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Kultur

Die Anmut der Wäschespinne

Auch Wäschespinnen oder Bohrmaschinen müssen heute nicht nur funktionieren, sondern auch gut aussehen. Mit dem "Red Dot Award" werden jedes Jahr Alltagsprodukte mit besonderem Design prämiert. Hier einige Gewinner.

Wäschespinne (Foto: red dot design)

Praktisch - aber schön?

"Sanft anmutend", "leichtgängig" – so beschreibt die Jury des Red Dot Awards im Bereich Produktdesign das Modell "Juwel Novaplus Evolution". Eine Wäschespinne. Diese öffnet sich auf leichten Druck von selbst und hält den stärksten Unwettern stand. Das Öffnen und Spannen der Leinen soll den Nutzer "emotionalisieren", so die Jury. Und die Farbe der Wäscheleinen "Limettengrün" soll junge Kunden anlocken, sagt der Designer der Wäschespinne, Michael Tinius von der Firma Busse Design.

Auf den ersten Blick verraten viele der ausgezeichneten Produkte nichts von ihrem Design-Wert. Für die Wäschespinne hat Designer Tinius ein paar Wochen gebraucht, mehr nicht. Ihm ging es dabei vor allem um Eines: Schnörkellosigkeit. "So ein Arbeitsgerät soll über die Form vor allem seinen Zweck erfüllen. Für mich als Designer ist es eine schöne Herausforderung", sagt Tinius.

Badezimmer (Foto: red dot design)

Das digitale Badezimmer speichert nicht nur die Lieblings-Wassertemperatur

Der rote Punkt für gutes Design

Seit 1955 gibt es den "Red Dot Award" jetzt schon, ausgelobt vom Designzentrum Nordrhein-Westfalen in Essen. Und mittlerweile kommen Designer aus der ganzen Welt ins Ruhrgebiet, wenn, wie Anfang dieser Woche, die Preise in der Kategorie "Produktdesign" verliehen werden.

Denn wie der Preis ist auch das Design von Alltagsgegenständen in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Das zeigt sich schon an den zahlreichen Einsendungen, sagt Jury-Mitglied Jan Soetebeer. "Früher haben sich die Leute schwer getan, etwas zu schicken. Aber die Qualität der Produkte steigt weltweit, so dass wir auch viele Einsendungen aus dem Ausland erhalten haben." Mehr als 4000 waren es in diesem Jahr, 830 wurden mit dem roten Punkt ausgezeichnet. 45 Produkte haben außerdem den "Best of the Best" Award gewonnen. Davon stammen 19 aus Deutschland.

Badezimmer, Abbruchhammer, Urne

Eins davon: Das digitale Badezimmer, das sich – wie so viele Gewinner – klar, glatt und schnörkellos gibt. Die Oberflächen plan, dazu dezente Knöpfe, mit denen man Wassertemperatur und -menge in einem Menü speichern kann. Aber nicht genug: Mittels Pausetaste lässt sich der Fluss des warmen Wassers nach Belieben anhalten und fortsetzen – zum Beispiel zum ungestörten Einshampoonieren.

Und auch ein grobes Gerät wie ein Presslufthammer hat dieses Jahr den Preis für filigranes Design ergattern können. Der Abbruchhammer TE 3000-AVR. Er sieht zwar zunächst genauso aus, wie man sich einen Presslufthammer vorstellt. Allerdings will der Designer-Hammer eben nicht brachial und laut sein, sondern "Respekt" und "Vertrauen" vermitteln. Durch den Einsatz eines Pneumatik-Schlagwerks anstelle von Druckluft werden Vibrationen abgedämpft. Und die ergonomische Gestaltung soll die Arbeit erleichtern.

Ventilator (Foto: red dot design)

Auch ausgezeichnet: Keine Lupe, sondern ein Ventilator der Firma Dyson

Kurios und makaber zugleich dagegen das "Spirittree Urne und Pflanzgefäß". Hierbei handelt es sich um eine biologisch abbaubare Urne, in die ein Keimling eingepflanzt und so zu einer lebenden Gedenkstätte werden kann.

Es geht nicht nur um Schönheit

Dass mancher Laie dennoch nicht sofort versteht, was am Design von Presslufthammer und Wäschespinne so besonders sein soll, liegt vielleicht auch an einer sprachlichen Unklarheit. Denn in Deutschland wird der Begriff "Design" anders verstanden als im Englischen, sagt Jan Soetebeer. "Das englische Wort 'Design' bezieht sich mehr auf den Aspekt der Gestaltung im Allgemeinen. Es geht um die Funktion eines Gegenstandes. Design muss praktikabel sein - und Spaß machen." Und Spaß macht das eine oder andere prämierte Design-Objekt tatsächlich auch schon beim Ansehen.

Autorin: Donata Ritter
Redaktion: Manfred Götzke