1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Afrika

Die Angst vor der Ebola-Dunkelziffer

Trotz aller Hilfsmaßnahmen fallen der Ebola-Epidemie in Westafrika immer mehr Menschen zu Opfer. In Sierra Leone greift die Regierung nun zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.

Fast zehn Monate dauert die Ebola-Epidemie in Westafrika nun. Die Seuche hat einen verheerenden Tribut gefordert. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stieg die Zahl der Toten in den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone auf 6583. Das sind fast 400 Todesfälle mehr als in der Vorwoche. Insgesamt erfasst die WHO 18.188 Infektionen in den drei Ländern.

In einem Krankenhaus im Osten Sierra Leones fanden WHO-Mitarbeiter zuletzt 87 hochansteckende Ebola-Tote, die dort ohne adäquate Sicherheitsvorkehrungen gelagert wurden. Der Fund nährte Befürchtungen, dass die Zahl der Ebola-Fälle in den betroffenen Ländern weit höher sein könnte, als offizielle Statistiken nahelegen. Laut WHO waren in dem Bezirk des Leichenfundes seit März nur 119 Ebola-Fälle gemeldet.

Sierra Leone untersagt öffentliche Weihnachtsfeiern

Nach Angaben der britischen Zeitung "Daily Telegraph" (Onlineausgabe) verzeichnete Sierra Leone in den vergangenen drei Wochen mehr als 1300 Neuinfektionen mit Ebola. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, hat die dortige Regierung öffentliche Weihnachts- und Silvesterfeiern untersagt. Soldaten sollen während der Feiertage dafür sorgen, dass Menschen nicht auf den Straßen feiern. Etwa ein Viertel der Bevölkerung Sierra Leones bekennen sich zum Christentum. Öffentliche Feiern während der Festtage sind normalerweise weit verbreitet.

Hilfe aus dem Westen

Aus den Niederlanden legte am Freitag ein weiteres Schiff mit Hilfsgütern für die betroffenen Gebiete in Westafrika ab. An Bord sind 1500 Tonnen Lebensmittel für das Welternährungsprogramm, medizinische Hilfsgüter und Schutzkleidung sowie mehr als 50 Fahrzeuge.

"Wir haben eine entscheidende Etappe im Kampf gegen die Epidemie erreicht", sagte Christos Stylianides, Ebola-Koordinator und EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenreaktion. "Doch es bedarf weiterer Anstrengungen: Wir brauchen mehr medizinische Helfer, besseren Zugang, intensivere Bemühungen zur Verbesserung der Gegenmaßnahmen vor Ort und zur Stärkung der Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern."

Einwohner von Sherbro Island in Sierra Leone schauen zu, wie ein britischer Helikopter Hilfsgüter auslädt (Foto: AP Photo/Michael Duff)

Ein britischer Helikopter lädt Hilfsgüter in Sierra Leone aus

Die in Normalzeiten bereits als katastrophal geltende Gesundheitsversorgung in den Ebola-Gebieten liegt nach Angaben der beigeordneten WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny vielerorts komplett brach. Zudem würden viele Menschen sterben, die auf medizinische Behandlung angewiesen seien, weil sie Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Arztpraxen aus Angst vor einer Infektion mit Ebola meiden. Die Epidemie hat nicht nur zu einem hohen Bedarf an medizinischer Soforthilfe geführt: In vielen betroffenen Regionen herrscht Lebensmittelknappheit. Die Versorgung mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen ist problematisch.

Die Europäische Union hat mittlerweile mehr als eine Milliarde Euro für den Kampf gegen die Epidemie mobilisiert. Deutschland hat zur Bekämpfung der Seuche mehr als 161 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In Liberia sind knapp drei Dutzend Freiwillige von Bundeswehr und Deutschem Roten Kreuz (DRK) im Einsatz. Sie helfen beispielsweise Krankenhäusern bei Ebola-Tests und bei der Ausbildung von einheimischen Helfern. "Das hat schon Menschenleben gerettet", sagte der deutsche Ebola-Beauftragten Walter Lindner, der in der Hauptstadt Monrovia den Einsatz koordiniert. Dort soll in den nächsten Tagen auch ein eigenes deutsches Behandlungszentrum eröffnet werden, das ursprünglich schon Ende November seinen Betrieb starten sollte.

sp/kle (dpa, reuters, kna)