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Sport

Die Angst des Gastgebers vor der Blamage

Ein Jahr nach der WM ist ein Jahr vor der EM. Am 7. Juni 2008 wird angepfiffen. Bei einigen weicht erst der WM-Kater, andere dürfen sich fast schon auf die neue Party freuen - nur einer der Gastgeber nicht.

Rückkehr unter Tränen: Beckham darf wieder mitspielen

Rückkehr unter Tränen: Beckham darf wieder mitspielen

Josef Hickersberger und seine Helden

Josef Hickersberger und seine Helden

Es ist Tradition: Gastgeber müssen sich für die großen Turniere nicht qualifizieren. Für manche ist das Segen, für manche Fluch: Bei zwei Jahren, in denen nur Freundschaftsspiele absolviert werden können, wissen viele Mannschaften irgendwann nicht mehr, auf welchem Leistungsstand sie spielen. Die Österreicher, eine der beiden Gastgeber der EM 2008, wissen ganz genau wo sie stehen: Ganz unten. In diesem Jahr hat das Team von Trainer Josef Hickersberger noch kein Spiel gewonnen. 0:0 gegen Paraguay, 0:1 gegen Schottland - die Hoffnung, auch ein sportlich vorzeigbarer Gastgeber zu sein, schwindet mit jedem neuen Spiel. "Wir sind der größte Außenseiter, den es gibt", sagt der Trainer.

Besonders schmerzt diese Erkenntnis, weil der Co-Gastgeber vergleichsweise glänzend dasteht. Von der Nachwuchsarbeit der Schweizer schwärmt Europa nun schon seit einigen Jahren, Schweizer Nationalspieler sind in Topmannschaften der großen Ligen Europas unter Vertrag. Die WM-Teilnahme 2006, der Einzug ins Achtelfinale, alles kein Zufall. Nach zuletzt drei Niederlagen knirschte es in der "Nati": Trainer Köbi Kuhn kündigte an, künftig auf die Dienste von Kapitän Johann Vogel zu verzichten. Die Trauer hält sich in Grenzen: Der häufig querpassende Kapitän war bei Fans und Medien ohnehin umstritten. Und ohne ihn holten die Schweizer in Basel ein beachtliches 1:1 gegen Argentinien.

Erwachen vom Kater

Bei denen, die sich qualifizieren müssen, beginnt nun die Phase der Vorentscheidungen. Die beiden WM-Finalisten scheinen sich anscheinend gerade noch rechtzeitig von ihrem Kater zu erholen: Italien und Frankreich haben sich erstmals an die Spitze ihrer Qualifikationsgruppe B gesetzt. Les Bleus brauchten viel Geduld, um sich mit 2:0 gegen die ukrainischen Beton-Fußballer durchzusetzen. Aber viel wichtiger noch: Die Franzosen haben anscheinend die Bürde der Zidane-Nachfolge weise verteilt. Der 19-Jährige Samir Nasri ist wie der große Meister algerischer Abstammung. Zidane selbst hat ihn kürzlich zu seinem legitimen Nachfolger ausgerufen und Nasri teilt sich die Spielmacherrolle inzwischen mit Frank Ribery. Das nimmt Druck vom vorherigen Alleinunterhalter - und Frankreich ist deutlich schwerer auszurechnen.

Er wieder: Filippo Inzaghi

Er wieder: Filippo Inzaghi

Die Azzuri bestätigen weiter, dass in Italien immer dann am besten gespielt wird, wenn es dem Fußball am schlechtesten geht. Korruption ohne Ende, Zuschauerrückgang und Hooliganismus beherrschen das Geschehen - doch das Land ist Weltmeister, hat den Champions-League-Titel geholt und nutzt auch die beste Gelegenheit zur Blamage nicht. Zwei Inzaghi-Tore reichten auf den stürmischen Faröer zu einem weiteren Schritt zur EM-Qualifikation.

In Gruppe C schwächeln Griechenland und die Türkei abwechselnd. Bisher reicht es aber noch für die vorderen Plätze. Die Türken dürfen also nach mageren Jahren mal wieder hoffen. Otto Rehagels Griechen sind ja immerhin - man hat es fast vergessen - amtierende Europameister. Und bei Qualifikation der unwahrscheinlichste Titelverteidiger aller Zeiten.

Blamierte Löwen

Noch gar nie Europameister war England - und nach durchwachsener WM blamieren sich die Three Lions bei der EM-Qualifikation bei jeder Gelegenheit. Der ungeliebte neue Trainer Steve McLaren suspendierte zunächst Kapitän David Beckham.

Nach schlimmsten Rumpel-Kicks steht die mit Stars gespickte Mannschaft nur auf Rang vier in ihrer Gruppe. Hinter Russland, drei Punkte hinter einem Qualifikations-Platz in Gruppe E und Lichtjahre hinter den eigenen Ansprüchen. Beckham wurde zurückgeholt und von den Fans beim freundschaftlichen 1:1 gegen Brasilien groß gefeiert.

Beispiel Deutschland?

Nach dem 1:4 ging's voran

Nach dem 1:4 ging's voran

Und die Deutschen? Das befürchtete WM-Loch kam - aber nur individuell. 16 der 23 WM-Teilnehmer hatten oder haben in dieser Saison mit mehr oder minder schweren Verletzungen zu kämpfen. Davon völlig unbeeindruckt spielt die Mannschaft von Jogi Löw aber eine fast fehlerfreie Qualifikation, weiß mit Leistung und Einstellung zu überzeugen und kann sich Hoffnungen machen, sich als drittes Team zu qualifizieren - nach den Schweizern und den bemitleidenswerten Österreichern. Vielleicht hilft denen aber doch mal der Blick auf den großen Bruder: Schließlich gab es auch in Deutschland noch wenige Monate vor der WM die ganz große Fußballdepression, als Klinsmanns Mannschaft 1:4 in Italien unterging. Vielleicht, ganz vielleicht gibt es doch auch noch ein österreichisches Sommermärchen.

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