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Bücher

Die Blüten des Bücherfrühlings

Die ganz großen Namen werden in diesem Frühling fehlen, um den deutschen Büchermarkt aus der Krise zu führen. Doch der literarische Nachwuchs lässt hoffen - und hat neue, alte Themen entdeckt.

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Es gibt viel Neues zu entdecken

Im Vergleich zu 2002, als es einen neuen Grass, einen neuen Handke und eine neue Christa Wolf gab, sieht das Verlagsprogramm 2003 unspektakulärer aus. Dieses Frühjahr steht eher unter dem Zeichen ehemaliger Debütanten: Jüngere Autorinnen und Autoren, die ihr zweites oder drittes Buch vorlegen - und bei denen wird man genau hinsehen, ob sie halten können, was sie mit ihren erfolgreichen Erstlingswerken versprochen haben.

Bewährungsprobe für das Fräuleinwunder

Mit Spannung wird beispielsweise das neue Buch von Judith Hermann erwartet. Hermann war mit ihrem Debut "Sommerhaus später" 1998 auch international außergewöhnlich erfolgreich. Damals fiel sie unter das so genannte Fräuleinwunder; Kritiker haben in diesen Erzählungen den "Sound einer neuen Generation" gehört.

Obwohl sie seitdem kein Buch mehr veröffentlicht hat, heimste Judith Hermann etliche Preise ein, darunter 2001 den renommierten Kleist-Preis. Nach einer Pause von fast fünf Jahren wird sie mit "Nichts als Gespenster" wieder einen Erzählband vorlegen. Das erscheint an sich schon ungewöhnlich: Erfahrungsgemäß folgt nach erfolgreichen Erzählungen meist ein Roman als zweites Buch. Immerhin wird ihr Buch aber umfangreich wie ein Roman daherkommen: Mehr als 300 Seiten sind angekündigt.

Gute und Böse mit der Ironiebrille

So auch bei André Kubiczek, der sich genau vor einem Jahr mit seinem Erinnerungsroman an die letzten Jahre der DDR - "Junge Talente" - machte. Er gehört zu den jüngeren Ost-Autoren, die die DDR mit der Ironiebrille beschreiben. In seinem im März erscheinenden zweiten Roman "Die Guten und die Bösen" geht es nochmal um die Wendejahre in Berlin - und verspricht wieder eine satirische Herangehensweise.

Bei der Themenauswahl fällt in diesem Jahr die Vielzahl von Familiengeschichten und -epen auf, die Zeitgeschichte am Beispiel verschiedener Generationen erzählen: Der Amerikaner Jonathan Franzen hat da mit den "Korrekturen" sicher Maßstäbe gesetzt. Speziell bei den deutschen Autoren fällt ein Thema auf, bei dem wahrscheinlich Günter Grass' "Im Krebsgang" Pate stand: Krieg und Vertreibung tauchen in etlichen Romanen auf - und zwar auch bei den jüngeren Autoren, die wahrscheinlich ihre Familiengeschichte daraufhin untersucht haben.

Heimatverlust

Am vielversprechendsten scheint der Roman von Reinhard Jirgl zu sein, ein Vertreter der mittleren Generation. Er hat eine Familiensaga geschrieben, die von der Vertreibung der Sudentendeutschen bis ins Berlin des Jahres 2002 reicht. Es ist die Geschichte einer Familie, die ihr Heimatverlust bis heute umtreibt. "Die Unvollendeten" wird im März bei Hanser erscheinen.

Um Flucht und Vertreibung aus Schlesien - ebenfalls am Beispiel einer Familie - geht es auch im Roman "Schlesisches Wetter" des in den 1960er-Jahren geborenen Olaf Müller. Und "Himmelskörper" heißt Tanja Dückers Roman, in dem die Protagonistin ein Familiengeheimnis aufdeckt, das mit dem Untergang des Flüchtlingsschiffes "Wilhelm Gustloff" zu tun hat.

Auffällig viele Krimis

Der Kriminalroman boomt schon seit Jahren - auch in der Krise des Büchermarktes. Es gibt kaum einen Verlag, der keine einschlägigen Serienhelden im Programm hat. Man setzt eben auch bei literarischen Verlagen längst auf das Sicher-Verkäufliche: Bei "Aufbau" ist ein weiterer Krimi der französischen Autorin Fred Vargas der Spitzentitel. Kindler macht mit einem deutschen Krimidebut auf, das hauptsächlich Zeitgeist verspricht: Eine deutsche Kommissarin ermittelt in der Toscana - Donna Leons Commisario Brunetti lässt grüßen.

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