX Group zu sein, eine bisher unbekanntere Plattform für elektronisches Handeln. "Die Nachteile treten auf, wenn man die Schnellen mit den Langsamen gemeinsam handeln lässt" , sagt ihr Chef Brad Katsuyama. Seine Handelsplattform entschleunigt den Handel daher, indem sie die ultraschnellen Hochfrequenzroboter ausschliesst. Es solle die Aufgabe eine Börse sein, die Preisbildung zwischen schnellen und langsamen Orders fair zu balanzieren.

Trotz einiger Pannen wie dem Flash-Crash im Mai 2010, als der Dow-Jones Index binnen Sekunden 1000 Punkte verlor, lässt sich die Automatisierung durch den elektronischen Fortschritt wohl kaum rückgängig machen. Schliesslich hat die Technik alle Bereiche des Alltags verändert. Umso wichtiger sei es, klare Grenzen zu ziehen. "Ich sage nicht, dass man die Zahnpasta wieder in die Tube zurückdrücken soll", sagt Händler Jason Weisberg. Wenn es einheitliche verständliche Regeln gäbe, keine Ausnahmen für irgendwen, würden sich viele in der Industrie besser fühlen.