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Wirtschaft

Die Angst vor dem Dominoeffekt

Die deutsche Stahlindustrie spürt die Auswirkungen der Schutzzölle in den USA. Die Branche befürchtet weitere Handelsbeschränkungen.

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Rollen aus Stahl bei Thyssen Krupp in Duisburg

Prognosen sind am sichersten, wenn sie kurz nach dem Ereignis erfolgen - ein Ausspruch von Winston Churchill, den sich in diesen Tagen auch Dieter Ameling, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, zu eigen macht. So wagte Ameling bei der Hannover Messe nur eine vorsichtige Prognose für das Stahljahr 2002: Der Umsatz bleibt etwa auf Niveau des Vorjahres, die Produktion geht aber um vier Prozent zurück.

Zölle bis zu 30 Prozent

Grund für die Stagnation sind die Handelsbeschränkungen der USA. Sie verhängten Strafzölle in Höhe von bis zu 30 Prozent auf insgesamt 19 Stahlprodukte. Dieter Ameling setzt seine Hoffnungen jetzt auf Gespräche mit dem amerikanischen Handelsbeauftragten, um bei bestimmten Produkten Ausnahmeregelungen bei den Zöllen zu erhalten: "Bis zum 20. Mai können diese Ausnahmen beantragt werden. Bis jetzt liegen rund 1.000 Anträge vor, aus der Bundesrepublik Deutschland 50."

Dazu gehört zum Beispiel Thyssen Krupp. Das deutsche Unternehmen hatte zuletzt in den USA einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro, 70 Prozent davon durch die Zusammenarbeit mit dem Autobauer Chrysler.

Modell findet Nachahmer

Ungemach droht auch in anderen Ländern: Für Deutschland und die Europäische Union könnte der Kampf um den Stahlexport bald an mehreren Fronten weitergehen. Denn die von den USA erhobenen Schutzzölle für Stahlimporte scheinen weltweit Nachahmer zu finden.

"Wir befürchten, dass noch eine Reihe von Staaten, wie zum Beispiel Kanada, Brasilien, Mexiko und Venezuela das schlechte amerikanische Vorbild schlicht kopieren", sagt Dieter Ameling. "Sie wollen anscheinend die Bush-Entscheidung zum Vorwand nehmen, um ebenfalls Stahlimporte so weit wie möglich durch hohe Zölle aus ihren Märkten verdrängen."

Die Europäische Union hatte vor drei Wochen mit einer Kontingentierung der Stahlimporte auf die US-Handelsbeschränkungen reagiert. Danach werden nur Stahlmengen mit Zöllen belegt, die spürbar über die bisher in die EU gelieferten hinaus gehen. Der Stahlstreit geht also in die nächste Runde.

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