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Politik

Die Angehörigen stellen Fragen

Für das Ende des Moskauer Geiseldramas hat Russland einen hohen Preis gezahlt: Fast 170 Menschen wurden bei der Stürmung des Musical-Theaters getötet.

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Überlebende des Geiseldramas werden aus dem Krankenhaus entlassen

Nach Behörden-Angaben kamen bei der Befreiung durch russische Spezialeinheiten 117 Geiseln und 50 der tschetschenischen Kidnapper ums Leben. Rund 750 Geiseln wurden befreit, darunter zwei Deutsche. Bis auf eine sind alle Geiseln an dem bei der Befreiung eingesetzten Gas
gestorben. Das teilten die Moskauer Gesundheitsbehörden am Sonntag (27.10.2002) mit.

Experten und die russische Öffentlichkeit rätselten über die Art des eingesetzten Gases sowie über dessen genaue Auswirkungen. "Der russische Krisenstab muss mit offenen Karten spielen", forderte ein Kommentator des Rundfunksenders "Echo Moskwy". Behörden, Polizei und Regierung in Moskau lehnten es jedoch ab, Details über den verwendeten Stoff bekannt zu geben. Dies nährte Spekulationen, dass ein Nervengas oder ein bislang unbekannter Kampfstoff eingesetzt worden sein könnte.

"Verzeiht uns"

Putin zu Besuch bei Terroropfer

Russlands Präsident Vladimir Putin besuchte am Samstag (26.10.2002) befreite Geiseln

Präsident Wladimir Putin erklärte den Montag zu einem landesweiten Tag der Trauer im Gedenken an die Opfer der Geiselnahme durch tschetschenische Terroristen. Er bat die Verwandten und Angehörigen der getöteten Geiseln um Verzeihung. "Wir konnten nicht alle retten, verzeiht uns", sagte der Staatschef Samstagabend (26.10.2002) in einer Fernsehansprache.

"Das fast Unmögliche ist gelungen - das Leben hunderter Menschen zu retten", sagte Putin. Dies habe gezeigt, dass man Russland nicht in die Knie zwingen könne. Putin bedankte sich für das Mitgefühl und die Unterstützung aus aller Welt. Er erinnerte daran, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nicht beendet sei. "Aber er muss besiegt werden und er wird besiegt werden."

Kritik aus Frankreich

International wurde die Befreiungsaktion mit Erleichterung aufgenommen. Allerdings wurden hinsichtlich des Krieges in Tschetschenien auch skeptische Töne laut. Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin sagte, Krisen wie in Tschetschenien erforderten "dringend die Suche nach einer politischen Lösung".

Geiseldrama in Moskau Theater

Der Ort des Geisel-Dramas: Das Musical-Theater an der Dubrowka

Nach fast drei Tagen des Bangens hatten russische Spezialeinheiten am Samstagmorgen das Musical-Theater an der Dubrowka gestürmt und die Mehrzahl der Geiseln lebend aus der Gewalt der Terroristen befreit. Bis auf drei Männer wurden alle 50 Terroristen bei der Erstürmung getötet.

Ungewissheit

Zahlreiche Angehörige von befreiten Geiseln beklagten am Sonntag, sie hätten noch immer keine Informationen über den Verbleib ihrer Verwandten. Vor den Krankenhäusern würden die Angehörigen abgewiesen, berichtete der Fernsehsender TWS. Ärzte begründeten die Maßnahme mit einer "Anweisung der Staatsanwaltschaft", wie es hieß.

Vor den geschlossenen Toren von Krankenhäusern zeigten Eltern Fotos von vermissten Kindern, die das Musical besucht hatten und vermisst blieben. "Wir wissen überhaupt nicht, was mit unseren Angehörigen ist", klagte eine Frau im Fernsehen. (mas)

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