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Wirtschaft

Die Angst vor dem Börsencrash

Mit Spannung blicken Anleger, Politiker und Finanzexperten auf die Entwicklung an den Börsen. Während an den großen Handelsplätzen in Asien die Kurse fielen, blieb der Dax vorerst stabil und verlor aber dann deutlich.

Händler an der Frankfurter Börse (Foto: dapd)

Sorgenvolle Mienen an der Frankfurter Börse

Das Top-Thema an den internationalen Finanzmärkten ist an diesem Montag (08.08.2011) die Herabstufung der Vereinigten Staaten durch die Rating-Agentur Standard & Poor´s. Die Finanzexperten hatten den USA am Freitag nach Börsenschluss die Bestnote als zuverlässiger Schuldner entzogen - erstmals in der Geschichte. Nach der rasanten Talfahrt der Börsen besteht nun die Sorge, dass der Kursrutsch weitergeht. Zum Börsenstart in Deutschland war die Sorge zunächst unbegründet. Der deutsche Leitindex Dax startete zu Handelsbeginn in Frankfurt am Main nahezu unverändert. Doch am späten Vormittag gab es dann doch den eigentlisch schon erwarteten Kursabsturz mit einem Minus von rund 2,6 Prozent. Ähnlich hoch waren auch zuvor die Verluste an den asiatischen und australischen Börsen: Sowohl in Japan als auch in Hongkong, China, Südkorea, Australien und Neuseeland gab es Abschläge zum Wochenbeginn.

Allerdings blieben Panikverkäufe aus, wie Händler betonten. Die Börse in Tokio verzeichnete zum Börsenschluss ein Minus von zwei Prozent. An den Handelsplätzen in Hongkong, Shanghai, Seoul, Sydney und Wellington lagen die Verluste aber noch etwas höher, teilweise sanken die Indizes um vier Prozent. Wie erwartet verwiesen die Händler bei der Frage nach dem Grund für die Kursverluste auf die anhaltenden Sorgen über die Schuldenkrise in Europa und die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA.

Erwartete Überraschung

Dabei kam diese Herabstufung der US-Finanzen an sich nicht völlig unerwartet - nur mit dem Zeitpunkt hatten die Marktteilnehmer nicht gerechnet. Die Rating-Agentur hatte den Schritt nämlich im Zusammenhang mit dem Schuldenstreit in den USA und der drohenden Zahlungsunfähigkeit des Landes bereits in Aussicht gestellt. Dass die Bonität nun doch herabgestuft wurde, aber erst Tage nach dem jüngsten Schuldenabkommen, dürfte für weitere Unruhe an den Märkten sorgen.

Kurstafel an der Börse von Seoul in Südkorea (Foto: dapd)

Weiter abwärts? An der Börse von Seoul dominierten am Freitag bereits die Minus-Zeichen

Zumal die Entscheidung in ein ungünstiges Umfeld fällt: Sie kam nach einer Woche mit den schwersten Verlusten an den Weltbörsen seit dem Herbst 2008, als die Finanzmärkte infolge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kollabiert waren. Daran waren die Staatsfinanzen der Vereinigten Staaten aber nur begrenzt schuld. Viel schwerer dürfte die Sorge um eine Ausweitung der Schuldenkrise in Europa und die möglichen Folgen gewogen haben.

"Schwarze Woche" an den Börsen

An den wichtigsten internationalen Finanzplätzen purzelten die Kurse in der vergangenen Woche jedenfalls reihenweise. Die USA kamen dabei noch halbwegs glimpflich davon: Am Freitag schloss das wichtigste Börsenbarometer, der Dow-Jones-Index, nach positiven Arbeitsmarktdaten sogar mit einem kleinen Plus von einem halben Prozent. Die Woche beendete der Dow mit einem Minus von "nur" sechs Prozent.

Dramatischer war die Lage an den europäischen Börsen - etwa in Deutschland. Das wichtigste Börsenbarometer in Frankfurt am Main, der Deutsche Aktienindex DAX, schloss am Freitag um 2,8 Prozent niedriger bei 6236 Punkten. Kein schöner Tag, aber zu verkraften - wäre es nicht nach acht Verlusttagen in Folge die längste Durststrecke in der Geschichte des Index gewesen. Auf Wochensicht lag das Minus denn auch bei gut 1000 Punkten oder 13 Prozent.

Rauf oder runter?

Händler an der Frankfurter Börse (Foto: dapd)

Wie geht es weiter? Rätselraten bei den Aktien-Händlern

Trotzdem bleibt die spannende Frage, wie es in dieser Woche weitergeht. Die Experten sind in diesem Punkt geteilter Meinung: Während einige davon ausgehen, dass es an den Kursen auch in den nächsten Tagen weiterhin turbulent bleibt und häufig Minus-Zeichen zu sehen sein werden, halten andere die Kursverluste der vergangenen Tage bereits für übertrieben.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, etwa sieht als Hauptgrund für die Kursstürze einen Verlust an Zuversicht. "Die Eurokrise und die amerikanische Staatsschuldenkrise haben Unternehmen und Verbraucher nervös gemacht", meint der Ökonom. Zudem gebe es bei deutlichen Kurseinbrüchen immer die Gefahr von "negativen Rückkopplungseffekten". Heißt im Klartext: Die schlechte Stimmung an den Börsen dämpft die Konjunkturentwicklung - und das führt dann zu weiteren Kursrückgängen.

Weitere Kursstürze

Einen ersten Vorgeschmack auf die mögliche Reaktion der Finanzmärkte auf die Herabstufung der USA gaben am Wochenende die arabischen Börsen: Sie waren am Sonntag auf breiter Front abgestürzt. Mit einer Ausnahme: Der saudi-arabische Aktienmarkt, der als einziger auch am Samstag öffnet, legte am Sonntag - nach einem Einbruch am Vortag - bereits wieder zu. Vielleicht ein Hoffnungsschimmer, dass sich die Lage auch an den anderen Finanzplätzen bald wieder stabilisieren könnte.

Autor: Frank Wörner (rtr, dpa, dapd, afp)
Redaktion: Rainer Esser / Marion Linnenbrink

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