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Wirtschaft

Die Börsenkurse sind weiter auf Talfahrt

Weltweit fallen die Aktienkurse weiter. Doch der befürchtete Absturz an den europäischen Börsen bleibt bislang aus. Die G7-Staaten und die Europäische Zentralbank wollen der Talfahrt jetzt energisch entgegenwirken.

Dax-Kurve (Foto:dpa)

Die Herabstufung der US-Bonität drückt die Börsenkurse

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) kommen die Aktienmärkte rund um den Erdball nicht zur Ruhe. Und nachdem am Montag (08.08.2011) die asiatischen Börsen ihre Talfahrt fortgesetzt hatten, wurde der Handelsauftakt in Europa mit Spannung erwartet. Doch auch hier kennen die Aktienmärkte nur eine Richtung: In Frankfurt am Main verlor der Deutsche Aktienindex DAX bis zum Mittag rund 2,7 Prozent an Wert und steht unterhalb der Marke von bei 6100 Punkten.

Börsenhändler in Frankfurt am Main (Foto: dapd)

Sorgen bereitet auch die anhaltende Schuldenkrise in Europa

In der vergangenen Woche war der deutsche Leitindex DAX um knapp 13 Prozent eingebrochen. Weltweit stürzten die Börsenkurse aus Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrisen in den USA und Europa ab. Die Marktkapitalisierung aller im MSCI World Index notierten Unternehmen verringerte sich in einer Woche um 2,5 Billionen Dollar - das entspricht rechnerisch in etwa der Wirtschaftsleistung Frankreichs.

Am Freitag nach Börsenschluss stufte Standard & Poor's dann erstmals in der Geschichte des Landes die Kreditwürdigkeit der USA von der Bestnote "AAA" um eine Stufe auf "AA+" herab. Grund sind Zweifel an der Fähigkeit der Regierung in Washington, die massive Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Damit verstärkte die Agentur die Turbulenzen an den Finanzmärkten weltweit.

Asien-Börsen setzen Talfahrt fort

Börsenkurse in Peking, im Vordergrund ein Börsenhändler (Foto: dapd)

Auch in China verzeichnete die Börse Verluste

Dies quittierten vor allem die asiatischen Aktienmärkte zum Teil mit heftigen Kursverlusten. An der asiatischen Leitbörse in Tokio fiel der japanische Leitindex Nikkei am Montag um 2,2 Prozent auf 9.097,56 Punkte. Der Kospi-Index in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sank um 3,8 Prozent auf 1.869,45 Punkte. In Singapur verzeichnete die Börse mit einem Minus von 4,7 Prozent ebenfalls einen deutlichen Verlust.

Bergab ging es auch in China – dem weltweit größten Gläubiger der USA: Der Hongkonger Hang-Seng-Index gab um 2,17 Prozent oder 455 Punkte auf 20.490 Punkte nach. Am Freitag hatte der Leitindex in Hongkong schon rund vier Prozent verloren. "Es ist nicht der Weltuntergang, aber es fühlt sich so an", sagte der Hongkonger Analyst Francis Lun. Er gehe davon aus, dass der Hang-Seng-Index um weitere fünf Prozent auf unter 19.000 Punkte falle, bevor eine Stabilisierung der Kurse eintrete. In China sackte der Shanghai Composite Index um weitere 3,79 Prozent oder 99 Punkte auf 2526 ab. Der Shenzhen Component Index verlor 3,33 Prozent oder 389 Punkte auf 11.312, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Mit einem dicken Minus gingen auch die Börsen Neuseelands und Australiens zum Wochenauftakt aus dem Markt. In Sydney erreichte der ASX200-Index den tiefsten Stand seit zwei Jahren, Neuseeland rutschte auf ein Elf-Monats-Tief.

Neben der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA zogen nach Einschätzung von Händlern vor allem Sorgen über die Schuldenkrise in Europa die Kurse in den Keller. "Europa ist das große Problem", sagte der Chefökonom der Westpac-Bank im australischen Fernsehen. Er habe keinen Zweifel, dass China die USA als größter Gläubiger im Stich lasse. "Aber während in Europa Griechenland und Portugal noch beherrschbar waren, stehen Probleme in Spanien und Italien auf einem ganz anderen Blatt."

EZB und G7 wollen Märkte stabilisieren

Mit einem gemeinsamen Kurs versuchten die Finanzminister der sieben führenden Industrieländer (G7), einem weiteren Verfall der Kurse entgegenzuwirken. Die G7-Finanzminister bekannten sich in einer Telefonkonferenz in der Nacht zum Montag zu ihrer Verantwortung für stabile Aktienmärkte. Die G7 würden bei Bedarf "koordiniert eingreifen", um die Liquidität zu sichern und um das Funktionieren der Finanzmärkte zu unterstützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Für Zündstoff sorgt weiterhin die europäische Schuldenkrise. Die Europäische Zentralbank (EZB) signalisierte am Sonntag den Ankauf von spanischen und italienischen Staatsanleihen. Die EZB wolle ihr Anleihenkaufprogramm "aktiv umsetzten", teilte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit.

Geithner kritisiert S&P und bleibt im Amt

US-Finanzminister Geithner (Foto: dpa)

Finanzminister Geithner bleibt im Amt

Unterdessen warf US-Finanzminister Timothy Geithner der Ratingagentur S&P wegen der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit eine "schreckliche Fehleinschätzung" vor. S&P habe einen "verblüffenden Mangel an Kenntnissen in grundlegender US-Haushaltsmathematik" an den Tag gelegt und sei zu "genau dem falschen Schluss gekommen", sagte er dem US-Fernsehsender NBC. Trotz Rücktrittsforderungen aus den Reihen der Republikaner will Geithner weiter im Amt bleiben.

Daneben erklärte die Ratingagentur Moody's, dass sie eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA ebenfalls nicht ausschließe. Dieser Schritt sei möglich, wenn die USA nicht ausreichend sparten oder die Wirtschaft deutlich an Schwung verlöre, kündigte Moody's an und wiederholte damit eine frühere Warnung. Die Entscheidung, im Gegensatz zu S&P für die USA die Bestnote AAA beizubehalten, basiere auf der Annahme, dass bis 2013 weitere Schritte zur Senkung des Defizits folgten. Außerdem werde erwartet, dass sich die Wirtschaftserholung fortsetze.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, dapd, afp, rtr)

Redaktion: Martin Muno

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