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Politik

Die belastete Freundschaft

Das bilaterale Verhältnis zwischen Washington und Berlin ist auf dem Tiefpunkt. Das persönliche Verhältnis zwischen Präsident Bush und Bundeskanzler Schröder auch. DW-TV-Korrespondent Udo Bauer kommentiert.

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Ari Fleischer, von Amts wegen Sprecher des US-Präsidenten, behielt äußerlich einen kühlen Kopf. Inhaltlich gab er den Beleidigten. Man könne, nach all dem was im deutschen Wahlkampf gesagt wurde, nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Einen Glückwunsch aus Washington zur Wiederwahl des Kanzlers gab es nicht, Verteidigungsminister Rumsfeld wollte nicht unter vier Augen mit seinem deutschen Amtskollegen Struck reden und, und, und. Die US-Regierung ist schlichtweg sauer. Sauer, dass die Deutschen einen jahrzehntelangen transatlantischen Code verletzt hatten, nämlich den, dass man Differenzen hinter verschlossenen Türen austrägt. Der mutmaßliche Hitler-Bush-Vergleich war da eigentlich nur der letzte (leider wirkliche unappetitliche) Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte.

Wer ist eigentlich isoliert?

Und natürlich sind die Amerikaner sauer, dass die Deutschen so extrem ausscheren aus einer künftigen Koalition gegen Irak, sich isolieren. Nur, diese Koalition ist Wunschdenken der Bush-Krieger, sie gibt es nicht, noch nicht einmal im eigenen Land. Viele Amerikaner wachen allmählich auf und merken, worauf sie im Begriff sind sich einzulassen. Im Kongress geht es mittlerweile hoch her zwischen Demokraten und Republikanern in der Irakfrage, und Präsidentschaftskandidat Al Gore und Ex-Präsident Jimmy Carter scheinen momentan mehr auf deutscher als auf Bush-Linie zu liegen.

Wer soll das bezahlen?

Irgendwann wird auch die Frage gestellt werden, wer denn die Zeche für einen Krieg gegen Irak bezahlen wird. Den letzten Golfkrieg haben sich die Amerikaner zum allergrößten Teil von Saudi-Arabien, Kuwait, Deutschland und Japan finanzieren lassen. Davon fallen jetzt ganz sicher einige aus. Die Resolution des UN-Sicherheitsrates lässt noch auf sich warten, sie wird unter Umständen keine direkte Kriegsdrohung enthalten. Und die Kriegsermächtigung des US-Kongresses wird auch kein Blanko-Scheck werden, wie Bush sich das vorstellt. Also wird Deutschland am Ende vielleicht gar nicht so isoliert in der Welt stehen, wie die USA zur Zeit glauben.

Ungleiche Partner

In der deutsch-amerikanischen Freundschaft hat sich der kleine Partner einmal erdreistet, den großen darauf aufmerksam zu machen, dass er im Begriff ist einen Fehler zu begehen. Das muss möglich sein, unabhängig davon, wer tatsächlich Recht hat. In einer echten Freundschaft gibt es keine Vasallen. Es gibt keine Befehle und es gibt keinen bedingungslosen Gehorsam. Auch wenn es eine ungleiche Freundschaft ist, in der Große allein wegen seiner Natur her zum Anführer prädestiniert ist. Vielleicht erwächst aus dem Disput um Irak auch etwas Gutes. Es könnte ein reinigendes Gewitter gewesen sein, das den Staub einer alten Freundschaft abgewaschen hat und Gelegenheit gibt zum Neuanfang.