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Politik

Die Amerikaner und die Mauer

Mit dem Mauerbau im August 1961 wurde - im wahrsten Sinne des Wortes - die deutsche Teilung zementiert. Die USA reagierten zunächst zurückhaltend auf die Einsperrung der Menschen in der DDR.

US-Präsident John F. Kennedy während seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin am 26.6.1963 (Foto: dpa)

Kennedys historische Rede in Berlin: "Ich bin ein Berliner"

Am 13. August 1961 begann Ost-Berlin mit der Absperrung der DDR zum Westen. Der Bau der Berliner Mauer war Teil dieser Maßnahme. Die UdSSR und die DDR wussten sich nicht anders zu helfen, um den Flüchtlingsstrom aus Ost-Deutschland in den Westen zu stoppen. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 1961 flüchteten mehr als 150.000 Menschen aus der DDR. In den Jahren zuvor waren es knapp drei Millionen gewesen. Oft waren es hoch qualifizierte, junge Menschen, die dem real existierenden Sozialismus auf deutschem Boden den Rücken kehrten.

Drei Volkspolizisten ziehen am 13. August 1961 am Potsdamer Platz hinter einer Sperrkette eine Stacheldrahtbarriere. Im Hintergrund ist die menschenleere Leipziger Straße zu sehen (Foto: DPA)

Mauerbau am 13. August 1961

Die USA reagierten auf den Mauerbau zurückhaltend. Für Präsident John F. Kennedy war die Errichtung der Absperrung kein Kriegsgrund. Drei Grundfesten seiner Deutschland-Politik blieben durch den Mauerbau unberührt: der freie Zugang nach Berlin, die Anwesenheit der Westmächte in der Stadt und die Freiheit der West-Berliner Bevölkerung.

Besonnene Reaktionen

Um Präsenz zu zeigen, schickte Kennedy zunächst General Lucius Clay, den Helden der Berliner Luftbrücke von 1948/49, und Vizepräsident Lyndon B. Johnson in die geteilte Stadt. Er selbst besuchte erst 1963 die Bundesrepublik Deutschland. Vor dem Schöneberger Rathaus hielt er am 26. Juni vor Hunderttausenden jubelnden Menschen eine Rede über die Mauer und die Freiheit.

Kennedys Charisma versöhnte die Berliner mit den USA. Als Ost-Berlin mit dem Mauerbau begann, hatten viele mit einem stärkeren Engagement der USA gerechnet. Doch die Kennedy-Administration sowie die deutschen Politiker reagierten besonnen. Sie wussten: Die Welt stand am Rande eines neuen Atomkrieges.

Checkpoint Charlie - Der Grenzübergang in der Friedrichstraße war ein Symbol der internationalen Dimension des Berlin-Konflikts. (Foto: DPA)

Der "Checkpoint Charlie" in den 1980er-Jahren

Brenzlig wurde die Situation im Oktober 1961. Damals wurden Mitarbeiter der US-amerikanischen Verwaltung an der Einreise in den Ostsektor gehindert. An der Grenzübergangsstelle "Checkpoint Charlie" in der Friedrichstraße fuhren demonstrativ US-amerikanische Panzer auf. Ihnen gegenüber standen sowjetische Panzer. Am Ende zogen beide ihre Soldaten zurück. Die Amerikaner jedoch machten aller Welt deutlich, dass sie auf ihren Rechten in der Stadt weiterhin bestanden.

Im Zentrum der Weltpolitik

Das Verhältnis zwischen Präsident Kennedy und dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer war - zumindest am Anfang - nicht frei von Spannungen. Adenauer, damals 85 Jahre und von konservativer Gesinnung, misstraute dem gerade mal 44-Jährigen, der als liberal galt.

Kennedy war Pragmatiker. So lange es im Interesse der Sowjetunion liege, werde es zwei deutsche Staaten geben, sagte er zu Beginn seiner Präsidentschaft öffentlich. Diese Aussage machte es der Bundesregierung allerdings nicht leicht, eine Politik der Wiedervereinigung zu verfolgen. Die Folge: Adenauer suchte zu Beginn der 60er Jahre die Nähe zu Frankreich. Das wiederum gefiel Washington nicht.

Auch in den darauf folgenden Jahren kam es immer wieder zu Irritationen und Meinungsverschiedenheiten im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Doch konnten sich beide Seiten stets zu einem Kompromiss durchringen. Deutschland war und blieb Amerikas wichtigster Verbündeter in Europa. Die US-Präsidenten statteten Berlin stets einen Besuch ab. Im Februar 1969 kam Richard Nixon in die geteilte Stadt, im Juli 1978 war es Jimmy Carter.

Ronald Reagan am 12. Juni 1987 am Brandenburger Tor (Foto: AP)

Aufruf an Gorbatschow: "Tear down this wall"

Kurz nachdem der neue sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow eine neue Politik gegenüber dem Westen ankündigte, reiste am 12. Juni 1987 der damalige US-Präsident Ronals Reagan nach Deutschland. Wenn Gorbatschow Frieden, Wohlstand und mehr Freiheit für die UdSSR und Ost-Europa wolle, dann solle er die Mauer öffnen, sagte Reagan am Brandenburger Tor vor mehreren zehntausend Berlinern.

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Wieder war es ein US-Präsident, George Bush, der auf der internationalen Bühne als Fürsprecher Deutschlands auftrat und den Prozess der Wiedervereinigung förderte.

Autor: Miodrag Soric, Washington
Redaktion: Manfred Böhm