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Politik

Die Berliner CDU ist umgepflügt

Große Krise: So etwas hat es in der Berliner Parlamentsgeschichte noch nicht gegeben. Die CDU im Abgeordnetenhaus hat ihren eigenen Fraktionsvorsitzenden abgewählt. Friedbert Pflüger muss gehen.

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Eigentlich sollte mit ihm alles besser werden, als er vor gut zwei Jahren nach Berlin kam. Friedbert Pflüger, der toughe Staatssekretär beim Verteidigungsministerium, sollte die Berliner CDU aus dem Stimmungstief holen und vor allem die Dominanz von Rot-Rot an der Spreemetropole brechen.

Als Herausforderer des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit von der SPD scheiterte er bei der Wahl dann zwar kräftig, doch das schien seinen Ehrgeiz erst richtig anzustacheln: Pflüger legte sein Amt und Bundestagsmandat nieder, zog von Hannover an die Spree, um in der Opposition die Berliner Politik so richtig aufzumischen.

Vor allem aber wollte er der Berliner CDU, von Bankenskandal und Provinzmief gebeutelt, einen liberalen, weltoffenen Kurs verpassen. Er argumentierte für eine ökosoziale Marktwirtschaft und plädierte für eine mögliche Koalition mit den Grünen.

Doch dabei wollten die alteingessenen CDU-Kreisvorsitzenden nicht so recht mitmachen - schon gar nicht Landesfürst Ingo Schmitt, nicht nur politisch ein Schwergewicht. Von Insidern der Berliner Union wird Schmitt als ein Mann beschrieben, der gegen jeden und alles ist, nur nicht gegen seinen eigenen Posten. Auch Pflüger prallte an ihm ab, seine Ideen, seine Präzens drohten im politischen Alltagsgeschäft zu verpuffen.

Der offene Machtkampf mit dem Landesvorsitzenden Schmitt sollte eigentlich ein Befreiungsschlag werden, doch der Schuss ging nach hinten los. Auch weil Pflüger den Angriff zum falschen Zeitpunkt startete. Denn der Landesverband wollte sich in diesen Wochen eigentlich in aller Ruhe auf die bevorstehende Bundestagswahl vorbereiten. Die Attacke nahm man ihm deshalb besonders übel.

Dann, am 12. September gegen halb 12, schrieben 26 Berliner CDU-Abgeordnete im Parlament ein weiteres Stück unrühmlicher Geschichte: Sie feuerten ihren eigenen Chef.

Nach Pflügers Abgang geht die Debatte um einen Neuanfang nun weiter. Denn auch Landesfürst Schmitt ist nach dem Provinz-Drama an der Spree politisch angeschlagen und wird seinen Posten wohl demnächst verlassen müssen.

Aus der Bundeszentrale der CDU heißt es jetzt, man wolle tüchtig aufräumen. Das wird auch höchste Zeit - Berlin hat einfach Besseres verdient, selbst auf den harten Oppositionsbänken.