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Wirtschaft

Die Auseinandersetzung um Opel wird härter

Im Streit um die Zukunft des Autobauers Opel liegen die Nerven blank. Statt guter Ideen hagelt es Vorwürfe an den Mutterkonzern General Motors. Doch in Detroit tut man sich mit einer Entscheidung schwer.

Opel-Blitz (Foto: AP)

Er soll bald wieder strahlen: der Opel-Blitz

Der Vorsitzende des Opel-Treuhandbeirates, Fred Irwin, warnte vor Belastungen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses. "Für eine gute Lösung brauchen wir keinen Streit zwischen Deutschland und Amerika, sondern mehr Flexibilität aller Beteiligten", sagte Irwin der "Bild"-Zeitung. Er warnte zudem davor, die US-Regierung unter Druck zu setzen, da die GM-Führung völlig unabhängig entscheiden werde. Irwin muss es wissen, schließlich ist er zugleich Chef der US-Handelskammer in Deutschland.

Doch langsam schwindet die Geduld der deutschen Beteiligten. So hatte der Aufsichtsrat des US-Mutterkonzerns GM am Wochenende erneut die Entscheidung über einen Verkauf von Opel verschoben. Es fehle noch an Informationen, um sich zwischen dem von der Bundesregierung und den Bundesländern mit Opelstandorten bevorzugte Konsortium um den kanadisch-österreichischen Magna-Konzern oder dem GM-Favoriten, dem belgischen Finanzinvestor RHJI, zu entscheiden.

Die Wut ist groß

Der Thüringer Landeswirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) wies diese Darstellung zurück. Das sei völliger Quatsch. Reinholz sprach von einer Ausrede, um Zeit bis nach der Bundestagswahl Ende September zu schinden. Offenbar rechne man in Detroit damit, dann die eigene Position leichter durchsetzen zu können.

Vier Menschen vor Opel-Gebäude (Foto: AP)

Wohin geht der Weg? Opel-Beschäftigte in Bochum.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen nannte das Verhalten von GM einen Affront. Die GM-Führung und der Verwaltungsrat führten die Bundesregierung vor. Jetzt müsse sich Bundeskanzlerin Angela Merkel des Themas annehmen. Der Bundesregierung warf er vor, Opel sei nie Chefsache gewesen. Und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg habe mit seinem Gerede von einer Insolvenz die Amerikaner geradezu zu ihrem taktischen Spielchen animiert.

Dudenhöffers Kollege Willi Diez bezweifelt dagegen, dass GM noch ein Interesse am Verkauf von Opel habe. Die Haltung, alles abzustoßen, gebe es bei GM nicht mehr, sagte er der "Berliner Zeitung". "Man denkt wieder langfristig – und da ist Opel und das europäische Geschäft ein wichtiger Faktor".

Machtkampf nicht zu Lasten der Opel-Beschäftigten

Die IG Metall warnte angesichts des andauernden Streits vor einem Verbleib von Opel im Mutterkonzern GM. Das sei nach der Insolvenz die zweitschlechteste Lösung und also gar keine Lösung, sagte IG Metall Bezirksleiter Armin Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt. Die Marke Opel sei in den langen Jahren der Zugehörigkeit zu GM massiv ramponiert worden und könne sich eine Fortsetzung der Domestizierungsversuche aus den Vereinigten Staaten nicht mehr erlauben. In der GM-Spitze tobe ein Machtkampf, der aber nicht auf dem Rücken der Opel-Beschäftigten ausgetragen werden dürfe.

Menschen mit roten Fahnen (Foto: AP)

IG Metall droht mit Konsequenzen

Ähnlich äußerte sich Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. GM habe erkannt, dass der Konzern ohne Opel nichts mehr wert sei. Gerade für die "grünen Technologien" werde Opel gebraucht. Allerdings fehle GM das Geld, um seine deutsche Tochter entsprechend aufzustellen. Franz drohte mit spektakulären Maßnamen der Belegschaften, solle es bis Ende der Woche keine Entscheidung geben.

Die Bundesregierung drängt derweil auf eine rasche Entscheidung von GM. Sie hoffe, dass man in dieser Woche vorankomme, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im deutschen Fernsehen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte in einem Telefonat mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton Rücksichtnahme auf deutsche Interessen. (gmf/mm/afp/ap/rtr)

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