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Alltagsdeutsch – Podcast

Die Band „Unheilig“

Im Jahr 2000 wurde sie gegründet, die Band „Unheilig“. Seitdem feiert sie in Deutschland unter ihrem Sänger und Liedschreiber „Der Graf“ zahlreiche Erfolge. Er selbst musste sich erst an den plötzlichen Erfolg gewöhnen.

Musik:
Unheilig: „Lichter der Stadt“

Sprecher:
Zur Jahrtausendwende tauchte sie plötzlich auf: die Rockband „Unheilig“ aus Aachen und ihr Songschreiber und Sänger „Der Graf“. Nach außen hin gibt sich „Der Graf“ stets geheimnisvoll und ein bisschen unnahbar. Der Name ist ein Künstlername. Seinen wahren Namen gibt er offiziell nicht bekannt, genauso wenig wie sein genaues Alter. Allerdings soll sein Nachname „Graf“ lauten. Nicht klar ist auch, warum er die Band „Unheilig“ nannte. „Unheilig“ ist ein Begriff aus der Kirchensprache. Er bezeichnet eine Handlung, die nicht mit dem christlichen Glauben übereinstimmt, oder jemanden, der sich nicht christlich verhält. Zu der Band gehören noch der Schlagzeuger Martin Potthoff und der Gitarrist Christoph Termühlen. 2012 veröffentlichte die Band „Unheilig“ ihr achtes Album: „Lichter der Stadt“. Innerhalb weniger Tage wurden von diesem Album etwa 100.000 Kopien verkauft. Es ist sehr persönlich. „Der Graf“, der sein Privatleben sonst von der Öffentlichkeit weitgehend abschirmt, erzählt in den Songs von sich. Der Titel des Albums lässt vermuten, dass er seine Erfahrungen in einer bestimmten Stadt besingt. Das ist aber nicht so:

Der Graf:
„Die ‚Lichter der Stadt' ist keine spezielle Stadt, sondern das ist wirklich mein Leben der letzten Jahre. All die Eindrücke, all die ganzen Termine. Und mein Leben hat sich total geändert. Und ich kam mir damals eben vor, wie der kleine Junge vom Land, der plötzlich in einer Großstadt war. Und die Großstadt ist dieser ganze Rummel um mich herum gewesen, der da auf mich eingeprasselt ist.“

Sprecher:
Das Album ist, wie „Der Graf“ sagt, eigentlich eines, in dem er seine Erlebnisse der Jahre 2010 bis 2012 textlich verarbeitet. Obwohl er schon zehn Jahre Musik machte, kam der Erfolg für ihn dann letztendlich doch überraschend – und er veränderte sein Leben. Denn der Sänger war eher die Ruhe gewohnt, er fühlte sich wie der kleine Junge vom Land, der in eine Großstadt kommt. Der plötzliche Ruhm führte aber dazu, dass er auf einmal sehr viel zu tun hatte, sein Terminkalender war voll. Der ganze Trubel, der Rummel, prasselte auf ihn ein wie Hagelkörner auf eine Autoscheibe. Weil sich für ihn jedoch ein langgehegter Traum erfüllte, nahm „Der Graf“ möglichst alle angebotenen Termine wahr: große Konzerte, kleine Konzerte, Fernsehen, Radio, Autogrammstunden. Aber er absolvierte auch weniger öffentlichkeitswirksame Besuche zum Beispiel in Hospizen und Krankenhäusern. Diese blieben nicht ohne Wirkung.

Der Graf:
„Gerade diese Hospizbesuche, Krankenhausbesuche, die mich emotional extrem mitgenommen haben, weil das halt nicht so einfach ist: Da brauchte ich halt 'n Ventil. Und dann hab ich halt irgendwie gemerkt: ‚Boah, das ist alles so viel, ich muss da jetzt irgendwie mit klarkommen'. Und es war wie immer im Leben von mir, dass ich dann angefangen habe, Lieder darüber zu schreiben.“

Sprecher:
„Der Graf“ gilt als sehr feinfühliger, sensibler Mensch. Deshalb belasteten ihn die Besuche unter anderem in Krankenhäusern für sterbenskranke Menschen, in Hospizen, sehr. Sie nahmen ihn mit, wie es in der Umgangssprache heißt. Er stellte fest, dass er diese Eindrücke und Gefühle verarbeiten, mit ihnen klarkommen musste – und dass er etwas brauchte, um den inneren Druck loszuwerden. Dieses Ventil waren die Songs. Zu Beginn der Karriere von „Unheilig“ waren die Songs sehr düster. „Der Graf“ empfindet „Lichter der Stadt“ musikalisch als eine Weiterentwicklung.

