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Gesichter Deutschlands

Die Altenpflegerin: Susann Porter

Susann Porter ist nicht nur Altenpflegerin, sondern auch die Stimme der Band "Love is Colder than Death". Und das hat viel mit den Ereignissen zu tun, die Ende der 1980er Jahre Deutschland veränderten.

Susann Porter (Foto: DW)

Susann Porter

Susann Porter sitzt in der Küche ihrer Wohnung in Leipzig und erinnert sich an die Zeit, als sie noch Susann Heinrich hieß, Leipzig noch Teil der untergegangenen DDR war und sie plötzlich Sängerin einer Band wurde: Ihr damaliger Freund Mike war Musiker und wollte eine CD aufnehmen. Sein Sänger aber hatte einen Ausreiseantrag nach Westdeutschland gestellt und bekam kurzfristig die Ausreise genehmigt. Mike wandte sich an seine Freundin und sagte: "Susann, du kannst doch auch singen."

Susann Porter mit ihrer Tochter Emily (Foto: DW)

Susann Porter mit ihrer Tochter Emily

Und so bestritt Susann ihre erste Probe. "'Du bist unsere Stimme', sagten sie", erzählt Susann Porter, während sie das Abendessen für ihre Tochter kocht. Es ist das Ende eines langen Arbeitstages als Altenpflegerin.

Der 9. November 1989

Während die Menschen in der DDR 1989 für ihre Freiheit auf die Strasse gingen, bereiteten Susann Porter und ihre Band ihr erstes Konzert vor. Porter ist die Tochter eines regimetreuen Offiziers der Volksarmee der damaligen DDR. Und sie denkt mit gemischten Gefühlen an den 9. November 1989 und die großen Demonstrationen in Leipzig zurück: "Am 9. November machte ich mir Sorgen um meinen Vater, weil er im Dienst war. Ich hatte Angst, dass er in Leipzig gegen die Demonstranten vorgehen müsste", erinnert sich die 45-Jährige. "Ich war in einer völlig anderen Szene. Ich hatte Angst, dass falls ich auch demonstrieren würde, wir uns plötzlich gegenüber stehen würden.“ Damals sah Susann Porter die Auflösung der DDR kritisch, für sie war es eher ein Ausverkauf an den reichen Bruder aus dem Westen. Bitter merkt sie an: "Viele, die damals demonstriert haben, sind heute arbeitslos. Jetzt dürfen sie reisen, aber sie können nicht, weil sie kein Geld dafür haben.”

20 Jahre sind seitdem vergangen. Und Susann Porter erkennt im Nachhinein an, dass in der DDR viele Sachen schief gelaufen sind. "Es war nicht gesund, was da abging. Es konnte nicht funktionieren", sagt sie rückblickend. Aber auch wenn sie der aus ihrer Sicht größeren sozialen Sicherheit nachtrauert - die DDR wünscht sie sich "auf gar keinen Fall" zurück. Die Wende brachte nämlich auch sehr schöne Veränderungen. Zum Beispiel die Begegnung mit ihrem Mann, ebenfalls Musiker: "Er war Engländer und hätte nie in der DDR spielen dürfen.“

LICTD und Emily

Ihr Mann wurde Mitglied der Band der Band "Love is Colder Than Death“ kurz LICTD. Und aus Susann Heinrich wurde Susann Porter. LICTD mischt auf eingängige Weise folkloristische Elemente mit Synthesizer- und New Age-Klängen. Das kommt auch international an. Susann Porter war sogar schon in Mexiko auf Tournee. Das LICTD Album "Eclipse" von 2003 landete auf den mexikanischen New Age Sales Charts auf Platz 2.

Als Altenpflegerin hat Susann Porter auch viel Schreibkram zu erledigen (Foto: DW)

Als Altenpflegerin hat Susann Porter auch viel Schreibkram zu erledigen

1996 aber wurde die Musik zweitrangig für Susann Porter. Denn da wurde ihre Tochter Emily geboren: “Wenn man Mami wird - das weiß bestimmt jede Frau - lernt man, andere Prioritäten zu setzen. Für Musik hatte ich keine Zeit, ich musste an mein Kind denken.“ Seit sieben Jahren lebt Susann Porter als alleinerziehende Mutter. Trotz Tochter blieb die Musik ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. "Lange hätte ich es ohne Musik nicht ausgehalten“, lacht die Leipzigerin. Susann Porter ist kurz davor, mit ihrer Band eine neue CD herauszubringen. Illusionen gibt sie sich aber deswegen noch lange nicht hin: “Davon konnte ich nie - und werde es auch nie können - meine Brötchen kaufen.”

Deshalb macht Susann Porter gerade eine Ausbildung als Altenpflegerin. Der Dienst ist hart, ihre Schicht beginnt bereits morgens um sechs. Susann Porter hatte schon viele Berufe: Sie war Reitsportlerin in der ehemaligen DDR, Assistentin in einer Tierklinik und Floristin. An ihrem jetzigen Beruf schätzt sie die dankbare Reaktion der alten Menschen. Das Grundüberzeugung von Susann Porter: Dass alte Menschen ein Recht darauf haben, ihren letzten Lebensabschnitt in Würde zu erleben.

Autorin: Mirra Banchon-Ramirez
Redaktion: Matthias von Hein

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