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Kultur

"Die abendländische Welt braucht ein solches Museum"

Am Freitag (23.6.) öffnet das Pariser "Musée du quai Branly" seine Türen für das Publikum. DW-WORLD.DE hat mit der französischen Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Catherine Millet über dieses Projekt gesprochen.

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Die französische Schriftstellerin und Kunsthistorikern Catherine Millet

DW-WORLD.DE: Paris ist eine internationale und durch den Tourismus geprägte Stadt mit einer Unzahl an Museen. Warum braucht diese Stadt ein Museum wie das "Musée du quai Branly"?

Catherine Millet: Ich weiß nicht, ob Paris im speziellen ein solches Museum "braucht", aber ich weiß, dass dies die Stadt ist, in der der inzwischen 98-jährige Claude Levi-Strauss lebt, und dass er es war, der unsere Aufmerksamkeit auf den Rest der Welt gelenkt hat. Er war bei der offiziellen Eröffnung des Museums (am Dienstag, 20.6., Anm. d. Red.) anwesend und hat diese Veranstaltung damit sehr stark symbolisch aufgeladen.

Braucht Europa oder braucht die Welt ein solches Museum?

Die abendländische Welt braucht ein solches Museum mit Sicherheit, da es Modellcharakter für andere Museen anderswo auf der Welt haben kann. Bedauerlicherweise glaube ich, dass beispielsweise kein afrikanisches oder südamerikanisches Land die Mittel aufbringen könnte, ein solches Museum zu realisieren.

Was denken Sie über die Namensgebung "Musée du quai Branly"? Ist sie eine Verlegenheitslösung?

Man traut sich nicht mehr, "Primitive Kunst" zu sagen, denn das wäre anstößig. Man hat versucht, den Begriff "Frühe Kunst" durchzusetzen, der aber nicht zufrieden stellend war. Auf jeden Fall haben alle - oder fast alle - weiterhin "Primitive Kunst" gesagt. Und alle haben angefangen, spontant "le quai Branly" zu sagen. Am Ende wird sich die gebräuchlichste Variante durchsetzen. In Frankreich spricht man auch von "Beaubourg", also dem Namen des Stadtviertels, wenn man vom "Centre d'art et de culture Georges Pompidou" spricht.

Wie wichtig ist dieses Museum für Jacques Chirac?

Man sagt, Jacques Chirac sei ein wahrer Liebhaber und Kenner dieser Form von Kunst. Er hat sich so wie mehrere seiner Vorgänger auch gewünscht, als Erbe eine große, kulturelle Institution zu hinterlassen.

Wie ist die öffentliche Meinung über dieses Museum in Frankreich?

Es hat viel Polemik gegeben, als dieses Projekt auf den Weg gebracht wurde. Insbesondere die Konservatoren des "Musée de l'Homme" haben protestiert. Die Öffentlichkeit hat sich aus dieser Diskussion herausgehalten und nimmt, so scheint es mir, das Museum sehr gut an.

Glauben Sie, dass die Trennung nicht-europäischer Kunst von anderer den Besuchern einen unvoreingenommenen Blick auf die Objekte ermöglicht?

Welcher Bau wäre groß genug, die Kunst aller Zeiten und aller Zivilisationen aufzunehmen? Hilft uns die Kopfbedeckung einer malischen Tänzerin wirklich dabei, ein Gemälde von Tiepolo zu verstehen und umgekehrt?

Die Architektur des Museums von Jean Nouvel ist viel diskutiert worden. Was denken Sie über den Bau?

Ich liebe die Arbeit von Jean Nouvel sehr. Ich finde es fabelhaft, dass es ihm gelungen ist, mit dem neuen Museum auf der selben Seite der Seine ein Echo zum "Institut du Monde Arabe" zu schaffen.

Catherine Millet wurde 1948 in Bois-Colombes geboren und lebt als Schriftstellerin und Kunsthistorikern in Paris. International berühmt wurde sie 2001 durch ihren autobiografischen Roman "Das sexuelle Leben der Catherine M.", ein Buch, das der Autor Edmund White als "das expliziteste Buch über Sex, das jemals von einer Frau geschrieben wurde" bezeichnete. Sie ist Herausgeberin und Chefredakteurin der französischen Kunstzeitschrift "artpress".