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Amerika

Die Angst lebt mit: Illegale Einwanderer in den USA

Rund 12 Millionen illegale Einwanderer leben in den USA. Sie fristen ihr Dasein im Schatten der Gesellschaft. Präsident Obama will das Einwanderungsgesetz reformieren und damit sein Wahlversprechen einlösen.

Hector Morales wartet vor einem roten Backsteingebäude in Alexandria, der Einwanderungsbehörde des Bundesstaates Virginia. Für seinen Antrag auf ein US-Aufenthaltsrecht muss Hector seine Fingerabdrücke scannen lassen. Der Mexikaner, der seinen richtigen Namen nicht nennen möchte, ist einer von geschätzt 12 Millionen illegalen Immigranten in den USA. Er ist ein "DREAMer"- ein Träumer. "Dream" bedeutet im Englischen nicht nur Traum, sondern ist auch die Abkürzung für einen Gesetzentwurf. Jugendliche, die illegal ins Land gekommen sind, erhalten dadurch die Chance auf eine Aufenthaltsgenehmigung.

Ein Job, ein Studium oder ein Bankkonto, bisher alles unerreichbare Dinge für den Zwanzigjährigen. "Es gibt nicht viel, was du tun kannst, wenn du illegal hier lebst", sagt er, "ich habe immer das Gefühl, ich stecke einfach fest". Nur wenige seiner Freunde wissen, dass er keine Papiere hat. Am schlimmsten sei die Zeit in der High School gewesen, als alle ihren Führerschein gemacht haben. "Ständig wurde ich gefragt: Und wann bist du dran, wann hast du deine Prüfung?", erzählt er, "dann musste ich mir Lügen ausdenken, damit ich nicht auffalle." Auto fährt Hector trotzdem - ohne Führerschein - und hofft darauf, dass die Polizei ihn nicht anhält.

Keine Angst mehr vor Abschiebung

Hector Morales (Name von der Redaktion geändert) ist im Alter von neun Jahren mit seinen Eltern und seinem Bruder illegal von Mexiko in die USA eingewandert. Copyright: Verena Klein

Hector Morales ist im Alter von neun Jahren mit seiner Familie illegal von Mexiko in die USA eingewandert.

"Man kann sich einreden, ein normales Leben zu führen, aber die Angst abgeschoben zu werden, ist einfach immer da", sagt Hector. Mitte des Jahres hatte Präsident Barack Obama eine auf zwei Jahre begrenzte Verfügung erlassen. Gleich im August hat Hector seinen Antrag abgegeben. "Junge Menschen sollten nicht länger mit der ständigen Angst vor Abschiebung leben", teilte der Präsident mit, sie könnten nichts dafür, wenn ihre Eltern sie als Kinder illegal ins Land gebracht hätten. Hector Morales ist eines von ihnen und er erfüllt alle Kriterien, die ihn vor einer Abschiebung bewahren: Seine Eltern brachten ihn als Kind hierher, er lebt seit mehr als fünf Jahren in den USA, er hat sich nicht strafbar gemacht und kann einen Schulabschluss nachweisen. Den braucht Hector, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Bisher arbeitet er illegal. Täglich 11 Stunden lang in einem China-Imbiss.

Die Neuregelung entspricht Teilen des Gesetzentwurfes, dem "DREAM Act", den Obama wegen des Widerstandes der Republikaner bisher nicht im Kongress durchsetzen konnte. Allerdings denken mittlerweile einige Republikaner wegen der Niederlage in der Präsidentschaftswahl darüber nach, ihre Blockadehaltung aufzugeben. Der Präsident selbst hatte zugegeben, es sei der größte Fehler seiner ersten Amtszeit gewesen, dass er sich nicht stärker für die Reform des Einwanderungsgesetzes eingesetzt hat. Das will Obama jetzt so schnell wie möglich ändern. Gleich nach seiner erneuten Vereidigung im Januar wolle der Präsident einen neuen Gesetzesentwurf im Kongress anstoßen. "Erste Gespräche dazu laufen auch schon", unterstrich er die Dringlichkeit der Sache.

Latinos als einflussreiche Minderheit

Die meisten der rund 12 Millionen illegalen Einwanderer sind Latinos, so wie Hector Morales. Sie kommen aus Mexiko, Latein- oder Mittelamerika. Gleichzeitig stellen die Latinos, die legal eingewandert sind, mit rund 50 Millionen Einwohnern die größte und wichtigste Minderheit in den USA. Zwei Drittel der wahlberechtigten Latinos verhalfen mit ihrer Stimme Obama zu einer zweiten Amtszeit. Und das, obwohl unter seiner Regierung die Zahl der Abschiebungen einen neuen Rekord erreicht hat. Laut dem Ministerium für Heimatschutz wurden in dreieinhalb Jahren 1,4 Millionen Menschen aus dem Land gewiesen. Doch die harte Linie seines republikanischen Herausforderers Mitt Romney klang für Einwanderer noch weniger verlockend. Er forderte von ihnen während des Vorwahlkampfes, "sich selbst abzuschieben".

US-Einwanderungsbehörde im Bundesstaat Virginia. Copyright: Verena Klein

US-Einwanderungsbehörde in Virginia. Wer ein Aufenthaltsrecht will, muss hier seine Bewerbung abgeben.

Der Termin bei der Einwanderungsbehörde hat nicht lang gedauert, Hector Morales hofft jetzt darauf, dass sein Antrag spätestens im März durch ist. Dann könnte er Medizin studieren, das ist sein größter Traum; sich legal um einen Job bewerben und endlich den Führerschein machen.

Präsident Obama hat bereits angekündigt, dass die Reform des Einwanderungsgesetzes vor allem vier Dinge beinhalten wird: Die Grenzen der USA müssten weiter gesichert werden. Arbeitgebern, die illegale Einwanderer einstellen, drohen hohe Strafen. Außerdem sollen Menschen ohne Papiere die Möglichkeit auf einen legalen Status bekommen und die Gesetzesreform soll den "DREAM Act" beinhalten: Die Chance für junge Menschen auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. "Ich habe mich in 11 Jahren sehr an dieses Land gewöhnt", erklärt Hector Morales, "hier hätte ich so viel mehr Möglichkeiten und ich fühle mich als Teil dieser Gesellschaft." Sein größter Wunsch: "Ich will endlich auch offiziell ein Teil von ihr werden".

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