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Wirtschaft

Die Bestechungs-Weltmeister

Indische und chinesische Unternehmen sind im internationalen Vergleich am korruptesten, gefolgt von Russland und der Türkei. Das ist das Ergebnis der bislang umfangreichsten Studie von Transparency International.

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Schmiergeldzahlungen und Bestechung durch Wirtschaftsunternehmen gehören nach Angaben von Transparency International nach wie vor zum Alltag im weltweiten Exportgeschäft. Das geht aus einer am Mittwoch (4.10.) zeitgleich in Brüssel und Berlin vorgestellten Untersuchung der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International hervor. Die BPI-Liste (Bribe Payers Index) bewertet die 30 führenden Exportländer nach der Neigung ihrer Firmen, im Ausland zu bestechen. Dafür wurden zwischen Februar und Mai 2006 über 11.000 Führungskräfte von Unternehmen in 125 Ländern befragt.

Chinesische Unternehmen schnitten am schlechtesten ab.

Chinesische Unternehmen schnitten am schlechtesten ab.

Am schlechtesten schneiden die aufstrebenden Staaten China, Russland, Indien und die Türkei ab. Den ersten Platz im Ranking holte die Schweiz, gefolgt von Schweden und Australien. Auffällig schlecht schnitten bei der Befragung von über 8000 Geschäftsleuten weltweit Firmen aus den EU-Staaten Italien und Frankreich ab, besonders wenn sie in afrikanischen Staaten an Bauvorhaben oder Infrastrukturmaßnahmen beteiligt sind.

Bestechung als Teil des Geschäfts

Immer noch gehöre Bestechung zum Alltag im Exportgeschäft, sagte die Vorsitzende von Transparency International Huguette Labelle: "Firmen, die ihren Sitz in führenden Exportnationen haben, neigen noch immer dazu, im Ausland Bestechungsgelder zu zahlen. Sagen wir es offen: Bestechung ist heutzutage zu oft Teil des Geschäfts."

Korruption auch bei VW Skoda

Korruption auch bei VW Skoda

Der französische Geschäftsmann Philippe Montigny, der sich ebenfalls bei Transparency International engagiert, fügte hinzu, dass sich oftmals Unternehmen gezwungen sähen, Schmiergelder zu zahlen, um überhaupt Aufträge zu bekommen: "Als Geschäftsmann müssen Sie wissen, ob Ihre Konkurrenten bereit sind, Schmiergelder zu zahlen. Sonst haben sie möglicherweise gegen indische oder chinesische Konkurrenten keine Chance, obwohl Sie ein gutes Produkt zu einem guten Preis anbieten."


Korruption verzerrt den Handel


Huguette Labelle forderte die Regierungen der Exportstaaten auf, schärfer gegen Korruption vorzugehen. Korruption mache die Produkte teurer und verzerre die lokalen Märkte, so die Vorsitzende. Nach ihren Schätzungen versickert allein ein Viertel der Wirtschaftsleistung Afrikas in dunklen Korruptions-Kanälen. Empfänger von Bestechungsgeldern sind sowohl Regierungsbeamte als auch Geschäftsleute: "Wir leben in einer Welt, in der es viel mehr Armut gibt als nötig. Das müsste nicht sein, gäbe es keine Korruption", sagt Labelle.

In vielen Ländern geben Schmiergeldzahlungen den Ausschlag

In vielen Ländern geben Schmiergeldzahlungen den Ausschlag

Deutschland liegt in der Studie auf dem siebten Platz - und damit im oberen Drittel. Der Vorsitzende von Transparency International Deutschland Hansjörg Elshorst nannte dies "bemerkenswert", weil die Deutschen als Exportweltmeister viele Aufträge eroberten und somit auch viele Gelegenheiten für Schmiergeldzahlungen hätten, erklärte er: "Die relative Zurückhaltung bei der Korruption ist ein Standortvorteil für Deutschland." Dies zeige ferner, dass man nicht Weltmeister im Schmieren sein müsse, um auf den immer stärker umkämpften Märkten mit zu halten. "Korruption hält Entwicklung auf", fügte er hinzu.


Entwicklungsländer haben das Nachsehen

Das bestätigte auch Eduardo Bohorquez, Direktor von Transparency International in Mexiko. Das aggressive Vorgehen chinesischer, indischer und westeuropäischer Firmen sei vor allem für Entwicklungsländer ein großes Problem, sagt er. Beispielsweise mexikanischen Firmen würden auf internationalen Märkten Aufträge verloren gehen, weil sie mit den hohen Bestechungssummen nicht mithalten könnten oder wollten.

Entwicklungsländer haben das Nachsehen: Kein Geld für Bestechungen

Entwicklungsländer haben das Nachsehen: Kein Geld für Bestechungen

Transparency International fordert, dass auch China, Indien und Russland die internationale Konvention gegen Korruption unterzeichnen und anwenden. Insgesamt müssten alle Staaten - auch die auf der oberen Skala der Rangliste - mehr Fälle juristisch verfolgen. Der Kampf gegen Korruption sollte auch ein Aufnahmekriterium für die Welthandelsorganisation WTO werden.

Aus den Daten von Transparency International ist allerdings nicht abzulesen, welche Firmen wieviel Schmiergeld an wen gezahlt haben. Nur die Herkunftsländer wurden erfasst. In Kürze soll der jährliche Bericht folgen, welche Länder die bevorzugten Empfänger von Bestechung waren.

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