Der Graf:
„Die Lieder sind nicht alle vollgeklatscht mit E-Gitarren, nur weil man denkt, man sollte cool sein. Ich hab' auch gelernt, dass ein Lied für sich alleine stehen muss. Eine Ballade ist eine Ballade, und eine harte Nummer ist eine harte Nummer. Aus dem Grunde sind die Gitarren einfach in den Liedern, die von vornherein härter sind, auch ziemlich weit nach vorne gegangen. Und das andere, was das alles immer abgeschwächt hat, um eben nicht so hart zu sein, ist rausgeflogen.“

Sprecher:
Nicht alle Lieder werden von elektrischen Gitarren, von E-Gitarren, dominiert. Sie sind damit nicht vollgeklatscht, wie „Der Graf“ sagt. „Vollgeklatscht“ wird in der Umgangssprache benutzt, wenn es von etwas zu viel gibt. Musik, bei der E-Gitarren im Vordergrund stehen, wirkt klanglich hart. „Der Graf“ entschied sich dafür, bei diesen harten Songs die E-Gitarren nach vorne zu holen, sie klanglich vorherrschen zu lassen. Ruhige, melancholische Musik von Balladen erfordert dagegen andere Instrumente wie zum Beispiel akustische Gitarren oder Geigen. Das Album stellt eine Mischung dar: Manche Lieder erinnern an die deutsche Hardrockband Rammstein, andere wiederum eher an U2 und „Coldplay“. Instrumente, die zu dem jeweiligen Song nicht passten, wurden nicht berücksichtigt. Sie flogen raus. Jeder der 16 Songs sollte einen eigenen Charakter haben, er sollte für sich alleine stehen. Dennoch werfen Kritiker dem „Graf“ vor, er habe sich dem allgemeinen Musikgeschmack immer mehr angepasst, um seinen Erfolg zu steigern. Und nicht nur musikalisch, sondern auch äußerlich. Früher provozierte er auch mit seinem Auftreten: Auf der Bühne erschien er mit einem langen schwarzen Mantel und weißen Kontaktlinsen, durchsichtigen Sehhilfen, die in die Augen gelegt werden und wie eine Brille funktionieren. Allerdings hatte das seinen Grund, wie „Der Graf“ erklärt:

Der Graf:
„Die Verkleidung ‚Der Graf' ist ja nichts anderes wie 'ne Art Schutz von mir gewesen. Ich hab' die Kontaktlinsen auch getragen, weil ich 'n sehr schüchterner Mensch bin und weil ich auch stotter[e]. Das war für mich früher 'n großes Problem. Ich bin in den letzten Jahren wesentlich mutiger geworden.“

Sprecher:
Für den Sänger bedeutete das Tragen eines langen Mantels und von weißen Kontaktlinsen, dass er seine eigene Persönlichkeit verbarg. Die Kontaktlinsen, die ihm wegen der Farbe ein unheimliches, beinahe vampirhaftes Aussehen verliehen, verhinderten, dass man seine richtigen Augen sehen konnte. Somit konnte er sich vor den Blicken der anderen schützen. „Der Graf“ ist eigentlich ein schüchterner Mensch, der in der Kindheit wegen eines Sprachfehlers von anderen Kindern gehänselt wurde. Doch er lernte damit und mit seinen Ängsten zu leben, sie sogar zu bezwingen. Und er will ein Vorbild für andere sein. „Lichter der Stadt“ soll nicht das letzte Album sein. Wie „Der Graf“ auf der Internetseite der Band ankündigt, will er sich „auf eine Reise zu neuen Gipfeln und Herausforderungen begeben.“ Die Fans werden gespannt auf das neue Album warten.

Musik:
Unheilig: „So wie du warst“




Fragen zum Text

Was stimmt? „Der Graf“ …

1. kannte das Gefühl, im Rampenlicht zu stehen.
2. musste mit seinem plötzlichen Ruhm klarkommen.
3. war den Trubel der Großstadt gewohnt.

Das Album „Lichter der Stadt“ …
1. ist eine Zusammenfassung aller Erfahrungen, die die Band seit ihrem Entstehen gemacht hat.
2. behandelt einen begrenzten Zeitraum.
3. erzählt vom Leben in der Großstadt Berlin.

Was stimmt nicht? „Der Graf“ …
1. singt nur in Hospizen und Krankenhäusern, um seine Songs authentisch schreiben zu können.
2. verarbeitet in den Albumsongs emotional belastende Eindrücke.
3. betrachtet „Lichter der Stadt“ musikalisch als eine Weiterentwicklung.

Arbeitsauftrag
Trage die folgenden zusammengesetzten Verben in der richtigen Form in die Sätze ein. Bilde danach eigene Sätze mit konjugierten Verben.

abschirmeneinprasselnoffenlassenklarkommen

1. Auf dem Podium hat der Redner seinen Vortrag beendet. Anschließend ­­­­­­­­­__________ die Fragen auf ihn __________.
2. Anja hat sich nach langjähriger Ehe von ihrem Mann getrennt. Er __________ mit der Situation nicht __________.
3. Bekannte Schauspieler haben meist Leibwächter. Diese __________ sie vor aufdringlichen Fans __________ .
4. Felix S. ist ein bekannter Romanautor. Er ist bekannt dafür, das Ende seiner Geschichten __________.

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