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Musik

Die Argentinierin und der Pole

Subtiler und schwerer als Liszt – so empfand die junge Pianistin Martha Argerich 1967 die Werke des polnischen Komponisten. Zu Chopins Geburtstag gibt es jetzt eine ihrer ersten Aufnahmen auf CD.

Ein Bild der jungen Martha Argerich am Flügel als Cover der CD (Foto:dw)

CD Cover: Martha Argerich

Nicht nur das West-Berliner Publikum war angetan von der jungen argentinischen Pianistin, die bei ihrem Debüt die geteilten Stadt verblüffte und verzauberte. Auch die "Berliner Zeitung" schwärmte von der "Schönheit mit klugem Gesicht" und "Juliette-Gréco-Mähne", die sich auf der Bühne als "Tigerin der Tasten" zeige. Und der Musikkritikerpapst Joachim Kaiser befand damals, dass sie schon so viel konnte "wie auf der Welt höchstens noch ein knappes Dutzend" von Pianisten. Vor allem einem Komponisten war die junge Martha Argerich hoffnungslos verfallen: Frédéric Chopin.

Argentinisches Ausnahmetalent

Martha Argerich probt um 1970 in Berlin am Klavier (Foto: picture-alliance/dpa)

Martha Argerich um 1970 in Berlin

Die Karriere der Pianistin Martha Argerich, die 1941 in Buenos Aires geboren wurde, begann sehr früh; bereits mit acht Jahren debütierte sie in ihrer Heimat Argentinien. Ab Mitte der 50er Jahre eroberte der Teenager Europa und gewann reihenweise erste Preise bei europäischen Klavierwettbewerben, beispielsweise 1957 den italienischen Busoni-Wettbewerb. Acht Jahre später gelang ihr der internationale Durchbruch: 1965 gewann die 24jährige Martha Argerich in Warschau den renommierten Chopin-Wettbewerb mit einer derartigen Souveränität, wie sie vorher und auch lange danach von keinem anderen Kandidaten ausstrahlte.

Raritäten aus den Rundfunkarchiven

Den Plattenfirmen war schnell klar, dass diese Ausnahmepianistin so rasch wie möglich unter Vertrag genommen werden musste. Das Rennen um die Exklusivrechte entschied letztlich die "Deutsche Grammophon" für sich. Doch die jetzt veröffentlichten historischen Aufnahmen mit Martha Argerich stammen nicht aus dem Firmenarchiv, sondern aus denen des Westdeutschen Rundfunks und vor allem des ehemaligen RIAS Berlin. Dazu gehören unter Anderem eine Live-Aufnahme von Chopins dritter Sonate op. 58 sowie eine Produktion mit verschiedenen Mazurken und Nocturnes, die die Pianistin im März und Dezember 1967 einspielte.

Besondere Liebe zu Chopin

Grande Dame der Chopin-Interpretation: Martha Argerich (Foto: Beethovenfest)

Bis heute eine große Chopin-Interpretin: Martha Argerich

Von Anfang an bevorzugte die Pianistin das romantische Repertoire, in dem insbesondere das Werk von Frédéric Chopin einen zentralen Platz einnahm. So sagte sie 1967 in einem Interview über sein Werk: "Wenn man Chopin spielt, ist das auf jeden Fall virtuos. Alles, auch die kleinsten Préludien sind virtuos. Aber zum Beispiel finde ich Chopin nicht wahr, viel mehr subtil, ich finde alles pianistisch viel schwieriger bei Chopin als bei Liszt." Bis heute spielt Martha Argerich die Mazurken, Etüden, Polonaisen, Sonaten oder Balladen des polnischen Komponisten mit einer tief empfundenen Leidenschaft, Dramatik und Sinnlichkeit, die interpretatorisch immer noch ihres gleichen sucht. Für Chopin-Liebhaber und Argerich-Fans ist diese CD gleichermaßen ein Muss: und das nicht nur wegen der kraftvoll spannungsgeladenen und gefühlvollen Spielweise der Pianistin. Auf der Platte befindet sich auch die vermutlich früheste Einspielung der Argerich: die Ballade Nr. 1 g-moll op.23, die die 17jährige im Januar 1959 beim RIAS Berlin aufnahm.

Autor: Klaus Gehrke

Redaktion: Gudrun Stegen