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Wirtschaft

Die Börse nach der Wahl

Die Aktienbörsen haben mit kräftigen Kursgewinnen auf den Sieg von Amtsinhaber George W. Bush bei der US-Präsidentenwahl reagiert. Langfristige Anlageempfehlungen können allerdings nicht gegeben werden.

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New York Stock Exchange


"Das Börsenherz schlägt republikanisch, aber am wichtigsten sind klare Verhältnisse nach der Wahl", sagte Aktienstratege Klaus Stabel von der Wertpapierhandelsbank ICF Kursmakler in Frankfurt bereits, bevor das Endergebnis der Präsidentenwahl feststand. Die "klaren Verhältnisse" wurden geschaffen - und die New Yorker Börse reagierte prompt: Bei sehr massiven Umsätzen wurden am 3. November 2004 fast 1,8 Milliarden Aktien gehandelt. Es gab 2525 Gewinner und 797 Verlierer. 148 Werte waren unverändert.

Bushs Wahlsieg wird vor allem den Rüstungs-, Energie-, Pharma-, Auto- und Luxuswaren-Einzelhändlern zu Gute kommen. Luxuswaren- und andere gehobene Einzelhändler leben von den Reichen. Diese haben von den beispiellosen Bush-Steuergeschenken in Gesamthöhe von 1,7 Billionen Dollar am stärksten profitiert.

Welche Branchen profitieren von Bush?

Die stark gebeutelten Pharmaaktien wiesen am Tag der Wahlentscheidung die stärksten Kursgewinne auf. Denn der alte und neue Präsident Bush will sich nicht in den Medikamentenmarkt einmischen, während Kerry versuchen wollte, die stark steigenden US- Arzneimittelpreise zu drücken. Er hätte sich zudem für härtere staatliche Maßnahmen gegen eskalierenden US-Medikamentenpreise und für die Zulassung von billigen Arzneimittelprodukten aus Kanada eingesetzt. Als klar war, dass Kerry die Wahl verloren hatte, legten Pharmariesen wie Pfizer und Merck zu.

Das galt auch für Rüstungsaktien wie Lockheed Martin, Raytheon und Boeing. Bush setzt weiterhin auf einen Ausbau des Pentagon-Etats, und der Irak-Konflikt bedeutet weitere hohe Ausgaben Washingtons. Hätte Kerry die Wahl gewonnen, dann wäre mit weit weniger Rüstungsausgaben zu rechnen gewesen.

Der Energiesektor befindet sich dank der hohen Öl- und Erdgaspreise ebenfalls auf Höhenflug. Bush ist der Branche ohnehin wohlgesonnen. Prompt steigen die Kurse: Ölaktien wie ExxonMobil und ConocoPhilips, Ölfeldausrüster wie Halliburton sowie andere Energieaktien waren gesucht. Bush wird auf eine starke Ausweitung der amerikanischen Öl-, Erdgas- und Kohleproduktion dringen, um die Importabhängigkeit im Energiesektor zu reduzieren. Kerry hatte im Vorfeld der Wahl angekündigt, alternative Energiequellen zu fördern. Die Ölkonzerne und Autohersteller fürchteten verschärfte Vorschriften im Auto- und Energiesektor. Sie können sich jetzt entspannt zurücklehnen.

Langfristige Börsentrends von Wahl unbeeinflusst

Die Finanzwerte stiegen, weil Bush den jüngeren Amerikanern die Möglichkeit geben will, einen Teil ihrer Rentenversicherungsbeiträge privat in Aktien oder anderen Wertpapieren anzulegen. Dies könnte den Finanzdienstleistern riesige Geschäfte bringen. "Bush ist positiv für die Aktien und den Dollar und wegen der Fiskalpolitik schlecht für die Renten", fasste Marktstratege Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing die Reaktion der Märkte zusammen.

Der Wahlausgang hat insgesamt allerdings relativ wenig mit den mittel- und langfristigen Aussichten der Wall Street zu tun. Diese hängen viel stärker von der amerikanischen Wirtschafts-, Zins- und Unternehmensgewinnentwicklung sowie von Dollar- und Ölpreistrends ab. (arn)

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