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Aktuell Europa

Die Angst an Bord der "Norman Atlantic"

Für die rund 250 Menschen, die noch auf der Adria-Fähre "Norman Atlantic" ausharren müssen, dürften diese Stunden schrecklich sein. Auch wenn die Reederei erklärt, die Lage auf dem brennenden Schiff sei unter Kontrolle.

Seit Stunden warten die Passagiere der Fähre auf Hilfe, die sich in der schweren See kompliziert gestaltet. Die "Norman Atlantic" mit zunächst 478 Menschen an Bord hatte am Sonntagmorgen vor der griechischen Insel Korfu Feuer gefangen. Ein Mann aus Griechenland starb beim Sprung über Bord, mehrere Menschen wurden verletzt. Inzwischen konnten rund 220 Menschen gerettet werden, darunter eine schwangere Frau und Kinder. Ein Containerschiff mit den ersten 49 Geretteten lief am Morgen im Hafen von Bari ein. Am Ort des Unglücks erschwerten stürmischer Wind, Wellen und Qualm die Rettung. Unter den Passagieren waren auch 18 Deutsche.

Das Schiff, auf dem jüngst erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt worden sein sollen, war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien. Zuletzt trieb es vor der albanischen Küste.

Brand entstand wohl im Autodeck

Vermutlich entzündete sich das Feuer im Autodeck. Der Brand breitete sich schnell über das Schiff aus, Passagiere schilderten im griechischen Rundfunk die Hitze und die Verzweiflung an Bord. "Der Boden brannte, als wir zum Rettungsboot gingen", sagte eine Frau. "Wir stehen draußen an Deck, sind durchfroren und ersticken im Qualm", so ein anderer Passagier. "Das Schiff brennt, die Decks glühen, einige zittern vor Kälte, andere husten vom Rauch", fügte er hinzu.

Das Schiff - gechartert von einer italienischen Reederei - befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 44 Seemeilen nordwestlich von Korfu. Mehrere Schiffe, die in der Umgebung unterwegs waren, eilten zur Hilfe. Erste Passagiere wurden mit Hubschraubern gerettet. Mehrere Handelsschiffe bildeten einen Windschutz um die "Norman Atlanic", um ein weiteres Ausbreiten der Flammen an Bord zu verhindern.

Nunmehr "nur noch Rauch"

Die Chartergesellschaft Anek teilte inzwischen mit, dass die Lage an Bord unter Kontrolle gebracht worden sei. Nunmehr gebe es "nur noch Rauch", sagte ein Anek-Sprecher der griechischen Nachrichtenagentur ANA. Die noch an Bord befindlichen Menschen sollten mit Strickleitern in Sicherheit gebracht werden, kündigte der Sprecher an. Er räumte aber auch ein, dass es noch nicht gelungen sei, das Schiff zu stabilieren. Vielmehr sei eine Vertäuung an einem Schlepper wieder zerrissen.

Brand auf Fähre in der Adria Norman Atlantic 28.12.2014 Foto: Reuters

Blick auf das Deck des verunglückten Schiffes

Nach Agenturberichten gab es zwischenzeitlich Meinungsverschiedenheiten darüber, wohin die Fähre geschleppt werden sollte. Die italienischen Behörden, bei denen die Federführung für die Rettungsarbeiten liegt, haben Wert darauf gelegt, das manövrierunfähige Schiff nach Brindisi zu schleppen. Die Chartergesellschaft verwies darauf, dass sich das Schiff näher an der albanischen Grenze befinde.

Brandschutztür defekt?

Der Schiffseigner, die Visentini-Gruppe, reagierte auf Berichte über Mängel an dem Schiff. Die "Norman Atlantic" sei erst am 19. Dezember einer Inspektion unterzogen worden. "Die Tests ergaben, dass das Schiff voll funktionstüchtig war", sagte der Chef des Unternehmens, Carlo Visentini, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Bei der Inspektion sei eine "leichte Fehlfunktion" an einer Brandschutztür aufgefallen. Diese sei unmittelbar behoben worden, "zur Zufriedenheit der Inspektoren". Deshalb habe das Schiff in vollem Umfang seine Einsätze absolvieren können, fügte Visentini hinzu. Er sagte, es habe sich um die Brandschutztür 112 gehandelt. Genau dort habe sich allerdings nach den ihm vorliegenden Informationen der Brand entwickelt. Warum das Feuer ausbrauch, ist eine der vielen ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit der Fahrt der "Norman Atlantic".

ml/qu (dpa,rtr,afp)